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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Badeausflug ins Revier der weißen Haie

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Anknüpfend an meinen ersten Bericht möchte ich heute mal erklären, was ich überhaupt ein Jahr lang in Südafrika mache. Man arbeitet hier zum Einen in dem Wohnhaus, in dem man auch mit den Kindern zusammen lebt, und zum Anderen in der Schule. Heute werde ich aber erst einmal die Hausarbeit erläutern.

Es gibt hier zwei Wohnhäuser, in denen jeweils vier Kinder mit Behinderung zusammen mit einer Hausmutter und den Freiwilligen leben. Das Kind, um das ich mich zusammen mit einer anderen Freiwilligen kümmere, heißt Jessica, ist 15 Jahre alt und Südafrikanerin. Sie ist Autistin, scheint also vielfach etwas in ihrer eigenen Welt zu leben und kann auch nicht sprechen; deshalb musste ich lernen, ihre Mimik und Bewegungen zu deuten, um zu erfahren, was sie möchte oder wie es ihr geht. Am Anfang war das ziemlich anspruchsvoll, aber inzwischen klappt es immer besser.

Unsere Aufgaben hier umfassen die Arbeit im Haus (also Hilfe beim Kochen, Putzen etc.) und die Betreuung der Kinder (Anziehen, Baden, Wickeln, Unterstützung beim Essen). Nach der Schule und am Wochenende unternehmen wir etwas mit „unseren“ Kindern. Mit Jessica mache ich meistens einen Spaziergang, gehe auf den Spielplatz oder sitze einfach nur in der Sonne, denn sie liebt es, in der Sonne zu sein und fängt dann immer an, zu lachen und zu tanzen.

Die Arbeit mit den Kindern ist auf jeden Fall unglaublich erfüllend und beschert einem viele schöne Erlebnisse. Letztens habe ich Jessica von der Therapie abgeholt und sie ist auf mich zugekommen und hat ihre Hand nach mir ausgestreckt. Das hat mich sehr glücklich gemacht, weil es mir auch gezeigt hat, dass sie mich inzwischen als ihre Bezugsperson erkennt.

So viel zu meiner Arbeit hier, jetzt zu unseren Gast: Seit einiger Zeit bekommen wir regelmäßig Besuch von einem Pavian, den wir „Bob the Baboon“ getauft haben. Pünktlich zur Mittagszeit taucht er hier auf, um sich bei uns ein paar Lebensmittel zu klauen. Zunächst hat er sich mit den Resten aus der Biomülltonne zufrieden gegeben, inzwischen hat er aber herausgefunden, dass es auch im Haus sehr leckeres Essen gibt. Und da leider einige meiner Mitstreiter mit der Funktion der „Klöntür“ hadern und oft nur den unteren Teil schließen, was für einen Affen natürlich keine Hürde ist, findet unser Pavian immer öfter einen Weg ins Haus und bedient sich ungeniert. So haben ihn bisher auch sämtliche Vertreibungsversuche der Schulkinder nur wenig beeindruckt.

Mit anderen Tieren hatten wir inzwischen schon etwas mehr Glück: Wir haben sogar mehrere springende Wale gesehen. Einmal waren zwei Wale direkt vor der Küste zu sehen. Gerade an diesem Tag waren wir schon ziemlich genervt, weil es nämlich schon spät war und wir ein Taxi bestellt hatten, das eigentlich auch „in zehn Minuten“ kommen wollte. Natürlich waren es wieder einmal nicht die mir bekannten Norddeutschen zehn Minuten, sondern die etwas entspanntere südafrikanische Zeitrechnung. Aber letztendlich erlebten wir nur dadurch dann nach einer dreiviertel Stunde den wunderbaren Anblick springender Wale, was uns irgendwie auch verdeutlicht hat, dass wir einige Dinge vielleicht hin und wieder auch ruhig mal „südafrikanisch entspannt“ sehen sollten.

Da es bei uns jetzt langsam richtig warm wird, haben wir schon einen Tag am Strand verbracht. Vor dem Baden hatten wir zunächst etwas Respekt, weil uns ständig alle erzählt hatten, wie kalt der Ozean sei. Letztendlich hat die Wassertemperatur aber gefühlt der Temperatur unserer Ostsee im Sommer entsprochen, es war also durchaus angenehm. Natürlich waren es nicht aus Norddeutschland stammende Freiwillige, die uns gewarnt hatten: sie sind einfach keine Ostseetemperatur gewöhnt. Wir aus dem „echten Norden“ sind da halt abgehärtet.

Im Wasser haben wir sogar eine Robbe gesehen. Dabei ist uns dann wieder eingefallen, dass der Strand, an dem wir waren, eines der größten Verbreitungsgebiete des weißen Haies in Südafrika ist. Diesen Fakt und die Überlegung, dass die Robbe vielleicht gerade von einem Hai gejagt werden könnte, haben wir dann aber lieber ganz schnell wieder verdrängt.

Jetzt sind bei uns alle in Ferienstimmung. Über unseren Urlaub in Kapstadt und die Arbeit in der Schule werde ich beim nächsten Mal berichten.







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erstellt am 01.Nov.2016 | 11:01 Uhr

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