zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 01:12 Uhr

Ein Urgestein der SPD wird 80: Günther Jansen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Es ist still geworden um ihn. Er ist still geworden, hat sich von allen Ämtern zurückgezogen. Den größten Teil seines Lebens war es für Günther Jansen, der heute 80. wird, deutlich anders. Der bekannteste Politiker aus Eutin hat großen Anteil daran, dass die Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein 1987 nach 37 Jahren CDU-Dominanz an die Regierung kamen.

Jansen wurde als junger Verwaltungsbeamter vom damaligen Kreisverwaltungsdirektor Klaus Konrad für die SPD geworben, er engagierte sich als Jungsozialist schnell auf Landesebene.

1970 begann Günther Jansen als Bürgermeister der Gemeinde Süsel, gesellschaftliche Teilhabe in der Kommunalpolitik zu verwirklichen: Jugend- und Altenparlament, Jugendzentrum, Dorfgemeinschaftshäuser machten Süsel zur „Modellgemeinde“. Einwohnerfragestunden in der Gemeindevertretung sind heute selbstverständlich, in Süsel war es über Jahre eine landesweit einmalige und mehrfach von der Kommunalaufsicht gerügte Praxis.

1970 wurde Jansen Kreisvorsitzender der SPD, 1975 als Nachfolger von Jochen Steffen ein ebenso streitbarer SPD-Landesvorsitzender, 1980 wurde er in den Bundestag gewählt – den Wahlkreis hatte zuvor Klaus Konrad vertreten. Ostpolitik, Mitbestimmung, Atomenergie und Nachrüstung waren in diesen Jahren bestimmende Themen sozialliberaler Regierungspolitik, und häufig meldete sich Jansens SPD zu Wort. Legendär wurde eine Anmerkung des SPD-Kanzlers Helmut Schmidt: Alle Welt applaudiere ihm, nur der „Bürgermeister von Tütel“ kritisiere ihn unentwegt.

Im November 1987 gab Jansen den SPD-Landesvorsitz auf. Der Landesverband sei organisatorisch der beste in der ganzen SPD, bescheinigte ihm damals Willy Brandt. Als Sozialminister im Kabinett Engholm bewies Jansen, dass er auch an der Spitze eines Landesressorts starke Akzente setzen und erfolgreiche Politik gestalten kann – „nebenbei“ auch gegen die Nutzung der Atomenergie und bei der Förderung der Windenergie.

Viele sind überzeugt, dass Günther Jansen mit Abstand der bislang beste Sozialminister des Landes gewesen ist. Engagiert, sachkundig, durchsetzungsfähig im Amt, humorvoll, herzlich und fürsorglich im persönlichen Umgang.

Tragisch das Ende der politischen Karriere durch Rücktritt: Im Frühjahr 1993 wurde bekannt, dass Jansen dem Journalisten Reiner Pfeiffer Geld gegeben hatte. Pfeiffer war erst Akteur in einer Schmutzkampagne gegen Engholm, dann Kronzeuge – und zuletzt restlos verarmt. Jansens Beteuerung, aus Mitleid gehandelt zu haben, wollte kaum jemand glauben. Einem Politiker traut man so viel Selbstlosigkeit nicht zu.

Wer Jansen gut genug kennt, weiß, dass er sich nicht zu schade war, zum Beispiel für einen „Tippelbruder“persönlich die Wochenration an Lebensmitteln zu kaufen. Oder dass er der Gemeinde Süsel seine Bürgermeisterrente als Spende zurück überwiesen hat.

Der Verlust an Glaubwürdigkeit in den Augen einer breiten Öffentlichkeit hat ihn hart getroffen. Er mied lange öffentliche Auftritte. Als Verwaltungschef einer Klinik fand er eine neue Aufgabe, er leitete als ehrenamtlicher Vorstand die Fusion der Universitätskliniken des Landes in die Wege und engagierte sich in zahlreichen sozialen Einrichtungen. Nur zwei Beispiele: Der Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien in Not und der Arbeitskreis „Soziale Wochen“ des Hansa-Parks. Ministerpräsidentin Heide Simonis würdigte Jansens Verdienste 2004 mit der Verleihung des Ehrenprofessorentitels.

Das Urgestein der Sozialdemokraten widmet seine Zeit komplett seiner Familie und hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am 14. Juli galt das aber fast schon immer: An seinen Geburtstagen war er, wie er immer beteuert hat, nie zu Hause.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Jul.2016 | 04:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert