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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 14:49 Uhr

Bilanz der Sturmschäden : Ein Orkan mit Extrawucht

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Windgeschwindigkeiten bis zu 191 Kilometer pro Stunde gemessen / 3600 Einsätze landesweit für Helfer

Der erste Herbststurm des Jahres hat Geschichte geschrieben: Mit nie zuvor gemessenen Windgeschwindigkeiten von bis zu 191 Kilometern pro Stunde fegte der Orkan übers Land. Laut Deutschem Wetterdienst war „Christian“ einer der stärksten Stürme in den vergangenen 30 Jahren. Aber erst am Tag danach ist das Ausmaß seiner Zerstörungskraft deutlich geworden.

Nach einer Schätzung der obersten Forstbehörde hat der Sturm landesweit 300 000 Kubikmeter Holz in den Wäldern geworfen oder gebrochen. Folge: „Beim Betreten der Wälder besteht wegen der zahlreichen entwurzelten und abgeknickten Bäume Lebensgefahr“, warnt Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Deshalb sei ein absolutes Betretungsverbot der Wälder in den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde erlassen worden.

Auch Häuser und Autos im ganzen Land sind betroffen, die Schäden liegen in zweistelliger Millionenhöhe. „Die Telefone stehen nicht mehr still“, sagte Heiko Wischer, Sprecher der Provinzial Versicherung. „Kunden stehen zum Teil sogar Schlange vor unseren 140 Agenturen.“ Neben abgedeckten Dächern, zerbeulten Autos oder umgeworfenen Bäumen habe die Provinzial auch einige Großschäden zu regulieren.

Der Zugverkehr war gestern weiter stark behindert. „Mehrere Tausend Mitarbeiter sind im Einsatz, um umgestürzte Bäume von den Gleisen zu holen und beschädigte Oberleitungen zu reparieren“, sagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Heute sollen die Verbindungen in Richtung Norden aber wieder planmäßig aufgenommen werden.

Landesweit rückten Helfer mehr als 3600 Mal aus. „So viele Einsätze hatten wir noch nie, das war ein Extremsturm“, sagte Lothar Gahrmann vom Landespolizeiamt. Bei der Regionalleitstelle der Polizei in Kiel gingen am Montag innerhalb weniger Stunden fast 3000 Anrufe ein, was für die Beamten in der Landeshauptstadt und im Kreis Plön 450 Einsätze nach sich zog, die meisten sturmbedingt.

Auch die Feuerwehren waren von Sylt bis Fehmarn im Dauereinsatz. Die Helfer kümmerten sich um die umgekippten Bäume, umherfliegende Zäune, Gerüste und Dächer, außerdem um umgestürzte Fahrzeuggespanne, gefährlich schwankende Kräne sowie abgeknickte Verkehrsschilder und Strommasten. Landesweit war es zu 130 größeren Stromausfällen durch beschädigte Leitungen gekommen, so auch zwischen Weißenhaus und Klein Wessek, wo Bäume in die Hochspannungsleitung gekippt waren und von der Feuerwehr zersägt wurden. Rund 50 000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom, auch das Dräger-Werk in Lübeck war eine halbe Stunde „ohne Saft“.

In der Schadensbilanz für Ostholstein ist neben dem Todesfall in Göhl, wo eine Rentnerin von einer umstürzenden Steinmauer erschlagen wurde, von mehreren Verletzten die Rede. Äste trafen einen Mann auf der Diekseepromenade, in Scharbeutz geriet ein Fußgänger am Bürgerhaus unter einen fallenden Baum. Auf dem Gelände der Sana-Klinik in Eutin stürzte ein Baum auf ein Auto, ebenso in Schürsdorf, die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Eine kuriose Meldung: Selbst für den Windsack an der Fehmarnsundbrücke gab es am Montag kurz nach 15 Uhr kein Halten mehr: Er flog davon. Seite 18 / Kommentar Seite 21

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erstellt am 30.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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