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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 23:30 Uhr

DRK Plön sitzt auf Einkäufen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ehemaliger Vorsitzender Tobias Hartmann hat rund 160 000 Euro des Renovierungskredites von 450 000 Euro schon ausgegeben

Es gibt neue schwere Vorwürfe gegen den abgesetzten Vorstand des DRK-Ortsvereins Plön, dem Betreiber der Kindertagesstätte (Kita) in der Rautenbergstraße. Deutlich geworden sind sie bei dem Versuch einer ordnungsgemäßen Amts-Übergabe mit dem abgewählten Vorstandsvorsitzenden, Tobias Hartmann.

Stand bisher (nur) der Vorwurf im Raum, Hartmann habe auf Kosten des Vereins einen teuren Kaffeeautomaten und einen Aufsitz-Rasenmäher angeschafft, wirft ihm nun der neue Vorstand die Verschwendung von weiteren Vereinsgeldern vor. „Wir sind derzeit dabei, zivilrechtlich und strafrechtlich gegen Herrn Hartmann vorzugehen“, so Paul Barin, der erste Vorsitzende des neuen DRK-Vorstandes Plön.

Hartmann war aufgefordert worden, alle ihm noch zur Verfügung stehenden Akten des DRK-Ortsvereins und der Kiza zu übergeben. Ein erster Termin platzte, weil sich Tobias Hartmann nach einem Schreiben seines Anwalts im Urlaub befand. Ein neuer Termin wurde dann für den 16. August – „für uns seltsamerweise beim DRK-Kreisverband in Eutin“, so Pressesprecher Ulf Grünke – anberaumt. Auch zu diesem Termin sei Hartmann nicht gekommen. „Er hatte sich kurzfristig krank gemeldet und nur seinen damaligen Vertreter, Christoph Timm, geschickt, der sich allerdings mehr als kooperativ zeigte“, so Grünke weiter.

Sehr viel Material wurde allerdings nach Vorstandsangaben nicht übergeben. „Das waren in erster Linie technische Büroausstattung wie Handys, Laptops, PC oder Festplatten. Das hat uns schon gewundert, zumal die Daten vielfach gelöscht, alle Geräte doppelt vorhanden waren.“ Am Montag dieser Woche rief Hartmann dann beim Vorstand an und erklärte, er wolle den Rest übergeben, inklusive des „Baumaterials“. „Wir konnten uns zunächst keinen Reim darauf machen, sprachen ab, das Material anlässlich unserer angesetzten Vorstandssitzung am Dienstag in den Räumen der Kita zu übernehmen“, erklärte Grünke weiter. Doch was dann kam, hat dem neuen Vorstand zunächst die Sprache verschlagen.

Noch vor Dienstbeginn in der Kita in der Rautenbergstraße fuhr ein Lkw vor und lud in der Einfahrt „mehr als 30 Umzugskisten und Gerätschaften ab, wie wir uns das nie haben vorstellen können. Wir fragen uns, was ist das für Gerät. Wofür wurde es angeschafft?“

Die Liste der nun erfassten Gerätschaften ist mehr als lang – acht Seiten mit mehr als 30 Zeilen pro Seite: „Und das meiste zweimal, zum Teil noch nicht einmal ausgepackt“ – darunter zwei PC, zwei Laptops (je 1400 Euro), zwei iPhones, zwei Notebooks, zwei Bildschirme, aber auch Baumaterial, Drucker, Luxus-Lampenfuß für 500 Euro, Diamant-Trockenbohrer, diverse Bohrmaschinen, zwei Kaffeeautomaten (zu 1800 Euro), ein Gardena-Bewässerungscomputer, eine Fritteuse, Staubsauger, drei Kfz-Batterieladegeräte, Felgenreiniger, Bremsreiniger, Farbeimer und vieles mehr. Mittlerweile füllen die überreichten Dinge einen etwa 60 Quadratmeter großen Raum, durch den kein Durchkommen mehr ist.

Hartmann selbst gab nach Angaben des neuen Vorstands an, er habe bei sich zu Hause ein „Homeoffice“ eingerichtet, um von dort die Vereinsarbeit zu erledigen – dafür wurden auch wieder zwei Schreibtische und diverse andere (doppelte) Büromöbel angeschafft. „Dafür hätte er auch keine Büromiete vom DRK verlangt“, habe Hartmann dem neuen Vorstand gegenüber in einem Schreiben erklärt.

In einem Gespräch des neuen Vorstands mit der Förde Sparkasse über den gewährten 450  000-Euro-Kredit für den dringend notwendigen Umbau und die Renovierung der Kita kam heraus, dass Hartmann offenbar bereits 160  000 Euro davon verbraucht hat. „Auf Grund der vorliegenden Rechnungen könnten etwa 100  000 Euro dem Bereich Bau zugerechnet werden – bei viel Wohlwollen“, so Grünke weiter. „Eindeutig ist aber auch, dass Sachen im Wert von Schätzungsweise 60  000 Euro eindeutig nicht für den Bereich Bau ausgegeben wurden – siehe das Lager.“

Der neue Vereinsvorsitzende Paul Barin selbst zeigte sich enttäuscht vom Verhalten seitens der Förde Sparkasse. Er macht den Sparkassen-Vertretern den Vorwurf: „Sie kooperieren nicht in der Aufklärung der Sache. Aufgrund des Bankgeheimnisses können wir keine Auskünfte über bestehende Geschäftsverbindungen geben. Die Förde Sparkasse vergibt Kredite allgemein nur dann, wenn alle notwendigen Voraussetzungen gegeben sind. Ehrenamtliche Tätigkeiten üben Sparkassenmitarbeiter eigenverantwortlich aus. Auf Entscheidungen im Rahmen dieser ehrenamtlichen Tätigkeiten wird keinerlei Einfluss genommen“, soweit Sparkassen-Sprecher Andre Santen.

Bleibt nachzutragen: Für den Vorstand völlig überraschend tauchte Tobias Hartmann während der Vorstandssitzung am Dienstag
in der Kita auf und übergab weitere Unterlagen, darunter zwei Ordner und auch Buchungsjournale. Zu Erklärungen über die Einkäufe war er allerdings laut Vorstand nicht bereit. 

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erstellt am 31.Aug.2016 | 13:57 Uhr

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