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Ostholsteiner Anzeiger

29. Juli 2014 | 08:37 Uhr

Bosauer Institution schließt die Zapfsäulen

vom

Bosauer Star-Tankstelle macht zum Jahresende dicht und lädt Kunden zum Abschied ein / Familie Harm führte den Betrieb 60 Jahre lang

Bosau | Der Luftkurort Bosau wird um eine Institution ärmer: Gustav "Guschi" und Renate Harm schließen zum Jahresende ihre Star-Tankstelle - mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Für beide beginnt dann die intensive Zeit des Genießens von Freiräumen; heraus aus dem Rhythmus von morgens um 7 Uhr bis zeitweise spät abends die Kunden zu bedienen.

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Bosau allerdings verliert nach Post und Supermarkt nun mit der Tankstelle eine weitere wichtige Anlaufstelle für einen Klönschnack, den es bei Guschi und Renate immer gab. Guschi Harm ist in den zurückliegenden 69 Jahren seines Lebens einmal umgezogen: nach seiner Geburt im Eutiner Krankenhaus ging es gleich nach Bosau. Und der liebenswerte Ort hat ihn in seinem Leben nicht mehr losgelassen. Nach seiner Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker stieg Guschi Harm 1964 in den elterlichen Betrieb ein und half seinem Vater Tag für Tag.

Vater Gustav Harm führte die Bosauer Tankstelle bereits seit 1952. "Mein Vater hatte die erste noch mit einer Handpumpe betriebene Zapfsäule direkt vor unserem Haus aufgestellt", schmunzelt Guschi Harm heute über die Anfänge des Betriebes. Auf der Zapfsäule stand in roter Schrift "Gasolin". 1971 übernahm Sohn Guschi die Tankstelle von seinem Vater. Gleich wurde aus "Gasolin" "Aral". Zehn Jahre später erfolgte der Wechsel zu "Fanal", 1989 zu "BP" und 2004 bis heute zu "Star".

Im Laufe der Jahre hat sich der Konsum von Kraftstoff erheblich verändert. Während 1970 noch 250 000 Liter Kraftstoffe im Jahr verkauft wurden, waren es im vergangenen Jahr knapp über eine Million Liter. "Den größten Aufschwung gab es zwischen 1981 und 1984 mit der Einführung der Selbstbedienung an den Zapfsäulen", erinnert sich Guschi Harm.

Der Bosauer Tankwart hat in seinen 41 Jahren Tankgeschäft einiges erlebt: "Einmal hat ein Kunde eine ganze Zapfsäule umgerissen, weil der vergaß, den Schlauch nach dem Tanken aus dem Tankstutzen seines Autos zu ziehen." Einige Personalausweise, die mal als Pfand für vergessenes Geld hinterlassen wurden, hat Guschi Harm in diesen Tagen gerade weggeworfen. Und wenn einen Kunden mal in Kleinmühlen einfiel, dass er seine aktuelle Tankrechnung bei Harm nicht bezahlt hatte und umdrehte, dann freute sich der Bosauer Tankwart auch.

Alt-Nachbar Peter Strauer sei sogar einmal absichtlich nach dem Tanken "abgehauen" und habe sich versteckt, um zu sehen, was Guschi macht, wenn einer "türmt" ohne zu zahlen. Besonders erinnern sich Guschi und Renate Harm an die "Tank-Montage" im Jahr 2011 mit Autoschlangen in Bosau bis hin zum "Fasanenhof". Guschi Harm habe die Kunden an den Zapfsäulen eingewiesen und seine Frau Renate drinnen kassiert.

Bis Weihnachten 2004 führte Guschi Harm neben der Tankstelle auch noch die Post in Bosau. Gemeinsam mit dem damaligen Edeka-Markt von Claus Kähler, Strauers Hotel, dem Bäcker, den Banken und Restaurants in der Nachbarschaft war die Tankstelle der Mittelpunkt des Dorfes. Der Bäcker in direkter Nachbarschaft ist weg, der Kaufmann auch, die Post ist zu und am Jahresende schließt die Volksbank Eutin auch noch ihre SB-Filiale in Bosau. Wer klappt in Bosau die Bürgersteige hoch?

Guschi Harm hat sich in alle den Jahren betrieblich immer weiter entwickelt. 1972 kam ein Fahrradverleih hinzu, den er wohl auch weiterhin im Sommer den Urlaubern anbieten möchte. Eine große Modernisierung erfolgte 1997. "Wir haben eine flüssigkeitsdichte Fahrbahn gebaut und alle Umweltauflagen erfüllt", ist Guschi Harm immer noch stolz und blickt mit seiner Frau Renate auf ein erfülltes Leben, wie er sagt, zurück. Besonders dankbar sind sie allen, die bei ihnen in der Tankstelle ausgeholfen haben. Jetzt freuen sie sich auf ihre vier Enkelkinder. Doch einer fossilen Energie bleibt Guschi Harm treu. Er wird weiterhin Heizöl vermitteln.

"So eine Tankstelle muss mit der Einstellung besonders rückgebaut werden", weiß Guschi Harm. Die Tanks werden entleert, gereinigt, entgast und mit Sand verfüllt. Das ist im nächsten Jahr dran. Doch vorher wollen sich Guschi und Renate Harm von ihren Kunden verabschieden. Das soll am Montag, 31. Dezember, ab 11 Uhr geschehen. Am letzten Tag der Tankstelle bietet das Ehepaar Speisen und Getränke an.

Zur Sprache wird dort bestimmt auch die neueste Planung in der Gemeinde Bosau kommen: Der Bau einer neuen Tankstelle. Diese soll allerdings in Hutzfeld, direkt am Edeka-Markt Zimmermann, entstehen. Es werden nach OHA-Informationen bereits Gespräche im Hintergrund geführt, dort einen Münztankautomaten aufzustellen.

von Michael Kuhr
erstellt am 18.Dez.2012 | 07:15 Uhr

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