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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 19:28 Uhr

Ein Süseler war Chef der Reichsmarine

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Paul Behncke machte in der Kaiserlichen Marine Karriere. Während des Ersten Weltkriegs gehörte er zu den Hauptakteuren der Skagerrakschlacht

Die Familie von Paul Behncke brachte über mehrere Generationen angesehene Kaufleute in Lübeck hervor. Erst sein Vater Friedrich Johann Behncke brach mit dieser Tradition und bewirtschaftete als Landwirt sein Gut in Süsel. In der Gemeinde mit der „Vicelinkirche“ aus dem 12. Jahrhundert und dem repräsentativen Backsteinturm auf dem Gömnitzer Berg wurde Paul Behncke am 13. August 1866 geboren. Wie sein Bruder Fritz schlug er erneut eine andere Richtung ein. Beide Behncke-Söhne wollten weder Kaufmann noch Landwirt werden. Ihr Traum war von früher Jugend an die Marine. Beide traten nach der Schule auf dem schnellsten Wege als Kadetten in die Kaiserliche Marine ein, in der Paul Behnke eine bemerkenswerte Karriere machte.

Der gebürtige Süseler nahm an der berühmten Skagerrakschlacht teil und gehörte im
Ersten Weltkrieg zu den Führungskräften der Kaiserlichen Marine. Er brachte es bis zum Rang eines Admirals und fungierte zwischen 1920 und 1924 sogar als Chef der Marineleitung. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Das reichte vom Hanseatenkreuz der Hansestadt Lübeck über den Kronenorden II. Klasse und dem Roten Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern bis zum Pour le Mérite. In der Marineschule Flensburg-Mürwik erinnert seit langem ein Ölgemälde an Behncke.

Paul Behncke erhielt seine Grundausbildung auf dem Schulschiff Seiner Majestät Schiff (SMS) Niobe. Danach folgte der Dienst auf anderen Schiffen. Das reichte von der Kreuzerfregatte SMS Elisabeth und dem Kanonenboot SMS Wolf über SMS Brummer sowie SMS Bremse bis zur Kommandierung auf SMS Deutschland. 1894 wurde der aufstrebende Marineoffizier, der inzwischen mit Emma Martienssen, einer Großkaufmannstochter aus Hamburg, verheiratet war, in das Oberkommando der Marine berufen. Er stieg zum Kapitänleutnant auf, besuchte 1897 bis 1899 die Marineakademie und bewährte sich anschließend auf zwei anderen Kriegs- schiffen als Artillerieoffizier. Es folgte die Versetzung in das Reichsmarineamt nach Berlin, wo er als Kapitän zur See zum Chef der militärischen Abteilung aufstieg. Nach mehreren Jahren in Berlin fungierte er nacheinander als Kommandant der Kriegsschiffe SMS Wettin und SMS Westfalen. 1911 wurde Behncke dann als Abteilungschef in den Admiralstab der Marine berufen, wobei er zum Konteradmiral aufrückte.

Dann brach der Erste Weltkrieg aus. Behncke wurde zunächst stellvertretender Chef des Admiralstabes. Wegen gravierender Meinungsverschiedenheiten mit den anderen Marinegrößen musste er allerdings 1915 gehen. Der Konteradmiral übernahm das Kommando über das III. Geschwader der Hochseeflotte mit den sieben modernsten Schiffen der kaiserlichen Marine. Damit nahm er in einer Schlüsselstellung an der Skagerrakschlacht teil, der größten Seeschlacht im Ersten Weltkrieg. Die Briten hatten dabei den größeren Schiffsanteil und auch die größeren Verluste. Die deutsche Flotte löste sich aus strategischen Gründen, konnte aber letztlich die britische Blockade nicht auflösen. Behncke wurde danach zum Vizeadmiral befördert. Er drang anschließend in den Rigaischen Meerbusen ein und sorgte für die Eroberung der baltischen Inseln. Ansonsten blieb die deutsche Hochseeflotte in ihren Häfen. Noch im August 1918 wurde Behncke zum Staatssekretär im Reichsmarineamt berufen. Für kurze Zeit. Für ihn war ein neues Kommando vorgesehen. Er sollte Chef der Marine in der Nordsee werden. Doch dazu kam es nicht mehr. Der Erste Weltkrieg endete. Behncke erhielt seinen Abschied, wirkte in der Kommission zur Entwaffnung mit und erlebte die Nachkriegswirren im Ruhestand.

1920 allerdings wurde der Vizeadmiral reaktiviert. Die Weimarer Republik berief ihn zum Chef der neuen Admiralität, um nach dem Versailler Vertrag die Marine zu konsolidieren und andererseits neu aufzubauen. Behncke wurde bald zum Admiral befördert und betrieb trotz aller Anfangsprobleme der Weimarer Republik und der Auflagen des Versailler Vertrages das erste Neubauprogramm für die Marine. Das war eine Gratwanderung. Am 25. September 1924 nahm der Aufsteiger dann seinen endgültigen Abschied. Er hatte die Weichen für eine neue deutsche Marine gestellt. Ihre weitere Entwicklung beobachtete er aus der Distanz. Mehr Zeit investierte er in sein Hobby, der meereskundlichen Forschung. Der Ex-Admiral starb am 4. Januar 1937 in Berlin.

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erstellt am 02.Aug.2016 | 12:17 Uhr

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