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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 18:47 Uhr

Demenz: Etwa 5000 Ostholsteiner sind betroffen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Was passiert, wenn der Partner oder die eigene Mutter plötzlich vergessen, wo sie wohnen, oder zur Arbeit gehen wollen, obwohl sie schon seit vielen Jahren Rentner sind? Antworten gab gestern der 2. Eutiner Demenz-Tag auf der Landesgartenschau (LGS) mit diversen Angeboten zum Thema. Neben Informationen, Workshops und Vorträgen war der Höhepunkt des Tages eine prominente und fachkompetente Talkrunde unter der Leitung von Radio-Moderatorin Lena Aden. Gäste der Runde waren: Adelheid Braumann aus dem Referat für Hilfen bei Demenz im Bundesfamilienministerium, Dr. Hartmut Niefer, Ärztlicher Direktor des Sankt Elisabeth Krankenhauses Eutin, Anette Langner – Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein. Zu den weiteren Gästen gehörten die 1. Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Lübeck, Heidemarie Juhl-Damberg, Anne Brandt vom Kompetenzzentrum Demenz und Moderatorin Bettina Tietjen.

Insgesamt 1,6 Millionen Menschen sind bundesweit an Demenz erkrankt, sagte Lena Aden als Einstieg in die Diskussion. In Schleswig-Holstein sind es 60  000, im Kreis Ostholstein etwa 5000 Betroffene. „Tendenz steigend, weil sich die Lebenserwartung der Menschen erhöht.“ Man müsse, so Aden weiter, das Thema Demenz aus dem schambesetzten Bereich holen und darüber sprechen. Bettina Tietjen erinnerte sich an die ersten Anzeichen bei ihrem an Demenz verstorbenen Vater: „Er ist plötzlich drei, vier Mal am Tag zum Geldautomaten gefahren, um sich 20 Euro abzuholen.“ Was Tietjen und ihre Schwester zunächst als „Verkalkung“ interpretierten, stellte sich schließlich als Demenz heraus. Auch Heidemarie Juhl-Damberg bewertete die Anzeichen bei ihrem 67-jährigen Ehemann zunächst als „Pensionsstress“. „Er war immer der Pfadfinder der Familie“, erinnert sich Juhl-Damberg zurück, „bei unseren Ausflügen war er der Pilot, ich der Co-Pilot.“ Nach zunehmenden Orientierungsschwierigkeiten ihres Mannes diagnostiziert ein Arzt dann die Demenzerkrankung.

Während Dr. Hartmut Niefer über die heutigen Diagnosemöglichkeiten der Krankheit informierte, betonte Anette Langner die Wichtigkeit der Vernetzungs- und Aufklärungsarbeit: „Es gibt in Schleswig-Holstein in fast jedem Kreis Pflegestützpunkte und vielfältige Möglichkeiten, wo sich Betroffene und Angehörige Hilfe holen können“, erklärte die Staatssekretärin. Anne Brandt stimmte zu: So gebe es nicht die eine Lösung, sondern viele Wege – etwa über Angehörige oder Kompetenzzentren – Unterstützung und Beratung zu erfahren. „Das Ziel ist es, dass jeder über Demenz informiert ist.“

Adelheid Braumann informierte außerdem über die gesetzliche Änderung 2017: „Aus den bisher drei Pflegestufen werden fünf Pflegegrade. Das hat besonders für Erkrankte mit Demenz große Vorteile.“ So stiegen die Zuzahlungen künftig nicht in Abhängigkeit vom Pflegegrad, sondern blieben für alle Grade gleich, erklärte Braumann.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 14:05 Uhr

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