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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 12:44 Uhr

Brückenbau gerät zur Kraftprobe

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ausschuss verweigert sich den Vorschlägen der Verwaltung und fordert stattdessen Alternativvorschläge – Zeitdruck nimmt zu

Der Streit um den Neubau der Schwentine-Brücke am ehemaligen „Intermar“-Hotel wird zur Kraftprobe zwischen Verwaltung und Kommunalpolitik. Der Planungsausschuss lehnte am Mittwochabend erneut den Vorschlag der Verwaltung ab, für mehr als 300  000 Euro eine neue Brücke zu bauen und folgte damit einem Votum des Finanzausschusses. Stattdessen soll das Bauamt nun bis zu den Beratungen über einen Nachtragshaushalt im September Alternativvorschläge für einen Brückenneubau vorlegen.

Der Appell von Bauamtsleiterin Britta Deubel blieb ohne Wirkung: „Auch wenn es aussichtslos ist, möchte ich noch mal darum bitten, das Geld zur Verfügung zu stellen“, erklärte sie. Lediglich das Geld für einen Abriss der maroden Holzbrücke sowie eine Überprüfung der alten Brückenlager auf ihre Tragfähigkeit wollen die Ausschussmitglieder im Nachtragshaushalt bereitstellen. Schon das dürfte mächtig ins Kontor schlagen. Die Verwaltung schätzte die Abrisskosten in einer vorherigen Sitzung auf 50  000 Euro.

Der Neubau der Brücke soll dagegen mindestens 333  000 Euro kosten. Dabei ist weniger das Bauwerk selbst der Kostentreiber, sondern die extrem aufwendige Gründung. Der von der Verwaltung beauftragte Statiker hält 16 Meter tiefe Pfähle für unumgänglich, um ein Absacken des Bauwerks zu verhindern.

Damit will sich Uwe Potz (CDU) nicht abfinden: Er forderte nachdrücklich, die Meinung eines zweiten Statikbüros einzuholen. Auch Architekt David Kardell (Grüne) vermisste Varianten. Er schlug vor, eine Brücke mit einem leichten Stich zu bauen, die lediglich auf zwei großen Betonlagern an den Ufern aufsetzt. So könnte aus seiner Sicht eine Pfahlgründung vermieden werden.

Jan Krützfeldt (FWM), Statiker von Beruf, erneuerte ebenfalls seine Zweifel an einer notwendigen Pfahlgründung. Er forderte, Architekt Arne Siller, der Prüfingenieur und der Statiker sollten sich noch einmal an einen Tisch setzen, um zu erörtern, wie eine Gründung günstiger erfolgen könne. Doch darin sah der Ausschuss letztlich keine Erfolgsaussichten und votierte stattdessen für den von FDP-Fraktionschef Wilfred Knop formulierten Beschlussvorschlag, nach Alternativen zur bisherigen Planung zu suchen.

Fest steht auch: Die neue Fußgängerbrücke soll schmaler werden, um Kosten zu sparen. Die Rede war von 2,50 statt drei Metern. Darin sah Britta Deubel allerdings keine wesentliche Abhilfe: „Wir kommen um die Gründungsproblematik nicht herum. Da bringt auch eine Verringerung der Breite nichts.“ Kein Unternehmen werde eine Brücke auf Widerlagern bauen, die nicht hielten, und die nicht dem Stand der Technik entspreche, zeigte sie sich überzeugt.

Die Zeit drängt. Spätestens im Mai 2017 muss die neue Brücke stehen. Denn dann beginnt das Land mit dem lange angekündigten Abriss der 1892 erbauten Schwentinebrücke in der Hindenburgallee (L  56), wie Bauamtsmitarbeiter Karlheinz Spindler erläuterte. Der Neubau soll frühestens im November 2017 fertig sein. Ohne die Brücke am Intermar müssten Fußgänger in der gesamten Bauzeit erhebliche Umwege in Kauf nehmen, wenn sie vom Bahnhof zur Diekseepromenade wollten. Das will ihnen niemand zumuten.

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erstellt am 18.Mai.2016 | 12:54 Uhr

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