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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 05:15 Uhr

Belt-Querung: Studie sorgt für gedämpfte Stimmung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Feste Fehmarnbelt-Querung soll die Wirtschaft und den Tourismus in Schleswig-Holstein vorantreiben. So lautet das Argument der Befürworter des umstrittenen Bauprojekts. Ein Gutachten drosselt nun aber die hohen Erwartungen.

Von Deutschland nach Skandinavien in sieben Minuten mit dem Zug, in zehn Minuten mit dem Auto: Das ist das Versprechen des mit dem Fehmarnbelt-Tunnelbaus beauftragten Unternehmens Femern A/S. Der Absenktunnel soll Deutschland und Dänemark auf der 18 Kilometer langen Strecke für Schiene und Straße zwischen Fehmarn und Lolland verbinden. 2021 sollte der Vier-Röhren-Tunnel eröffnet werden. Doch der Baubeginn, ursprünglich für 2015 vorgesehen, verzögert sich. Denn die feste Fehmarnbelt-Querung ist umstritten. Neben Klagen von Reedereien gibt es auch Proteste aus ökologischen Gründen. Beim Treffen des Wirtschaftsbeirats Ostholstein diskutierten heimische Unternehmer über das kontroverse Thema. Machen sich erste Zweifel am Erfolgsversprechen Fehmarnbelt-Querung breit?

Hendrik Martens, Kundenbetreuer VR-Bank Ostholstein Nord, sagte: „Zu wenige Befürworter bekennen sich offen. Ich glaube an eine deutliche, wenn auch schweigende Mehrheit.“ Die Vermutung Martens’: Es finde keine ausreichende Aufklärung zum Thema statt. Ein weiteres Problem sieht er in der Kampagne der Fehmarnbelt-Gegner und dem zunehmenden Aufkommen der so genannten Beltretter-Kreuze – dem Symbol der Tunnel-Gegner: „Ich habe das Gefühl, es werden immer mehr blaue Kreuze. Wir brauchen ein Pendant, wir müssten etwas Knorkiges entgegensetzen.“

Für Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein, ist die Position der Projektgegner einfach, denn: „Sie argumentieren emotional, darum müssen wir auch emotional argumentieren.“ Auf Sachebene könne man den künftigen Wert des Tunnels nicht beurteilen, „sondern eher Erwartungen formulieren und dann sehen, wie es in zehn, 15 Jahren aussieht“, so Marzian weiter. Der Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein betonte aber: „Die hiesige Wirtschaft wird profitieren.“ Trotzdem dürfe man die Folgen der festen Fehmarnbelt-Querung nicht überbewerten, so Marzian: „Vielleicht führt die Fehmarnbelt-Querung zu 50  000 Beschäftigten, aber selbst wenn es nur 500 sind, ist das ja auch schon was.“

„Die neue Verkehrsverbindung wird zum Wohlstand und Wachstum der Fehmarnbeltregion beitragen“ – so lautet das Versprechen von Femern A/S. Doch Katja Lauritzen, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT), sorgte beim Treffen des Wirtschaftsbeirats für Ernüchterung: Eine Studie, die Ende dieses Jahres veröffentlicht werde und sich mit den Folgen der Fehmarnbelt-Querung auf die hiesige Wirtschaft beschäftigt, schwäche die Versprechen von Femern A/S. „Die Studie zeigt, dass die Erwartungen an die Fehmarnbelt-Querung eher gedämpft sein sollten.“ So werde aller Voraussicht nach weder der Arbeitsmarkt, noch die heimische Wirtschaft deutlich von dem Projekt im Fehmarnbelt profitieren. Katja Lauritzen betonte darum die Notwendigkeit von Investitionen für die Zukunft: „Die entscheidende Frage ist: Wie schaffen wir es, die Bekanntheit unserer Region zu forcieren?“ Um die Region für dänische Gäste erfolgreich zu bewerben, seien nun etwa Investitionen in die Hotellerie und Marketingbudgets in Dänemark notwendig. „Der Hansapark beispielsweise ist in Dänemark relativ unbekannt“, so Lauritzen. Einen Aufschwung für die heimische Wirtschaft durch Touristenströme und einen Zuwachs an Arbeitsplätzen bezweifelten die lokalen Unternehmer des Kreises jedoch einmütig.

Thomas Menke, LMK-Geschäftsführer, betonte: „Wir sollten unsere Kräfte bündeln, Küste und Hinterland müssen zusammenwachsen, um die Gesamtregion zu positionieren und zu vermarkten.“ Und Uwe Muchow, Geschäftsführer Balticum-Verlag, sagte: „Die Beltquerung kommt, das ist beschlossene Sache. Die Staatsverträge sind geschlossen, die Aufträge vergeben, ein anderer Weg ist nicht mehr denkbar.“

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erstellt am 30.Okt.2016 | 21:18 Uhr

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