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Eutin/Lübeck : Ein Festival, das viele Brücken baut

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Classical Beat“ führt Musiker aus vielen Ländern, klassische und moderne Musik und Zuhörer aus vielen Generationen zusammen

Die Beobachtung lässt sich bei fast jedem Konzert machen: Der klassischen Musik sterben die Zuhörer weg. Einen der bisher noch seltenen Versuche, das Interesse junger Menschen an der Klassik zu wecken, wird es in Ostholstein und Lübeck geben: Das Festival „Classical Beat“ ist „ein brandneues Format, das klassische Musik mit moderner Clubkultur, überraschenden Aufführungssituationen und anderen Musikgenres verbindet“, kündigt Initiator Hans-Wilhelm Hagen an.

Das Festival wird zehn Konzerte und Partys von 29. Mai bis 22. Juni umfassen, die Veranstaltungsorte reichen von Fehmarn über Eutin und Timmendorfer Strand bis Lübeck. In der Hansestadt gab es Sonnabend ein Pre-Opening-Konzert mit Vorstellung des Festival-Konzeptes vor 220 Menschen im Hansemuseum.

Hans-Wilhelm Hagen macht seine Ankündigung wahr: Beim Eintritt in den Vorruhestand im November vergangenen Jahres hatte der langjährige Direktor der Volksbank Eutin die Gründung der Stiftung „Neue Musik-Impulse Schleswig-Holstein“ bekannt gemacht. Ihr Ziel: Junge und renommierte Musiker zusammen zu bringen, Brücken zu schlagen zwischen traditioneller und zeitgenössischer Musik und über Ländergrenzen hinweg.

Als ein Beispiel hatte sah Hagen die Arbeit in der „Tonhalle Late“ in Zürich, zwei führende Köpfe hat er für das Festival „Classical beat“ gewonnen: Künstlerischer Leiter ist Etienne Abelin, Schweizer Violinist, Dirigent und Kulturmanager, der sich seit Jahren weltweit neuen Wegen der Klassik widmet, sowie Ralph Roos, Co-Veranstalter bei der Tonhalle in Zürich.

Classical Beat ist, wie Abelin erläuterte, dreierlei: Akademie, Konzerte und Discover (Entdeckung): Die Akademie lädt junge Musiktalente ein, mit Profis zu arbeiten und Konzerte zu geben. Unter dem Begriff Discover sollen Schüler und Musikschüler Grundelemente der „indie-classical“-Kultur entdecken.

Neben der Theorie gab es Sonnabend im Hansemuseum auch Praxis: Abelin gab zusammen mit der jungen dänischen Pianistin Asta Stidsen und dem Pianisten Stefan Vescovic (Dozent der Musikhochschule Lübeck) musikalische Kostproben - und optische: Denn jungen Leuten reicht es nicht, in einem Konzertsaal zu sitzen, Musik zu hören und den Musikern zuzuschauen.

Abelin war, wie er erzählte, im Internet auf den Künstler Stephen Malinowski gestoßen, der Musik mit bewegten Bildern hinterlegt: Geometrischen Formen, Linien und Farbfelder, die wie an eine Band gezogen zur Musik laufen. Gemeinsam entwickelten beide eine Technik, wie sich die Geschwindigkeit der Bilder mit der Musik bei Konzerten abstimmen lässt, denn _ anders als bei Aufnahmen „atmet“ Livemusik, sie wechselt ständig die Tempi. Die Lösung: Eine Handkurbel, mit der sich der Lauf des Bildmaterials im Konzert an die Musik anpassen lässt. Als Sonnabend ein Mutiger zur Bedienung der Kurbel für ein Musikstück gesucht wurde, meldete sich Holger Ahrens aus Eutin, der nach Einweisung durch Brigitta Grimm und Etienne Abelin die Visualisierung an der Leinwand steuerte.

Eine Seite seines Projektes hat Hagen in den vergangenen Monaten realisiert: eine breite Unterstützung in der Hanse-Belt-Region und darüber aus Eutins Partnerstadt Lawrence.

Die Stiftung „Neue Musik-Impulse Schleswig-Holstein“ ist Trägerin, die Finanzierung sind überwiegend Spenden, Sponsoring, Förder- und Eintrittsgelder. Unterstützt wird die Initiative von Institutionen wie der Musikhochschule Lübeck, Politik und Wirtschaft. Vorsitzender des achtköpfigen Präsidiums der Stiftung ist Dr. Arno Probst, Vizepräses der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck. Beteiligt sind Musikschulen in Ostholstein, Lübeck, Dänemark, Schweden und die Universität in Lawrence. Jetzt bleibt eine spannende Frage: Wird es gelingen, ein junges Publikum zu gewinnen. Etienne Abelin ist sicher, dass es so ist. Aber es könne natürlich auch mal „danebengehen“. Das ist Teile jeden Versuchs.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 19:43 Uhr

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