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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Diebische Putzfrau akzeptiert Geldstrafe

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Angeklagte gesteht und zieht Einspruch zurück / Zwei betagte Opfer erzählen, wie sie ihr auf die Schliche kamen

Eigentlich erleichtern Reinigungskräfte den Menschen, zu denen sie kommen, das Leben und nicht den Geldbeutel. Nicht so in Malente: Zwei betagte Bewohner eines Mehrfamilienhauses wurden nicht nur bestohlen, sondern offensichtlich auch per Brief erpresst.

Zur geplanten Verhandlung am Eutiner Amtsgericht kam es gestern aber gar nicht erst, da die Angeklagte über ihren Anwalt den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzog, gleichzeitig die verhängte Geldstrafe anerkannte und ihre Schuld eingestand. „Das ist schon mal gut, aber meine Sachen bleiben weg“, sagt Helene H.* (92) traurig. Schmuck im Wert von rund 12  000 Euro wurde ihr im vergangenen Jahr gestohlen. Doch zuvor traf es einen anderen Bewohner des Mehrfamilienhauses. Wilhelm W.* erinnert sich noch genau daran: „Es war der 26. August 2015. Zirkus Krone war den ersten Tag in der Stadt, und ich hatte meinem Enkel und den beiden Urenkeln die Karten mit je einem Zehn-Euro-Schein zurecht gemacht, damit sie sich dort noch etwas kaufen können.“ Das Auto der Putzfrau, die eigentlich nur zuständig für die allgemeinen Bereiche wie Treppenhaus und Keller ist, stand an diesem Tag länger als gewöhnlich auf dem Parkplatz. Wilhelm W. aber wollte noch was in Eutin besorgen und fuhr los. Wieder zu Hause wunderte sich der Senior, dass in den Umschlägen kein Geld mehr war. „Auch die Karte für die Schuleinführung meiner Urenkelin im September hatte ich schon fertig gemacht und mit Geld beiseite gelegt. Weg. Einfach weg“, sagt er. Ebenso eine gut erhaltene Stradivari-Geige, wertvoller Schmuck der Ehefrau und 40 Jahre alter Krim-Sekt. Wilhelm W.: „Ich hatte sie sofort im Verdacht, habe sie zig mal angerufen. Erst am nächsten Tag meldete sie sich zurück.“ Das Ultimatum, das er ihr stellte, ließ sie einfach verstreichen. „Ich hatte ihr angeboten, das niemand davon erfährt, wenn ich nur meine Sachen wieder bekomme. Da sagte sie mir, die habe sie gar nicht mehr.“ Im Briefkasten fand er später ein Entschuldigungsschreiben. Doch Wilhelm W. ging zur Polizei und erzählte seiner Nachbarin Helene H., was passiert war.

„Er hat nur gesagt: Schauen Sie mal bei sich nach, ob Sie noch alles haben“, erinnert sich Helene H. – „und eines Tages war mein ganzer Schmuckkasten leer“. Auch das Bargeld fehlte. Doch das sei noch lange nicht alles. Helene H. zückt einen Brief aus ihrer Tasche. „Damit hat es angefangen.“ In dem Brief wird sie aufgefordert, 5000 Euro unter ihre Fußmatte zu legen, andernfalls droht der Autor zur Polizei zu gehen und dafür zu sorgen, dass die betagte Dame den Führerschein verliert. Helene H. hat nichts unter die Fußmatte gelegt, stattdessen die Polizei informiert.

Beide Senioren wissen, dass bei der Reinigungskraft nicht viel zu holen ist, wollen sich aufgrund ihres Alters den Ärger eines Zivilverfahrens und möglicher zusätzlicher Kosten sparen. Sie zeigten sich aber entrüstet darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit sie beklaut wurden. „Die hat sich einfach bei uns bedient, und wusste genau, wo unsere Schlüssel lagen. Das macht man einfach nicht. Auch nicht, wenn man arm ist.“

Die Putzfrau macht immer noch dort sauber. Die Schlösser aber haben die beiden ausgetauscht.


*  Namen geändert

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erstellt am 11.Aug.2016 | 00:34 Uhr

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