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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 05:18 Uhr

Ein tödlicher Streit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

29-jähriger Albaner steht wegen Totschlags vor dem Kieler Landgericht

Es begann als ein harmonischer Abend unter Landsleuten, dann kam Alkohol dazu. Ein verbaler Streit eskalierte in einer Prügelei. Am Ende gab es einen Toten, der nach zahlreichen Messerstichen verblutete. Seit gestern muss sich ein 29-jähriger Albaner vor dem Landgericht Kiel verantworten. Er ist des Totschlags angeklagt an einem Landmann.

Februar 2016. Tatort ist eine Wohnsiedlung im Auberg in Lütjenburg. Im 4. Stock des Hauses mit der Hausnummer 10 lebte der Angeklagte. In einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung gibt der Angeklagte die Tat zu. Zu dritt habe man im Supermarkt Bier, Wein und Erdnüsse gekauft. Man habe Musik gehört, erzählt und getrunken, lässt der Angeklagte verlesen. Dann sei die Stimmung plötzlich gekippt. Das spätere Opfer habe mit der Faust auf ihn eingeschlagen, so der Angeklagte. Zunächst sei er in die Küche geflüchtet, dort habe er dann ein Messer mit einer 17 Zentimeter langen Klinge gegriffen. Er sei in der Küche wieder angegriffen worden. Das spätere Opfer habe ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er sei ohnmächtig zu Boden gegangen. Wieder bei Bewusstsein, habe er sich mit dem Messer gewehrt.

13 Stichwunden in Kopf, Hals und Rumpf erwähnt die Gerichtsmedizinerin in ihrer Aussage vor Gericht. Sieben Stiche seien tief gewesen, mit zwei Stichen sei eine Schlagader durchtrennt worden. Opfer und Angeklagter hatten bei der Tat einen Blutalkoholwert von fast 2 Promille. Ein Nasenbeinbruch und Blutergüsse wurden beim beim Angeklagten festgestellt.

Unklar blieb für das Gericht letztlich die Frage, warum oder worüber es zu diesem Streit kam. Ein Zeuge (24), der dritte Landsmann an diesem Abend, bestätigt grundsätzlich den Streit. Der Angeklagte habe das spätere Opfer plötzlich beleidigt – was vielleicht als Scherz gemeint. Zweimal habe das Opfer auf den Angeklagten eingeschlagen. Dieser sei dann in die Küche geflüchtet. Dort habe er den Angeklagten mit dem Messer in der Hand zunächst beruhigt. Auch dieser Zeuge bestätigt aber, dass der Angeklagte vom späteren Opfer hier zu Boden geschlagen wurde und das Bewusstsein verlor.

Während der Zeuge seiner Schilderung nach Hilfe holen wollte, sei der Streit eskaliert. Bewohner des Hauses bestätigen einen lautstarken Streit. Als Polizei und Rettungskräfte eintrafen, fanden sie nur noch einen leblosen Mann in einer Blutlache vor.

Sollte der Angeklagte für schuldig befunden werden, droht ihm eine Haftstrafe zwischen fünf und 15 Jahren. In zwei weiteren Verhandlungstagen will das Gericht weiter versuchen, den Tathergang zu klären.

Wie schwierig dies durch die Sprachprobleme und Religion ist, macht ein Vorwurf am Rande der Verhandlung deutlich. Acht Tage nach der Tat wurde aus Albanien angereisten Familienangehörigen die Urne mit der Asche des Getöteten ausgehändigt. Für Muslime mehr als Affront, da sie keine Gelegenheit hatten, den Toten zu sehen.

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erstellt am 17.Aug.2016 | 18:43 Uhr

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