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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 02:56 Uhr

Der wertvollste Quadratmillimeter

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Spezialisten sprachen in Fielmann-Akademie auf Schloss Plön über Ursachen und Therapie der altersabhängigen Makuladegeneration

Erst lässt die Sehkraft langsam nach. Später wird es schwierig zu lesen oder sogar Gesichter zu erkennen. In einigen Fällen kommt auch noch verzerrtes Sehen dazu. Die Rede ist von der häufigsten Augenerkrankung, die bei Senioren sogar zu Sehbehinderung führen kann: die altersabhängige Makuladegeneration oder kurz AMD. 130 Augenoptiker und Augenärzte trafen sich kürzlich zum 33. Fielmann Akademie Kolloquium um über Hilfen für Betroffene zu beraten.

Professor Frank Holz, Direktor der Universitätsaugenklinik Bonn und renommierter Netzhautspezialist, zu den Hintergründen der Erkrankung: „Scharf sehen können wir nur mit dem Zentrum unserer Netzhaut. Die Stelle des schärfsten Sehens ist gerade einmal einen Quadratmillimeter groß.“ Werde dieser winzige aber so wertvolle Bereich im Auge geschädigt, könnten Menschen nur noch grobe Strukturen erkennen. Das sei der Fall bei AMD. Für die Betroffenen stehe die selbständige Lebensführung auf dem Spiel.

Ab dem sechzigsten Lebensjahr nimmt die Häufigkeit der Erkrankung stark zu. Annährend 30 Prozent der über 75-Jährigen sind betroffen. „Das ist eine echte Volkskrankheit,“ sagte Holz. Doch was führt zu dieser Erkrankung? Im Laufe des Lebens sammeln sich Abfallstoffe und Zellschutt im Bereich der lichtempfindlichen Netzhautzellen. Irgendwann gehen die sensiblen Zellen im eigenen Müll zugrunde. Bei einem kleineren Teil der Patienten kommt es zu Flüssigkeitseinlagerungen in der Netzhaut. Ärzte sprechen dann von der feuchten AMD. „Diese besonders aggressive Verlaufsform lässt sich glücklicherweise mittlerweile mit Spritzen ins Auge für längere Zeit aufhalten“, so Holz. Wichtig sei dabei allerdings die frühzeitige Behandlung. Für die weitaus häufigere trockene AMD gibt es aktuell noch keine etablierte Therapie. Das könnte sich allerdings ändern. Holz: „Es gibt ein sehr vielversprechendes Medikament, das aktuell getestet wird und den Verlauf der Erkrankung zumindest bremsen könnte.“ Experten erwarteten, dass es noch ein bis zwei Jahre dauern werde, bis der Wirkstoff zugelassen sei.

In der Diskussion wurde auch die Frage der Vorbeugung angesprochen. „Essen sie viel grünes Gemüse und Obst“, empfiehlt Holz. Darin enthalten seien wichtige Substanzen, die die Netzhaut schützen. Diese Vorbeugung muss allerdings schon früh im Leben beginnen, um im Alter Wirkung zu zeigen. „Wenn die Erkrankung erst einmal ausgebrochen ist, lässt sich auch durch diverse Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr viel ausrichten“, so Holz.

Aber auch heute schon stehen für Betroffene mit schwerem Sehverlust wertvolle Hilfen zur Verfügung. Markus Sutter von der Beratungs- und Rehabilitationsstelle für Sehbehinderte und Blinde in Bern erläutert: „Die Kontoauszüge wieder lesen zu können oder die Gesichter der Enkel zu erkennen ist für die Betroffenen oft ganz wichtig“. Spezielle Lupen und Fernrohre, elektronische Vergrößerungssysteme oder spezielle Beleuchtungen kommen in Frage. Um die optimale Lösung zu finden, muss der spezialisierte Augenoptiker detaillierte Messungen vornehmen. Ohne Motivation und Übung seitens der Patienten geht es allerdings nicht. „Es ist ein Erfolg, wenn kleinere Textpassagen wieder selbständig gelesen werden können“, so Sutter. Alle Referenten sind sich einig: Im Mittelpunkt steht der Patient mit seinen individuellen Bedürfnissen.


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erstellt am 02.Mai.2016 | 16:39 Uhr

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