zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 16:40 Uhr

Das Gemeinwohl im Blick

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Karl-Gustav-Jürgensen-Stiftung will Projekte in Eutin und Bosau mit jährlich 50 000 Euro unterstützen

Karl Jürgensen war ein vermögender Mann. Einen Teil seines Reichtums wollte der Bosauer der Gesellschaft zurückgeben. Deshalb gründete er 2012 die Eutin-Bosau-Stiftung. Zu den zahlreichen Stiftungszielen gehören beispielsweise die Förderung der Jugend- und Altenhilfe, der Volks- und Berufsbildung, des bürgerschaftlichen Engagements und des Naturschutzes in der Stadt Eutin oder der Gemeinde Bosau.

Als Jürgensen 2013 im Alter von 95 Jahren starb, erhielt die Stiftung seinen Namen. Vorsitzender der Stifung ist der Eutiner Günther Schröder, ihm zur Seite stehen seine Frau Gerda Schröder und Hans-Peter Klausberger als stellvertretender Vorsitzender.

„Wichtig ist, die Wirtschaft wieder dahin zu holen, wo sie hingehört – nämlich in die Gesellschaft“, beschreibt Günther Schröder das Credo der Stiftung. Im nächsten Jahr will die Stiftung ein Projekt im Bereich der Altenhilfe verwirklichen. „Die Pfleger in den Altenheimen der Umgebung haben nicht die Mittel, auf Einzelwünsche der Senioren einzugehen“, sagt Schröder. Die Stiftung wolle Mini-Jobber einstellen, die sich um die Belange einzelner Personen kümmerten. So könnten etwa Besorgungen erledigen oder Ausflüge mit den Senioren unternehmen. „Den älteren Menschen das erfüllen zu können, und sei es eine Knusperschnecke aus der Bäckerei, finde ich ganz toll.“ Es gebe wenige Stellen, die sich um so etwas kümmerten, fügt Klausberger hinzu. Habe ein Bürger Ideen für Projekte, die der Unterstützung der Stiftung bedürften, könnten diese eingebracht werden. „Anträge können immer gestellt werden.“ Einige Förderideen wurden bereits verwirklicht, etwa für das Projekt „Kein Kind ohne Sport“, für einen Kutter des Seglervereins für die Jugendarbeit oder für Kurse der Volkshochschule für Kinder mit Behinderung und die Flüchtlingshilfe.

Die Mitglieder des Stiftungsvorstands lernten Karl Jürgensen im Jahr 2009 kennen. Günther Schröder hatte als Steuerberater in Fissau, sowohl Jürgensen als auch Hans-Peter Klausberger als Klienten und führte die Beteiligten so zusammen: „Irgendwann ist Klausberger auf Jürgensen getroffen und es hat gleich gefunkt“, sagt der Geschäftsführer mit einem Schmunzeln.

Karl Gustav Jürgensen wurde am 8. April 1918 in Hamburg Altona geboren und wuchs in St. Pauli auf. Nach Kriegsbeginn wurde er eingezogen und mehrfach verwundet. Mit Ende des Krieges und dem Wirtschaftswunder gelang es Jürgensen, mit dem An-und Verkauf von Grundstücken den Grundstein für sein Vermögen zu legen. 1980 zog er mit seiner Lebensgefährtin nach Bosau, wo er bis zuletzt lebte. Ihm sei bewusst gewesen, dass nicht allen ein wohlhabendes Leben vergönnt sei, berichtet Klausberger. „Mit seinem Vermögen wollte er anderen helfen.“ Sein Nachlass – neben Anleihen und Barmitteln auch Immobilien – kam der Stiftung zu Gute. „Mit allen Abzügen stehen uns jährlich bis zu 50  000 Euro zur Verfügung“, sagt Gerda Schröder. Jürgensen habe nicht gewollt, dass sein Vermögen an den Staat gehe und damit in aus seiner Sicht falsche Dinge investiert werde. „Außerdem hat er ungern Steuern gezahlt“, sagt Gerda Schröder und lacht. Man habe ihm sein Vermögen aber nie angemerkt: „Er war ein sehr sparsamer Mensch – seine Einrichtung, seine Kleidung, alles war sparsam.“

Die im Januar 2016 aktiv gewordene Stiftung hat sich außerdem zur Aufgabe gemacht, einmal im Jahr zum Thema „Alternativen zum jetzigen wirtschaftlichen Handeln“ oder anderen gesellschaftlich relevanten Themen einen Referenten einzuladen. Der erste Vortrag findet am Mittwoch, 9. November, um 19 Uhr in der Kreisbibliothek statt. Christian Felber hält einen Vortrag zum Thema „Gemeinwohl-Ökonomie“. Die Gemeinwohl-Ökonomie verfolge das Ziel, Wohl von Mensch und Umwelt zum obersten Ziel des Wirtschaftens zu machen, erläutert Schröder.
Es etabliere ein ethisches Wirtschaftsmodell. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Okt.2016 | 11:55 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen