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Ostholsteiner Anzeiger

30. März 2017 | 03:01 Uhr

Grebin : Ergreifende Zeremonie für Weide

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Knapp 150 Menschen demonstrierten am Sonntag gegen die Fällung einer Weide an der Badestelle am Schluensee bei Grebin

Es war eine ergreifende Zeremonie, und manche Träne wurde vergossen: Dass die alte Weide am Grebiner Schluensee für viele auch eine spirituelle Bedeutung hatte wurde beim Trauermarsch am Sonntag deutlich. Weit mehr als 100 Frauen, Männer und Kinder beteiligten sich an der Kundgebung, die von Grebin zur Badestelle Schluensee in Görnitz führte.

Zu ernster Musik und Trauerreden trugen sie symbolisch die Weide zu Grabe und nahmen Abschied. Wie berichtet, hatte Bürgermeister Jochen Usinger den Baum ohne Absprache mit der Gemeindevertretung und dem Kreis Plön fällen lassen, da er nach seinen Worten von Jugendlichen „als Sprungturm immer mehr missbraucht“ worden sei und ihm die Verkehrssicherungspflicht obliege. Das brachte Bürger auf den Plan (der OHA berichtete). Sie organisierten aus Protest einen Trauermarsch.

Es kamen nicht nur Bürger aus der Gemeinde, auch aus mehreren Nachbarorten. Vom Ausgangspunkt vor dem Grebiner Krug setzte sich der Zug lautstark mit Megaphon, Bannern und Plakaten in Bewegung. Riesige Seifenblasen stiegen gen Himmel. Teilnehmer skandierten in Sprechchören unter anderem „Unser Baum war ein Traum!“

Am Parkplatz bei der Mosterei legten sie eine Schweigeminute ein. Jeder hatte Gelegenheit, in diesem Moment an eine der schönen Erinnerungen zu denken, die er mit dem Baum verband. An der Badestelle stellte eine Frau in der Tradition von Taizé ein Licht auf den Stumpf der Weide, und wer wollte, gab dem Baum stumm noch einen stillen Gedanken mit auf den Weg. Zum Abschluss wurde ein zu einem symbolischen Sarg geformter Teil des Baumes mit der Aufschrift „Mein Freund“ von vier schwarz gekleideten Sargträgern dem See übergeben.

Die parteilose Gemeindevertreterin Maren Degner (30) und ihr Vater Jochen Degner (60) hatten zu dem Trauermarsch aufgerufen. „Hier hat sich jemand über die Interessen der Dorfgemeinschaft hinweggesetzt und eigenmächtig eine Entscheidung getroffen“, begründeten sie die Aktion: „Die Weide war symbolträchtig und hat der Badestelle Atmosphäre gegeben.“

„Kinder sollten klettern, und unsere Kinder liebten diese Weide. Sie sind heute 19 und 24 Jahre alt und mit dem Baum aufgewachsen, er hat für uns eine große Bedeutung“, protestierten Katja Hess (59) und Peter Grams (61) aus Görnitz mit einem Banner gegen „Willkür und Selbstgerechtigkeit“ der Entscheidung. Ein Bürgermeister sollte mit den Bürgern reden: „Der Bürgermeister hätte sich auch mit einem Verbotsschild aus der Verantwortung ziehen können“, sind sie überzeugt: „Es trifft uns ins Herz.“

Einer der Redner dort war Jens Paustian aus Dannau, Alt-Bürgermeister von Plön und Ex-Grebiner. „Nur weil Kinder dort ein paar Lianen darangehängt haben: Mit diesem Argument könnte man ja jeden Baum wegkriegen“, sagte Paustian, „die Demonstration sollte für alle Entscheidungsträger ein Hinweis darauf sein, mit den Bürgern anders umzugehen. Manchmal reicht schon ein Schild. Ein Baum ist für mich auch ein Lebewesen, ich bin mit der Weide groß geworden, sie ist mit mir zusammen gewachsen. Das tut weh.“

Maren Degner freute sich wie ihr Vater über die große Anteilnahme: „Ich bin froh, dass unsere Gemeinschaft wieder lebendig ist und dass wir beieinander stehen“, meinte die junge Frau. Für Jochen Degner ist wichtig, dass der Bürgermeister bei zukünftigen Problemen die Bürger rechtzeitig beteiligt, um eine für alle tragbare Lösung zu erarbeiten. „Wir sind alle traurig und fassungslos, wir fordern Basisdemokratie, und dass Entscheidungen nicht in Gutsherrenmanier vom Bürgermeister allein getroffen werden, wir wollen mitbestimmen“, so Jochen Degner.

Nach seiner Schätzung beteiligten sich an der Demonstration knapp 150 Menschen: „Wir sind dankbar über die hohe Beteiligung und sehen, wir können etwas bewegen. Es ist wichtig, dass wir Mittel der Demokratie nutzen und unsere Meinung äußern. Wir wollen, dass man miteinander redet und aufeinander zugeht.“  


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erstellt am 13.Mär.2017 | 19:41 Uhr

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