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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 17:32 Uhr

Baby totgeschüttelt – Haftstrafe für Vater

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gericht verruteilt 30-Jährigen zu dreieinhalb Jahren Haft / Mutter sorgt für Eklat

Wegen des gewaltsamen Todes seines vier Wochen alten Sohnes ist ein Vater zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Lübeck verurteilte den 30-Jährigen gestern wegen Körperverletzung mit Todesfolge und blieb mit dem Strafmaß weit unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Der Ankläger hatte fünfeinhalb Jahre wegen Totschlags, der Nebenklagevertreter sogar sechs Jahre Haft gefordert. Der Vorsitzende begründete die Entscheidung des Gerichts damit, dass nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte, dass der Angeklagte den Tod seines Kindes billigend in Kauf genommen habe.

Sichtlich emotional hatte der Angeklagte erst kurz vor Ende des Prozesses gestanden, am 18. November 2015 sein schreiendes Kind unter den Achseln gehalten und geschüttelt zu haben. Die Mutter (30), die zum Tatzeitpunkt mit dem Vater des Kindes verlobt war, hatte vor Gericht ausgesagt, sie habe das Kind für etwa 15 Minuten mit dem Vater allein in der gemeinsamen Wohnung in Schönwalde gelassen, um einkaufen zu gehen. „Als ich wegfuhr, war alles in Ordnung und als ich etwa 15 Minuten später zurück kam, atmete Leon kaum noch“, hatte sie unter Tränen im Prozess ausgesagt.

Das Gericht wertete das Geständnis des Angeklagten zu seinen Gunsten. „Auch wenn wir uns eine ausführlichere Schilderung des Tathergangs und auch eine Entschuldigung gewünscht hätten“, sagte der Vorsitzende gestern. Zur eigentlichen Tat hatte der Angeklagte auch in seinem Geständnis nichts gesagt und sich auf eine Erinnerungslücke berufen.

Verstandesmäßig habe der Angeklagte laut Gericht um die Gefährlichkeit seines Tuns gewusst, in der Realität habe er sein Handeln jedoch nicht im Griff gehabt, sagte der Vorsitzende. Er sprach von einem „Augenblicksversagen“.

Für einen Eklat sorgte die Mutter, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftrat, nach der Urteilsverkündung. „Wir sehen uns in dreieinhalb Jahren wieder, du Arschloch“, rief sie dem Angeklagten zu bevor sie schluchzend aus dem Gerichtssaal rannte. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie Revision beantragt.

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erstellt am 21.Jul.2016 | 17:34 Uhr

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