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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 12:55 Uhr

Der Schatz aus der braunen Mappe

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ostholstein-Museum zeigt bislang unbekannte Zeichnungen von Friedrich Overbeck

Wenn jetzt bald wieder die Herbst- und Winterjacken aus dem Schrank geholt werden, gibt es sicherlich so manche Überraschungen. Geldscheine, Stifte oder Bonbons tauchen aus den Tiefen der Taschen wieder auf. Die Freude darüber ist meist groß. Auch das Ostholstein-Museum hat beim Rumstöbern so eine Entdeckung gemacht – allerdings in einer ganz anderen Dimension.

Im Herbst 2014 wurde in den Museumsmagazinen zufällig eine große braunmarmorierte Mappe entdeckt. Was sich darin befand, lässt jetzt die Kunstwelt aufhorchen: Zum Vorschein kamen bislang unbekannte Zeichnungen des berühmten Romantikers und Nazareners Friedrich Overbeck.

Der Sensationsfund besteht zum einen aus 15 druckgrafischen Blättern nach Zeichnungen Friedrich Overbecks und eine kleine Mappe mit sechs religiösen Allegorien, die der Künstler 1833 entworfen hatte und von einer dritten, unbekannten Person mit Bleistift kopiert und dann in Feder und Tusche farbig gefasst worden waren. Zum anderen lagen in der Mappe 19 Zeichenblätter, bei denen es sich – wie sich nach einem Jahr intensiver Recherche herausstellte – um Originale von Overbeck handelte.

„Es sind Werke von hohem kunsthistorischen Wert“, sagte Museumsleiterin Dr. Julia Hümme gestern bei der Vorstellung des Mappeninhalts, der ab morgen der Öffentlichkeit in einer neuen Ausstellung des Museums präsentiert wird. Die Fundstücke sind allesamt frühe Werke Overbecks, die zum Großteil während seiner Studienzeit zwischen 1806 und 1809 in Wien entstanden sind. Als „unsere Perle“ bezeichnet Hümme – zu Recht stolz auf den Fund im eigenen Depot – die neue Ausstellung.

Während sich durch die Zeichnungen vieles aus dem Schaffen Overbecks neu bewerten lässt, konnte das Museum nicht entschlüsseln, wie die Mappe in den Fundus kam – denn der Großteil des Overbeck’schen Nachlassen befindet sich in Lübeck. Zumindest bekannt ist, dass die Mappe einst der Schwester Overbecks gehörte, die dann über ihrem Stiefsohn irgendwie den Weg nach Eutin gefunden haben muss – ins Depot des Ostholsteins-Museums.

„Die Eutiner Zeichenblätter belegen auf eindrucksvolle Weise die frühe künstlerische Begabung und die selbstbewusste zeichnerische Weiterentwicklung des jungen Friedrich Overbeck“, sagt Hümme. Gerade hierin offenbare sich der hohe Wert der in Eutin entdeckten Blätter für die kunstgeschichtliche Forschung – „ein wahrer Glücksfall für das Ostholstein-Museum“, sagt Hümme.


Die Sonderausstellung „Friedrich Overbeck in Wien. Unbekannte Zeichnungen aus dem Ostholstein-Museum Eutin“ wird morgen (8. September) um 19 Uhr im Ostholstein-Museum feierlich eröffnet. Die Werke sind bis zum 20. November im Dachgeschoss zu sehen.


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erstellt am 06.Sep.2016 | 12:37 Uhr

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