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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 22:24 Uhr

Eutin : Die Wahl ist nicht leicht gefallen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Green Screen“: Eutin war von allen sh:z-Standorten die erste Station für die Tour des Naturfilmfestivals. Drei Filme standen zur Abstimmung.

Natur ist faszinierend, aber auch grausam. Leben ist Kampf, die Starken überleben. Oder die Schlauen. Diese Erkenntnis vermittelten alle drei Filme, die der Ostholsteiner Anzeiger am Donnerstagabend in Zusammenarbeit mit dem Kulturbund Eutin im Kommunalen Kino Binchen präsentierte. Vor besetzten Stuhlreihen – die kostenlosen Karten waren bereits am Tag der Ankündigung im OHA weggegangen – liefen Dokumentarfilme über Strauße, über bedrohte Tierarten im Amazonas und über Schneeeulen.

Jeder Streifen gehört zum Programm des größten europäischen Naturfilmfestivals „Green Screen“, das vom 14. bis 18. September zum zehnten Mal in Eckernförde stattfindet. Zu den Preisen, die in verschiedenen Kategorien vergeben werden, gehört der vom Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) gestiftete und mit 1000 Euro dotierte Publikumspreis.

Dafür laufen drei ausgewählte Filme in 14 Städten des Landes, und in Eutin war Donnerstag der Start. Das heißt, dass die Leser des Ostholsteiner Anzeigers, die im Binchen waren, als erste über ihren Lieblingsfilm abstimmen konnten.

Die Ergebnisse aus den 14 Aufführungsorten werden erst am Ende der Tour bekannt gegeben, aber beim Befragen von zufällig ausgewählen Zuschauern wurde deutlich, dass alle Filme ihre Anhänger finden werden.

Maria Röhr aus Eutin hat, wie sie verriet, für „Die Reise der Schneeeulen“ gestimmt. Sie hat eine besondere Vorliebe für Störche, und die Dokumentation über das Leben der Schneeeulen weckte bei ihr die größte Sympathie.

Die Autoren des Filmes, Klaus Weißmann, Dietmar Nill und Brian McClatchy, haben erzählt, warum Schneeeulen in ihrer angestammten Heimat in Sibirien immer häufiger wegen Nahrungsmangels auf Wanderschaft gehen, die oft bis zur deutschen Nordsee führt. Die durch Klimawandel beförderte „Flugreise“ wird an verschiedenen Stationen mit teilweise atemberaubenden Aufnahmen aus der Tierwelt angereichert, darunter der sehenswerte Tanz eines Hermelins auf der Mäusejagd.

Jörn Brodersen aus Malente hat sich für „Tiermythen – Die Kinder des rosa Delfins“ entschieden. Der Film habe sehr deutlich gemacht, welche Folgen menschliches Handeln in der Natur haben könne, sagte Brodersen als Grund für seine Wahl.

Die Autoren Florian Guthknecht, Moritz Kipphardt und Dunja Engelbrecht haben keinen klassischen Tierfilm produziert, sondern erzählt, welche Mythen ein noch weitgehend traditionell lebendes Indianervolk mit den Tieren im größten Fluss der Erde verbinden, darunter den nur im Amazonas lebenden roten Delfin. Der seltene Säuger wird von rücksichtslosem Raubbau bedroht, weil ihn Fischer fangen und zum Köder für den Fang von Welsen verarbeiten.

Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, verriet Elke Zastrow aus Plön, sie habe zwischen dem Delfin und dem Film über den Vogel Strauß geschwankt, sich dann für den Strauß entschieden. „Der Strauß – zum Laufen geboren“ bekam auch die Stimme von Christian Grantz, der den Film „thematisch klar“ fand, und von Irmela Burton, die sich besonders emotional berührt fühlte durch die Schilderung, wie sehr das Leben oder Sterben des Strauß-Nachwuchses von äußeren Umständen, vor allem dem rechtzeitigen Beginn der Regenzeit, abhängt.

Ihren Film über den größten Vogel der Welt, der nicht fliegen kann, haben Mike Birkhead und Martyn Colbeck in den Wüsten Namibias gedreht. Neben Aufnahmen, die den Betrachter sehr dicht an die Tiere heranführen, ist ein sehr lehrreiches Portrait über ein außergewöhnliches Tier entstanden, zu dem niemand „dummer Vogel“ sagen dürfte.

Mit einem Märchen hatte schon zu Beginn des Abends Jan-Ole Hoffmann vom Eckernförder Green-Screen-Team aufgeräumt: Der Strauß stecke entgegen eines landläufigen Sprichwortes seinen Kopf gar nicht in den Sand, aber der brütende Vogel drücke sich bei Gefahr sehr flach auf den Boden, und vielleicht sei das Sprichwort so entstanden. Hoffmann, der den Abend moderierte, betreute gemeinsam mit Dagmar Behn und Heidi Broecker die Abstimmung.

Es war bei weitem nicht der einzige lehrreiche Hinweis des Abends. Ein weiteres Beispiel: Die wohl berühmteste Scheeeule dürfte „Hedwig“ aus den Harry-Potter-Romanen sein. Doch das in den Filmen gezeigte Tier ist – wie die Färbung der Federn zeigt – männlich.

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erstellt am 14.Aug.2016 | 04:00 Uhr

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