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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 11:42 Uhr

Nachruf: Ernst-Günther Prühs : „Demokratie bedeutet Mitwirkung“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der verstorbene Politiker und Historiker Ernst-Günther Prühs verstand die Erfahrungen mit Krieg und Diktatur als Auftrag zum Handeln

Es war keine Phrase, sondern Leitbild eines langen Lebens: „Demokratie bedeutet Mitwirkung. Gerade als Staatsdiener habe ich mich offen zu bekennen und mitzuarbeiten.“ Das hat Ernst-Günther Prühs gesagt. Der Studiendirektor a.D. war 25 Jahre Kreistagsabgeordneter, und er gilt als bedeutender Chronist seiner Heimatstadt Eutin.

Zu seinem Abschied aus dem Kreistag 1990 wurde er zum Ehrenkreispräsidenten ernannt. Die Stadt Eutin verlieh ihm am 3. Oktober 1998 die Ehrenbürgerwürde. Vor einer Woche, am 22. November, ist Ernst-Günther Prühs im Alter von 98 Jahren nach einem außergewöhnlich schaffensreichen Leben gestorben.

Neben der Kommunalpolitik engagierte sich Prühs auch als Historiker: Sein 1993 veröffentlichtes, zweimal aktualisiertes Buch „Geschichte der Stadt Eutin“ gilt als Standardwerk, das die Entwicklung der Stadt von ihren Anfängen bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts auf Basis profunder Recherchen beschreibt. Es ist Prühs’ wichtigstes von diversen Büchern mit historischen Inhalten aus der Region. Daneben hat er Hunderte von Aufsätzen geschrieben, die meisten wurden im Ostholsteiner Anzeiger und in den Jahrbüchern des Eutiner Heimatverbandes veröffentlicht.

Ernst-Günther Prühs, am 12. Oktober 1918 in Heide als Sohn eines Eutiner Beamten geboren, wuchs von seinem zweiten Lebensjahr an in Eutin auf. Dem Abitur 1937 an der Johann-Heinrich-Voß-Schule folgte die Einberufung zum Militärdienst. Wegen des Beginns des Zweiten Weltkriegs wurde Prühs nicht mehr aus der Wehrmacht entlassen.

Er erlebte den Krieg fast komplett als Soldat der Marine, war in Dänemark, Norwegen und zuletzt als Kommandeur einer Marineflakbatterie in Kiel eingesetzt. Ein Semester Studienurlaub war ihm 1942/43 eingeräumt worden, bei dem er in Freiburg/Preisgau seine Frau Herta Johanna kennenlernte. Die beiden heirateten im Januar 1944 in Eutin, getraut von dem späteren Bischof Wilhelm Kieckbusch, damals noch Landespropst.

Dem Ehepaar waren zwei Töchter und ein langes gemeinsames Leben gegönnt, sie feierten vor zwei Jahren das Fest der Gnadenhochzeit. Herta Prühs starb am 24. Dezember 2015.

Nach dem Krieg hatte Prühs 1945 das Studium der Germanistik, Geschichte und Geografie in Kiel und Freiburg aufgenommen, nach dem Staatsexamen 1950 unterrichtete er sechs Jahre lang am Gymnasium in Heide, 1957 wurde seinem Wunsch auf Versetzung nach Eutin stattgegeben. Deutsch und Geschichte unterrichtete er bis 1980 an „seiner“ Voß-Schule, ehrenamtlich gab er auch Studenten aus Lawrence Deutsch-Stunden.

Krieg und die Folgen von Diktatur hätten ihn stark beeindruckt, sagte Prühs einmal, dessen Vater während der Weimarer Republik in der Eutiner Stadtvertretung war. Er habe sich deshalb früh zum Aufbau eines demokratischen Staates bekannt.

1948 trat Prühs der CDU bei. 1962 wurde er bürgerliches Mitglied des Kreiskulturausschusses, 1965 zog er als regulär gewählter Abgeordneter in den Kreistag des Kreises Eutin ein. Von 1966 bis 1974 war er Kreisrat, nach der Fusion der Kreise Eutin und Oldenburg wurde Prühs der erste Kreispräsident des neuen Kreises Ostholstein.

„Ernst-Günther Prühs hat es geschafft, unseren Mitbürgern klarzumachen, dass Ostholstein auch ihre Heimat ist“, sagte der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Fritz Wilhelm Langbehn, zum Ende seiner Amtszeit als Kreispräsident 1990. Von Fehmarn bis Bad Schwartau habe Prühs, der eigens Plattdeutsch gelernt hatte, für den neuen Kreis geworben und wesentlich dazu beigetragen, Vorbehalte der Menschen gegen dieses „neue Gebilde“ abzubauen.

Im Kreistag verlor Prühs seine Heimatstadt nicht aus den Augen: Auf die Frage, was seine wichtigsten Erfolge für Eutin gewesen seien, sagte er in einem OHA-Interview zu seinem 80. Geburtstag: Die Einrichtung eines Heimatmuseums (heute Ostholstein-Museum) und der Kreisbibliothek sei ihm im Zusammenwirken mit anderen gelungen. Mit der Einrichtung einer Forschungsstelle in der Landesbibliothek sei 1990 ein Traum in Erfüllung gegangen.

Intensiv gehadert hat Prühs mit den Straßenlampen, die Ende der 1970er Jahre in der Eutiner Fußgängerzone aufgestellt worden waren – und heute noch da stehen. Er hat sie ausdauernd in vielen Reden, aber erfolglos als „Stilbruch im Eutiner Stadtbild“ kritisiert.

Sehr betroffen war Ernst-Günther Prühs von den spät erhobenen Vorwürfen gegen Bischof Kieckbusch, dem mehr als 30 Jahre nach seinem Tod die Aufnahme von zwei Pastoren mit nationalsozialistischer Vergangenheit in der Eutiner Landeskirche vorgeworfen wurde. Prühs hat Kieckbusch sehr geschätzt: „Er war ein aufrechter und volkstümlicher Gottesmann. Wenn er predigte, war die Kirche voll.“ Und Kieckbusch habe sich mutig geweigert, in die NSDAP einzutreten.

In einem Brief gegen die Umbenennung des Kieckbusch-Kindergartens in Eutin schrieb Prühs Anfang des Jahres: „Schließlich ist die Tilgung des Namens Kieckbusch auch ein Affront gegen die Stadt Eutin, die ihn 1961 mit großer Zustimmung zum Ehrenbürger ernannte.“ Es war der letzte Beitrag, mit dem sich Ernst-Günther Prühs öffentlich zu Wort gemeldet hat.


> Ein Trauergottesdienst mit anschließender Beisetzung beginnt Freitag, 2. Dezember, um 14 Uhr in der Friedhofskapelle Eutin.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 13:30 Uhr

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