zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2016 | 07:16 Uhr

Ein Einsatzgebiet größer als Deutschland

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Kommandeur des Eutiner Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“, Alexander Radü, gibt Einblick in die Arbeit der ostholsteinischen Soldaten in Afrika.

Brennend heiße Sonne und trockene, staubige Luft empfingen die Eutiner Soldaten im malischen Gao. Wüstenklima und bis zu 55 Grad Celsius haben die Frauen und Männer des Aufklärungsbataillons 6 in den vergangenen Monaten begleitet. In wenigen Tagen beginnt die gruppenweise Heimkehr der Aufklärer, die sich über etwa vier Wochen hinziehen wird.

Im Auftrag der Vereinten Nationen sind sie noch in Mali unterwegs und gehören dem zweiten Deutschen Einsatzkontingent Asifu-Minusma an. Asifu steht für „All sources information fusion unit“, Minusma für „Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali“, eine Mission, die das durch Terrorgruppen geplagte Land stabilisieren soll.

In Gao liegt das niederländisch geführte Camp Castor, in dem die Bundeswehrsoldaten untergebracht sind. Das 2. Deutsche Einsatzkontingent wird vor allem durch das Aufklärungsbataillon aus Eutin gestellt, rund ein Viertel der aktuell 850 Camp-Bewohner gehören ihm an. Insgesamt sind derzeit rund 500 deutsche Soldaten in Gao.

Kernbeitrag der deutschen Beteiligung an Minusma ist eine Aufklärungskompanie. Ihre Arbeit ist vor allem Aufklärung als Beitrag zum Lagebild. Ein sehr fordernder Auftrag, das verdeutlicht nicht zuletzt der Einsatzraum der Kompanie: Er erstreckt sich in seiner Nord-Süd-Ausdehnung über 1000 Kilometer und von Ost nach West über 700 Kilometer. Damit ist er größer als die Bundesrepublik Deutschland.

Eutiner sind aber nicht nur in der Aufklärungskompanie. Ihr Kommandur, Oberstleutnant Alexander Radü, leitet das deutschen Einsatzkontingent und ist damit Vorgesetzter aller Bundeswehrsoldaten in Gao. Diese Verwendung sei für ihn Privileg und Ehre zugleich. Radü fügt hinzu: „Der Umstand, dass das Aufklärungsbataillon 6 die allererste deutsche Aufklärungskompanie überhaupt in Gao stellt, macht mich und uns alle dabei umso mehr stolz.“

Ihm zur Seite steht in Mali ein Kontingentstab, in dem natürlich ebenfalls neben Soldaten aus anderen Standorten Eutiner arbeiten. Sie unterstützen den Kommandeur unter anderem im Personalwesen, Logistik oder auch in der Pressearbeit.

Darüber hinaus findet man Eutiner Bataillonsangehörige bei der Unterstützungskompanie und in der Instandsetzung. Im Lager weht die Landesflagge Schleswig-Holsteins und vor dem Eingang zur gemischten Aufklärungskompanie prangt das Ortsschild der Gemeinde Schönwalde am Bungsberg, der Patengemeinde der 2. Kompanie. Der ein oder andere meint sogar schon einmal gehört zu haben, wie das Schleswig-Holstein-Lied erklungen ist.

Radüs Beobachtung: „Die Männer und Frauen im Feldlager Camp Castor sind ein verschworener Haufen, der gemeinsam anpackt und eine Einheit bildet. Dabei ist es egal, ob es sich um Eutiner oder Hagenower handelt, ob Aufklärer oder Logistiker, ob Deutsche oder Niederländer, man begreift sich hier als Schicksalsgemeinschaft, in der man nur gemeinsam stark ist.“

Die widrigen Rahmenbedingungen trügen sicher zu dem starken Gemeinschaftsgefühl bei: Hohe Temperaturen, auch nachts noch über 30 Grad, und Sandstürme gehörten dazu. Aktuell ist Regenzeit. Die bringt Schauer, die aufgrund ihrer Intensität, aber auch aufgrund des trockenen Bodens zu wahren Fluten innerhalb und außerhalb des Feldlagers führen können. Nicht zuletzt teilen sich die Menschen das Feldlager mit Schlangen, Skorpionen und anderem unfreundlichen Getier.

Am Ende des Tages, wenn sich die Soldaten in die schattigen Außenbereiche ihrer Unterkünfte begeben und das jeweils Erlebte Revue passieren lassen, überwiege täglich der Stolz darüber, Dinge geleistet und vollbracht zu haben, von denen andere noch in der Zukunft profitieren könnten. Und wenn man dann noch ein Paket aus der Heimat, beispielsweise gestiftet von der Kameradschaft des Aufklärungsbataillons 6 aus Eutin, in den Händen halte, dann wähne man sich doch wieder fast in der Heimat.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Sep.2016 | 13:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen