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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 17:17 Uhr

„Eine willkürliche Verbotskultur“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gestern gründete sich in Eutin eine Initiative gegen das geplante Verbot der Freizeitfischerei in sechs Gebieten der Nord- und Ostsee

Angler und Touristiker sind entsetzt: Das Bundesumweltministerium will Hobbyanglern per Verordnung in acht Gebieten in Nord- und Ostsee das Meeresfischen verbieten. Doch die vielen Kritiker sind sich einig: Schutzziele sind durch Einschränkungen der Freizeitfischerei nicht zu erreichen. Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischereiverbandes, sprach gestern von einem „Ausdruck willkürlicher Verbotskultur im Naturschutz“.

Gestern gründeten Vertreter betroffener Fachverbände bei der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein eine Norddeutsche Initiative gegen das geplante Verbot – darunter auch der Deutsche Fischereiverband, der Deutsche Angelfischerverband, der Deutsche Meeresfischerverband oder der Tourismusverband Schleswig-Holstein. Sie kritisierten unisono, dass es keine wissenschaftlichen Grundlage gebe, die das Verbot rechtfertige. „Schutzziele werden durch die Einschneidung der Freizeitfischerei nicht erreicht“, sagte Claus-Peter Matthiensen, Geschäftsführer der Entwicklungsellschaft.

Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischereiverbandes, erinnerte an das Versprechen eines Bestandsschutzes und eines so genannten Verschlechterungsverbotes durch die EU nach Festsetzung der Natura 2000-Gebiete samt Vogelschutz- und Habitatrichtlininen. Die Freizeitfischerei falle allerdings in die Zuständigkeit des Bundes, hegte Breckling Zweifel an der Verhältnismäßigkeit: „Ich erkenne nicht, dass Freizeitfischer Robben die Fische nehmen oder Angelgeräte die Riffe am Meeresgrund zerstören.“ Sollte die Verordnung tatsächlich Rechtskraft erlangen, kündigte Breckling „politische Mittel und Maßnahmen“ an. Außerdem seien bereits rechtliche Mittel in Vorbereitung. „Dennoch hoffe ich auf die politische Einsicht“, so Breckling.

Landrat Reinhard Sager sieht das Angelverbot „genau so überflüssig wie Graupel- und Schneeschauer an diesem Wochenende“. Angler, so Sager, tragen einen erheblichen Teil der Wertschöpfung im touristischen Angebot in Norddeutschland bei. Der Schiffsverkehr mit Gefahrgut im Fehmarnbelt mit steigender Tendenz sei eine erhebliche Belastung, erinnerte der Landrat an die erste im März verabschiedete Resolution des Kreistages. Das Problem dürfe nicht im parteipolitischen Gezänk enden, sondern müsse mit Vernunft gelöst werden. Das Verbot müsse weg, alles andere sei eine „Verschlimmbesserung“.

„Das geplante Verbot trifft alle Angler. Es ist völlig überzogen und unangemessen“, lehnte Dr. Christel Happach-Kasan, Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV), ein pauschales Verbot der Freizeitfischerei in Nord- und Ostsee ab: „Das Angeln in Schutzgebieten ist kein Problem für die gesamte Fischpopulation.“ So sei auch ein pauschaler Vogelschutz über das ganze Jahr in den acht Gebieten nicht nachvollziehbar. Die Angler fühlten sich dem Schutz von Nord- und Ostsee verpflichtet. Eine wesentliche Gefährdungen entstehe durch hohe Nährstofffrachten.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens zeigte sich ebenso entsetzt: „Es gibt keine Gründe für ein Angelverbot in Nord- und Ostsee.“ Auch ihm fehle eine wissenschaftliche Grundlage, die die Haltung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks stützt. Gädechens empfahl jetzt den Aufbau eines parlamentarischen Drucks.

Der Geschäftsführer des Landessportfischerverbandes Schleswig-Holstein, Robert Vollborn, kritisierte, dass nach Intervention der Angler das Bundesumweltministerium jetzt Beweise der Angler einfordere, dass die Angelei nicht schädlich für den Naturschutz sei. Vollborn: „Diese Umkehr der Beweislast spricht Bände.“ Es sei zudem ein schlechter Weg, Naturschutz mit ordnungsrechtlichen Möglichkeiten umzusetzen, forderte Vollborn einen Dialog mit den Betroffenen und den Verbänden.  

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erstellt am 22.Apr.2016 | 13:10 Uhr

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