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Ostholsteiner Anzeiger

23. März 2017 | 21:13 Uhr

Neustadt : Blaue Welt im Maßstab 1:87

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Modellbaugruppe des THW Neustadt stellt ihre kleinen Schätze auf der Modellbaumesse in Neumünster aus.

Die Holstenhallen in Neumünster sind an diesem Wochenende ein Mekka der Modellfans in Schleswig-Holstein. Neben 120 Ausstellern finden sich auch viele Anhänger der Welt im Kleinen auf der „Modellbau Schleswig-Holstein“. Unter ihnen ist die Modellbaugruppe des Technischen Hilfswerkes (THW) Neustadt. Sie präsentieren auf 13 Quadratmetern ein Panorama mit knapp 300 Fahrzeugen.

Dominierende Farbe ist natürlich das Blau des THW. „Wir können aber auch alles in grün oder rot“, stellt Ralf Kewitz fest. Es ist nicht verwunderlich, dass der Kraftfahrer die größte Fahrzeugflotte sein Eigen nennt. Die zehn Männer können geschätzt auf 5000 Modellautos im Maßstab 1:87 zurückgreifen, die sie bei sich zu Hause stehen haben. Damit nach der Messe jeder seine Lieblinge wiederbekommt, tragen sie Farbmarkierungen. Kewitz: „Die gängigen Modelle haben wir gleich mehrfach, es sind aber auch viele Eigenbauten dabei.“

Vor 13 Jahren fing alles auf sechs Platten im Format 80 mal 80 Zentimeter an. Auf den knapp vier Quadratmetern begannen die Männer mit einer Kasernenanlage, die einen Ausbildungsstandort darstellen soll. „Wir bauen keine Einsatzszenarien nach, sondern stellen die unterschiedlichsten Aufgaben des THW als Übungen dar“, erläutert Stephan Beth. Dieses Konzept mache die Anlage flexibel.

Dank des nahezu unerschöpflichen Fundus an Fahrzeugen kann das Panorama auch mit Fahrzeugen der Polizei oder der Feuerwehr oder einer früheren Epoche bestückt werden. Dann erinnern nur die blauen Tore und Fenster der Gebäude an das THW.

Alle Modellbauer packen auch beim „großen“ THW mit an. Gas- und Wasserinstallateur Beth ist beispielsweise Führer des Technischen Zuges. Petra Tenkhoff ist nicht nur die „Gärtnerin“ und einzige Frau der Modellbaugruppe, sondern auch Jugendbetreuerin des Ortsvereins. Ihr Mann Heinrich nennt sich selbst den „Allrounder“ der Truppe. Der 58-Jährige legt sich nicht fest, während Frank Lehrmann der Elektriker im Team ist. Dem großgewachsenen Gas- und Wasserinstallateur sieht man nicht an, dass er mit winzigen LED und Lötkolben den Einsatzfahrzeugen Leben einhaucht. „Da geht schnell eine Woche drauf, bis in so einem Wagen die Rundumleuchten, Frontblitzer und Warnblinker montiert sind“, deutet er die Zeit an, die alle in ihr Hobby investieren.

Neben dem Spaß, den sie beim ständigen Weiterentwickeln haben, hoffen sie mit der Anlage auch, neue Mitglieder für das THW zu gewinnen.

Ein bis drei Mal im Jahr präsentieren sie ihr Panorama. Dabei geht es auch einmal ins 400 Kilometer entfernte Hannoversch Münden. Da alles auf ehrenamtlicher Basis abläuft, erfolgen die Einladungen in der Regel auf der Basis von Kost und Logis. Damit die Module unbeschadet ans Ziel kommen, gibt es extra Regale, in denen sie auf Reisen gehen. Vor Ort müssen sie dann nur noch aneinander gestellt und mit Steckern verbunden werden. Damit das funktioniert, haben sie vorher Stunde für Stunde modelliert und gelötet.

Steht die Platte, beginnt erst die Arbeit. Nur wenige Fahrzeuge sind fest montiert. Aus den Kisten, in denen sie mit Doppelklebeband gegen verrutschen gesichert sind, geht es dann auf die Anlage, die daher immer wieder neue Einblicke in die Arbeit des THW gibt. „Wenn wir für jedes Foto, das von der Anlage gemacht wird, nur 50 Cent bekämen, hätten wir die Ausgaben locker wieder drin“, ist sich Beth sicher. Inzwischen ist der Gegenwert eines Mittelklasseautos in das Hobby geflossen. Hobby soll es auch immer bleiben, betonen alle.

Das Miniatur Wunderland begeistert sie, aber arbeiten wollte dort niemand. „Es gibt nichts schöneres, als die leuchtenden Augen der Menschen, die das Panorama bewundern“, beschreibt Kewitz seine Motivation. Die Kinder hätten auch die richtige Augenhöhe, um die Gimmicks zu entdecken. Zu entdecken gibt es viel: Auf dem Parkplatz ist ein Sanitäter bei einer Reanimation, in einem Zelt gibt es ein Liebespaar. „Das bewegt sich sogar“, grinst Tenkhoff schelmisch. In einer Werkstatthalle blitzen derzeit immer wieder die Schweißgeräte auf. Solche Kleinigkeiten zu ersinnen macht den Männern sichtlich Spaß. Sie versuchen ständig, mehr Leben in die Anlage zu bekommen. Dazu bekommen die Radlader beispielsweise eine Patina. Auf der letzten Erweiterung entstand ein Bereitstellungsraum einschließlich Müllplatz und Versorgungsleitungen. Ehrensache für einen Ortsverein mit Fachgruppe Infrastruktur. Im Küchenzelt fehlen noch die hungrigen Helfer und die Köche.

Die Pläne der Modellbaugruppe deuten nicht auf Langeweile. Die Digitalisierung soll Einzug halten. Dazu ist einiges an der Elektronik zu verändern. Die neuen Möglichkeiten sollen das Erlebnis noch realer werden lassen. „Wenn der Hubschrauber startet, soll es auch das passende Geräusch geben“, kündigt Kewitz an. Schon jetzt tanzen die Gäste des „Oldtimer-Treffs“ in der Fahrzeughalle.

Für die Zukunft ist Tanzmusik und Discolicht geplant. Es soll aber auch an die Fläche gehen. Je drei Module „Kaserne“ und „Stadt“ sind noch geplant. Dann erschöpft das Panorama mit über 17 Quadratmetern die räumlichen Möglichkeiten, obwohl die Modellbauer nach dem Neubau der THW-Unterkunft 2013 eigene Räumlichkeiten erhielten.



Für die Umsetzung der Zukunftspläne freuen sich die Modellbauer um Stephan Beth über weitere „Verrückte“ die mit ruhiger Hand und viel Fantasie die „Blaue Welt“ wachsen lassen. Kontakt: Telefon 04561/8787 oder per E-Mail an ov-neustadt@thw.de.

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erstellt am 04.Mär.2017 | 10:57 Uhr

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