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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 22:59 Uhr

Bei Cadaverin schlagen die Spürnasen an

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Arno Duwensee und Ute Hahn bilden in der Eutiner Polizeidirektion auf der Hubertushöhe Leichen- und Blutspürhunde aus / Tiere mit erstaunlichen Fähigkeiten

Die menschliche Vorstellungskraft reicht für diese Fähigkeiten kaum aus: Leichenspürhunde können noch nach Jahren riechen, wo einmal eine Leiche gelegen hat. Genau so können sie kurz nach dem Eintritt des Todes einen menschlichen Leichnam wahrnehmen. Und sogar über dem Wasser Leichen lokalisieren, die auf dem Grund eines Gewässers liegen.

Seit mehr als 100 Jahren werden in Deutschland Hunde im Polizeidienst eingesetzt, und sie haben im Laufe der Zeit eine immer größere Bedeutung gewonnen. Die Polizei hat Personen-, Brandmittel-, Sprengstoff- und Rauschgiftspürhunde. Und es sind bei vielen spektakulären Einsätzen Leichen- und Blutspürhunde gefragt.

Ute Hahn (45) und Arno Duwensee (52) sind Fachlehrer für Leichen- und Blutspürhunde in der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und Bereitschaftspolizei Eutin (PDAFB) auf Hubertushöhe. Beide haben derartige Spürnasen.

Was machen Leichenspürhunde? „Sie sind darauf konditioniert, den Geruch von Leichen, Leichenteilen und Anhaftungen von Leichen anzuzeigen“, erklärt Duwensee. Bei der Verwesung von Leichen entstehe der Stoff Cadaverin, der sehr unangenehm rieche, aber nicht giftig sei.

Unmittelbar mit dem Eintritt des Todes setze der Zellabbau ein. „Und ab diesem Moment sind die Zellabbauprodukte und damit ein Leichnam praktisch für den Hund auch schon zu riechen“, erklärt der Polizeihauptmeister, der seit 23 Jahren als Diensthundeführer tätig ist. Duwensee hat zwei Leichenspürhunde: den viereinhalbjährigen „Thor“ und die neunjährige „Diva“.

„Reine Leichenspürhunde reagieren aber nicht auf Blut“, ergänzt Ute Hahn. Deshalb würden einige Diensthunde zu Leichen- und Blutspürhunden ausgebildet. „Sie erkennen auch den Geruch von menschlichem Blut und zeigen die Geruchsquellen an“, so die 45-jährige Schutzpolizistin, die seit zwölf Jahren Diensthundeführerin ist. Auf tierisches Blut reagierten diese Hunde nicht. Ute Hahn hat die viereinhalbjährige Hündin „Jordan“, die neben Leichen auch Blut anzeigt.

„Leichen- und Blutspürhunde werden zum Aufstöbern nach Beweismitteln und Indizien im Rahmen von Strafermittlungen eingesetzt. So können durchaus auch Kapitaldelikte wie Morde mit Hilfe dieser Hunde aufgeklärt werden“, berichtet Duwensee.

Eine Besonderheit: Wenn geklärt werden müsse, ob in einem Fahrzeug eine Leiche transportiert wurde, komme nicht ein Leichen- und Blutspürhund, sondern nur ein Leichenspürhund zum Einsatz. „Er kann dann sogar in einem gereinigten Auto noch erschnüffeln, ob sich eine Leiche darin befunden hat“, sagt Duwensee. Wenn der Hund nicht anschlage, sei dort definitiv auch keine Leiche gewesen.

Eingesetzt werden diese Spezialhunde, wie Ute Hahn sagt, auch bei der Suche von Vermissten – „wenn zu erwarten ist, dass sie nicht mehr leben“. Bei solchen Ereignissen könne es sinnvoll sein, dass erst Personenspürhunde das Suchgebiet für den anschließenden Einsatz der Leichenspürhunde eingrenzen.

Wenn die Hunde etwas gefunden haben, zeigen sie das durch Kratzen, Graben oder auch Verbellen an.

Der Einsatz der Leichen- und Blutspürhunde stelle konditionell aber außergewöhnliche Ansprüche an die Tiere, berichten die beiden Hundeführer. „Die Hunde können ihre Nasen nur begrenzte Zeit auf Höchstleistung halten. Darum sollten grundsätzlich für jeden Einsatz mindestens zwei Hunde angefordert werden“, erklärt Arno Duwensee.

Deshalb nehmen Hahn und Duwensee ihre Einsätze mit ihren vierbeinigen Weggefährten im Team war. Und bei Geländeflächen, großen Grundstücken, Gebäuden oder Wasseroberflächen sind in der Regel auch noch mehr Diensthunde anzufordern.

Nur bei der schleswig-holsteinischen Landespolizei werden, wie die beiden Fachlehrer sagen, reine Leichenspürhunde ausgebildet, und das nunmehr seit zehn Jahren. „Deshalb sind Anforderungen aus anderen Bundesländern keine Seltenheit“, so Ute Hahn.

„In Dänemark wird der Einsatz eines Leichenspürhundes sogar videodokumentiert und ist im Falle einer erfolgreichen Suche gerichtsverwertbar – selbst wenn keine Leiche oder Leichenteile aufgefunden werden sollten. So sind Verurteilungen aufgrund von Indizien möglich“, schildert Duwensee.

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erstellt am 06.Jul.2016 | 14:22 Uhr

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