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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 12:42 Uhr

Eine erste Runde vor vollem Haus

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Besucherandrang zeigt großes Interesse an der Bürgermeisterwahl in Malente / Die vier Kandidaten waren sich in vielen Fragen einig

Das Interesse an der Frage, wer am 30. August die Nachfolge von Michael Koch als Bürgermeister der Gemeinde Malente antritt, ist groß. Beleg dafür lieferte der Besuch bei der ersten offiziellen Vorstellungsrunde der vier Kandidaten am Dienstagabend im Kursaal: Dessen Kapazität an Platz und Stühlen reichte – wie gestern kurz berichtet – bei weitem nicht aus für die Zahl der Menschen, die sich das Aufeinandertreffen von Jörg Meyer (55), Tanja Rönck (46), Christian Witt (45) und Hans-Werner Salomon (60) ansehen wollten. Über 200 Besucher verfolgten über gut zwei Stunden lang die Frage- und Antwortrunden, die von den beiden Journalisten Susanne Peyronnet (LN) und Bernd Schröder (OHA) moderiert wurden.

Ein wesentliches Fazit: Bei inhaltlichen Fragen an die Bewerber über ihre Ziele als Chef der Malenter Verwaltung brachte der Abend kaum überraschende Erkenntnisse. Der Informations- und Unterhaltungswert ergab sich mehr aus der Art, wie die Kandidaten auf Fragen reagierten – und auch aus den Reaktionen des Publikums, die von Schweigen über vereinzeltes Gelächter und verhaltenes Händeklatschen bis zu johlendem Applaus reichten.

Ein erster Unterschied offenbarte sich zu Beginn bei der Vorstellungsrunde, deren Reihenfolge ausgewürfelt worden war. Jörg Meyer, Tanja Rönck und Christian Witt nutzten die vier genehmigten Minuten für biografische und berufliche Daten und den Hinweis, warum sie sich für dieses Amt gerüstet fühlen. Hans-Werner Salomon öffnete darüber hinaus ein Paket an Arbeitszielen, die er sich im Falle einer Wahl zum Bürgermeister gesteckt habe, für das vier Minuten kaum reichten - und in der praktischen Umsetzung vermutlich auch keine Amtsperiode eines Bürgermeisters.

Die Moderatoren leiteten den Ablauf souverän und steuerten dabei auch gut einen Vertreter einer Wählergemeinschaft, der mit einer schriftlich fixierten Liste an Fragen präpariert war. Und sie eröffneten die Runde mit Fragen, die durchaus piksenden Charakter hatten: Hans-Werner Salomon wurde auf sein Alter angesprochen, er beteuerte, dass man mit 60 noch leistungsfähig sei und sich eher gegen eine weit verbreitete Altersdiskriminierung wehren müsse.

Sie fragten Tanja Rönck, warum sie nicht mehr die Leiterin des Amtes Oldenburg-Land sei, was sie mit Differenzen eines neu gewählten Amtsleiters begründete. Da sie sich ungern verbiegen lasse, habe sie lieber diese Funktion aufgegeben.

Jörg Meyer aus Eckernförde, der einzige Bewerber von außerhalb der Gemeinde, erntete die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der bevorstehenden Schließung seiner Behörde – er arbeitet beim Finanzamt Eckernförde – und der Bewerbung in Malente gebe, was Meyer klar verneinte. Und Christian Witt wurde gefragt, was ihn zum Bürgermeisteramt befähige. Der Polizeibeamte und Fachlehrer für das Hundewesen der Polizeidirektion auf Hubertushöhe verwies auf seine beruflichen Erfahrungen, aber auch auf sein Engagement in der Bürgerinitiative gegen die Fusion der Malenter mit der Hutzfelder Schule.

Witt kam durchaus souverän durch den Abend, betonte immer wieder, dass er als Bürgermeister ein Vertreter der Bürger sein und diese bei allen Entscheidungen einbeziehen wolle. Zur Frage auf sein Wahlprogramm verwies er auf eine in Kürze bevorstehende Veröffentlichung einer Broschüre und Freischaltung einer Internetseite.

Natürlich versicherten alle vier, dass Bürgerbeteiligung ganz oben auf ihrer Agenda stehe. Jörg Meyer – er vollendete Dienstag sein 55. Lebensjahr – verwies dabei auf seine kommunalpolitische Erfahrung, die er als Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister in Eckernförde gesammelt habe. Er kenne sowohl Verwaltung als auch Kommunalpolitik.

Tanja Rönck nahm gleiches für sich in Anspruch, zum einen als Mitarbeiterin einer Verwaltung in leitender Funktion, zum anderen habe sie als Vertreterin der Freien Wähler über zehn Jahre hinweg in der Malenter Gemeindevertretung mitgearbeitet.

Den – gemessen an den Reaktionen des Publikums – schwersten Stand hatte Hans-Werner Salomon wegen seiner Rolle in der Kommunalpolitik. Tenor vieler Fragen: Was will er als Bürgermeister erreichen, was er als einflussreicher Gemeindevertreter – Salomon ist seit 2013 Vorsitzender der CDU-Fraktion – nicht erreicht habe.

Salomon reagierte geduldig und sachlich. Er betonte mehrfach, dass man in einer Gemeindevertretung immer auf Mehrheiten angewiesen sei und Kompromisse schmieden müsse – und die Einflussmöglichkeiten eines einzelnen Gemeindevertreters offenbar weit überschätzt würden.

Bei den Brennpunkten in Malente gab es wenig unterschiedliche Auffassung: Schnelle Lösungen für die marode Schwentinebrücke und den gesperrten Turm auf dem Holzberg erwarteten alle, ebenso befürworteten sie den Neubau eines Schul- und Sportzentrums.

Tourismusstrategie, Wiederbelebung der Bahnhofstraße, die Vereinbarkeit von Kneippheilbad und Motocross – kein Kandidat offenbarte außergewöhnliche Gedanken oder Konzepte. Ein bisschen überraschten nur Tanja Rönck und Hans-Werner Salomon: Rönck mit der Warnung vor der Ausweisung immer neuer Baugebiete, wenn mit dem demografischen Wandel ein Schub an leerstehenden, unverkäuflichen Häusern eintreten könnte. Und Salomon mit der Idee, dass die Gemeinde die Trasse der Bahnstrecke Malente-Lütjenburg kaufen und preiswert zu einer Straße ausbauen könnte, womit sich auch für die Bahnhofstraße neue Lösungen eröffnen würden.

 

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erstellt am 27.Apr.2016 | 14:00 Uhr

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