zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 13:09 Uhr

Durchstarten trotz eines Handicaps

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Ich-bin-gut-Camps“ verleihen Selbstbewusstsein und Wertschätzung / Gute Projekt der Arbeitsverwaltung für Schüler mit Lernbeeinträchtigungen

Nick Dallügge aus Selent ist 16 Jahre, hat seinen Förderschulabschluss in der Tasche und will nun auch für seinen Traumberuf als Pferdewerker durchstarten. Möglich macht ihm dies das „Ich-bin-gut-Camp“ und eine entsprechende Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme“ (BVB). Michaela Pooch aus Lütjenburg ist 20 Jahre alt. Sie hat es schon geschafft, sie steht am Ende ihrer Lehre in eben diesem Beruf – Dank des Camps und der BVB-Betreuung.

Schauplatz ist die „Happy-Horse-Farm“ in Blekendorf. Sie ist Teil des diesjährigen „Ich-bin-gut-Camps“ der Arbeitsverwaltung für Schüler mit Lernbeeinträchtigungen. Nick hat das Camp im vergangenen November durchlaufen. Dort bekam er die Möglichkeit, sich mit seinem Traumberuf trotz Handicap vertraut zu machen. „Die Schüler bekommen neben der Beratung im Camp die Gelegenheit, drei Berufsfeldern nach Wahl zu erkunden“, sagt Kevin Huhs, Berufsberater für diese spezielle Gruppe bei der Agentur für Arbeit.

Nick und Michaela haben sich dabei für den Beruf des Pferdewerkers entschieden. Was folgte ist dann ein längeres Praktikum in Blekendorf. Anschließend begann für sie eine elfmonatige „Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme“ – für Nick hat diese nun gerade nach dem Ende der Sommerferien begonnen. Während dieser Zeit besuchen die Teilnehmer einmal wöchentlich die Berufsschule, erhalten aber ergänzend Nachhilfe und Betreuung zum Ausgleich ihrer Schwächen. Ergänzt wird dies durch eine soziale Betreuung, die bis in den privaten Bereich gehen kann. Durch die BVB-Begleitung erhält der Teilnehmer zusätzlich seinen anerkannten Hauptschulabschluss und qualifiziert sich für eine Lehre in dem Beruf seiner Wahl.

„Hier auf der Happy-Horse-Farm wird den jungen Menschen gezeigt, wie abwechslungsreich und bereichernd dieser Ausbildungsberuf sein kann. Die jungen Leute bekommen Einblicke in den Berufsalltag, müssen mit anpacken und erleben - was für sie ganz wichtig ist – Wertschätzung“, so Huhs weiter. Gleichzeitig lernen die begleitenden Berufsberater frühzeitig den Förderbedarf ihrer Klienten besser kennen. Mit Jan-Oliver Becker, dem Leiter der Farm, hat die Agentur gleichzeitig einen Partner gefunden, der den jungen Leuten das Berufsfeld des Pferdewirtes vermittelt. Durch seinen Camp-Aufenthalt und das Praktikum hat Becker nun die Überzeugung gewonnen, dass Nick durchaus für den Job geeignet ist und will ihm die Chance dafür geben. Für Nick ist die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz am Ende des BVB-Jahres sicherlich wie „ein Sechser im Lotto“.

Das Camp findet bereits zum dritten Mal statt. Rund 150 Jugendliche haben es bereits durchlaufen. Viele haben dadurch den Sprung in die Lehre und den sicheren Arbeitsplatz geschafft.

Florian, 14, aus Selent, Fabian, 14, aus Wittenberger Passau und Björn, 16, aus Grebin erleben gerade den Farm-Alltag in Blekendorf. Mit einem kleinen Traktor mit Anhänger müssen sie über das Gelände fahren und Pferdemist einsammeln, anschließend werden die Tiere gefüttert und getränkt. Das ist Spaß und Arbeit, doch sie sind eifrig dabei, diese neue Erfahrung zu lernen. Von Michaela und Chef Jan-Oliver Becker erfahren sie nebenbei viel über die Pferde und die Pferdehaltung. „Theorie und Praxis werden hier verknüpft, um den Jugendlichen zu helfen, ihren Beruf zu erfahren“, sagt Kevin Huhs. Vom ersten Schulkontakt bis zum Ende der Lehre läuft die gezielte Betreuung durchaus fünf Jahre – was ihren Erfolg ausmacht, sagt der Berufsberater. 18 Berufsfelder hat er derzeit im Angebot. „Alle aus der letzten Maßnahme haben bereits einen Ausbildungsplatz bekommen“, fasst er das Ergebnis zusammen. Die Perspektiven seien in jedem Fall gut. Interessant am Rande, im Kreis Plön ist die Maßnahme dabei deutlich erfolgreicher als in Kiel – was sicherlich auch mit dem persönlichen Engagement der Arbeitgeber im Kreis zusammenhängt. Nick hat sich entschieden, hat seine Chance erkannt und will es schaffen. Zumal er selbst gern in seiner Freizeit reitet. Für ihn ist durch das „Camp“ nun ein Traum wahrgeworden – auch wenn noch ein langer Weg vor ihm liegt.

 

zur Startseite

von
erstellt am 09.Sep.2016 | 11:18 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen