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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 19:46 Uhr

DRK in Plön: Staatsanwalt ermittelt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ortsverein Plön: Verfahren wegen des Verdachts der Untreue / Es fehlen rund 190 000 Euro

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen Vorsitzenden des DRK-Ortsvereins Plön und eine weitere Person. Das bestätigte die Kieler Staatsanwaltschaft auf Nachfrage des OHA. Gleichzeitig wurde auf einer Mitgliederversammlung des Ortsvereins am Mittwoch deutlich, dass die Schadenssumme sich weiter erhöht hat. Zudem hat der Verein weitere Regressansprüche angemeldet.

Das Verfahren gegen beide Beschuldigte werde wegen des Verdachts der Untreue geführt, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft. H. leitete als Vorsitzender bis zum Sommer die DRK-Kindertagesstätte in der Rautenbergstraße in Plön. Stand zunächst (nur) der Vorwurf im Raum, er habe auf Kosten des Vereins einen teuren Kaffeeautomaten und einen Aufsitz-Rasenmäher angeschafft, wirft ihm nun der neue Vorstand die Verschwendung von weiteren Vereinsmitteln vor.

Wie der OHA berichtete, führte das letztlich auch zur Entlassung des Vorstands. Konkret ging es um den Vorwurf, der Vorstand habe rund 160  000 Euro eines 450  000 Euro-Kredits der Förde Sparkasse vorzeitig ausgegeben für Anschaffungen. Davon seien Sachen im Wert von schätzungsweise 60  000 Euro privat und nicht dem Verwendungszweck Instandhaltung und Renovierung der Kita zuzurechnen, stellte der neue Vorstand im August fest und beschloss rechtliche Schritte einzuleiten.

Insgesamt sei der dadurch entstandene Schaden auf nunmehr 135  000 Euro zu beziffern, teilte der Sprecher des Vereins, Ulf Grünke, vor der Mitgliederversammlung mit. Es sei nun „zu untersuchen, ob dies strafrechtlich zu werten ist, derzeit ermittelt die Kripo in Plön, eine erste Anhörung steht an.“

Parallel hat der Verein Anzeige gegen einen als „Hausmeister“ im Verein Tätigen erstattet. Er soll, so der Verein weiter, „Rechnungen für Tätigkeiten eingereicht haben, die nicht erbracht worden sind.“ Gleichzeitig liefen gegen ihn Ermittlungen seitens der Handwerkskammer wegen Schwarzarbeit. Hier geht es um 50  000 Euro. Ebenfalls hat der Verein derzeit rechtliche Schritte gegen eine Heizungsbaufirma eingeleitet, die 10  000,01 Euro (so die Rechnung) für die Wartung und Entlüftung der Heizungsanlage in Rechnung gestellt habe. „Niemand hat die Menschen der Firma hier im Hause gesehen“, so Grünke weiter. „Wir haben dies prüfen lassen, danach hätten die Mitarbeiter mindestens 100 Stunden hier arbeiten müssen.“

Und ein weiteres Beispiel für die fragwürdigen Einkäufe des ehemaligen Vorstands führte der neue Vorsitzende des Vereins, Paul Barin, an: Kürzlich hätte sich ein Baumarkt mit der Frage an den Verein gewandt, wann denn das bestellte Tor für 1400 Euro abgeholt würde. Als Lieferadresse stand auf der Bestellung die Privatadresse des ehemaligen Vorstands.

Deshalb sei auch eine Zivilklage in Vorbereitung, um Regressforderungen zu stellen. Der Beschuldigte selbst äußerte sich über seinen Rechtsanwalt, eine Kieler Großkanzlei, zu den Vorwürfen: „Ihr Mandant bestreite die Vorwürfe und habe immer nur im Interesse und zum Wohle des Kindergartens gehandelt“, zitierte Grünke aus einem in diesem Tagen eingegangenen Anwaltsschreiben. Insgesamt seien damit nun 190  000 Euro fraglich.

Positiv zu vermerken ist, dass die Stadt Plön die Kündigung gegen den Verein zurückgezogen hat. Derzeit stehen der Verein und die Stadt in Verhandlungen über den Etat 2017. Dieser beläuft sich nach Vereinsangaben auf kalkuliert 551  000 Euro. Die Stadt allerdings macht derzeit noch Vorbehalte geltend und stellt Kürzungen in Höhe von rund 40  000 Euro in Aussicht. Spielraum aber für Nachverhandlungen scheint es nach OHA-Informationen von der Stadt Plön nicht zu geben. Aufgrund von vorgegebenen Sparmaßnahmen muss der Verein zudem eine Erzieherin entlassen.

„Wir müssen 2017 so stabil sein wie möglich“, beschreibt Barin die finanziell prekäre Situation des Trägervereins. „Wir können das Haus nur sanieren, wenn wir die Finanzen unter Kontrolle halten“. Gleichzeitig erneuerte Barin aber auch Vorwürfe gegen die Förde Sparkasse, die dem Verein den Kredit gewährt hatte. Sie habe keine Kontrolle ausgeübt – einen möglichen Kontroll-Passus im Kreditvertrag hatte der alte Vorstand aus dem Vertrag „aus Kostengründen“ streichen lassen, so Barin in einer Erklärung.

Zur weiteren Aufarbeitung der Affäre hat der Verein seinen Vorstand durch eine Juristin und eine Beraterin verstärkt, die den Kindergarten „noch aus seinen besten Zeiten“ kenne.  

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erstellt am 21.Nov.2016 | 13:11 Uhr

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