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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 15:25 Uhr

Schleswig-Holstein : Erster Polizeischüler mit afrikanischen Wurzeln: Ewane Makias besondere Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der 28-Jährige ist der erste Polizeischüler in SH mit afrikanischen Wurzeln. Er gehörte zu den besten Bewerbern.

Zu den 445 Nachwuchspolizisten, die gerade auf Hubertushöhe vereidigt wurden, gehört Ewane Makia. Der 28-Jährige hat im August in der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und die Bereitschaftspolizei (PD AFB) die Ausbildung für den mittleren Polizeivollzugsdienst aufgenommen. Er ist einer von 15 Polizeischülern mit ausländischen Wurzeln.

Ewane Makia ist der erste in der Landespolizei mit afrikanischen Vorfahren und einer bemerkenswerten Lebensgeschichte: 1988 wird Makia in Kamerun geboren. Seine Mutter stirbt bei der Geburt. Seine Tante nimmt ihn in Obhut. Sein späterer Pflegevater, ein in Lüneburg lebender deutscher Tropenarzt, der in Kamerun arbeitet, adoptiert Ewane Makia 1989 und ermöglicht dem Jungen und seiner Tante ein Leben in Deutschland.

Beide wohnen viele Jahre in Hamburg-Harburg, einem sozialen Brennpunkt. Ewane Makias 2010 verstorbener Adoptivvater, „mein geistiges Vorbild“, wie der junge Polizist mit glänzenden Augen sagt, ermöglicht seinem Pflegesohn den Zugang zu Bildung und Kultur. Schon in früher Kindheit wird die Musik zur großen Leidenschaft von Ewane Makia: Er spielt klassisches Klavier, besucht mit acht Jahren eine Musikschule mit Gesangsausbildung und belegt später Kurse an der Tanz- und Schauspielschule „On Stage“ in Hamburg.

Makia ist zwölf, als er beginnt, englische und deutsche Songtexte zu schreiben. Ein Jahr später schließt er sich als Mitglied einer lokalen Gruppe an und wird zum Hip-Hop- und Rap-Musiker. „Mit Musik kann ich meine unterschiedlichen Erfahrungen emotional verarbeiten, mit Vorbildern wie Eminem und Dr. Dre.“, erklärt der angehende Polizeibeamte.

Vor zwei Jahren gründet Makia die Bewegung „new soul“ und ermutigt Menschen, sich mit Musik und Texten positive Visionen und Ziele zu setzen. Und auch beruflich geht er nach dem erweiterten Realschulabschluss außergewöhnliche Wege: 2010 wird er selbständiger Musiker und veranstaltet im Rahmen der Gewaltprävention in Schulen und Jugendeinrichtungen Projekte gegen Mobbing und Perspektivlosigkeit.

Als Quereinsteiger gelangt Ewane Makia in den Beruf des Sozialarbeiters. Nach einer einjährigen Tätigkeit im Nachtdienst des Obdachlosenheimes in Lüneburg wird er dort Sozialarbeiter im Bereich der Gefahrenabwehr und der ordnungsrechtlichen Unterbringung in Not geratener Menschen. Während der Zeit in der Obdachlosenunterkunft kommt es zu einer engen Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei.

„Die vielen Berührungspunkte und das außergewöhnlich gute Miteinander haben dann bei mir den Wunsch reifen lassen, selber Polizist werden zu wollen“, berichtet der Vater einer dreijährigen Tochter. In mehreren Bundesländern bewirbt sich Makia gleichzeitig für den Polizeidienst und erhält in Eutin den Zuschlag. Dabei zählt er zu den Besten von 150 ausgewählten Bewerbern. „Da habe ich gleich zugegriffen und freue mich riesig, dass ich jetzt hier bin“, strahlt Makia.

Der Beginn in Eutin bedeutet für den aufgeschlossenen jungen Mann die erste offizielle Berufsausbildung. Trotz der negativen Berichterstattung vor und nach seiner Einstellung über einzelne Vorfälle von Rassismus und Sexismus seien bei ihm nie Zweifel an seiner Entscheidung für den Polizeidienst in Schleswig-Holstein gekommen.

„Ich habe mich mit diesen Schlagzeilen nicht zu sehr beschäftigt, da ich stets meine eigene Erfahrung im Leben machen möchte“, sagt der selbstbewusste Polizeiobermeisteranwärter. Mit einer bejahenden Einstellung und einer entsprechenden Ambition könne er den richtigen und echten Weg für sich selbst finden. „Aus allen Informationen, die ich nun bekomme, entwickle ich meinen eigenen positiven und letztlich erfolgreichen Weg“, ist Ewane Makia optimistisch. Seine Erwartungen sieht der Nachwuchspolizist nach den ersten sechs Wochen seiner Ausbildung in der PD AFB auch mehr als erfüllt. „Es gefällt mir einfach sehr gut hier. Und die Ausbilderinnen und Ausbilder in der PD AFB sind einfach toll.“

Und klare Ziele hat der junge Polizist auch. Er will die Ausbildung erfolgreich absolvieren und ein gutes Vorbild zu sein. „Aber ich möchte den Menschen in unserem Land und in der Welt auch zeigen, dass in Deutschland alles möglich ist, wenn man fleißig ist und positive Ambitionen hat – unabhängig von Hautfarbe oder Bildung.“

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erstellt am 20.Sep.2016 | 11:59 Uhr

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