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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 06:13 Uhr

Ausschuss stimmt für Jugendparlament

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Neustädter „rettet“ echte Jugendbeteiligung für Eutin / Jugendbeauftragter gesucht

Nach mehr als einem Jahr Diskussion, wie die Jugendlichen Eutins intensiver als nur über die allgemeine projektbezogene Beteiligung an Politik interessiert und in Entscheidungen involviert werden können, schaffte es Andreas Adler aus Neustadt mit seinem euphorischen etwa 15 Minuten andauernden Vortrag am Dienstagabend die Mitglieder des Schulausschusses mehrheitlich dazu zu bewegen, den Schritt zum Jugendparlament zu wagen.

„Das, was Sie machen, muss echt sein, glaubwürdig und kontinuierlich“, sagte Adler, der seit knapp 20 Jahren Stadtjugendpfleger in Neustadt ist. Seit 1997 gibt es das Kinder- und Jugendparlament in Neustadt und mittlerweile sei es für Adler eine Herzensangelegenheit. Das Aufrichtige und Authentische beim ersten Kontakt zwischen einem Verantwortlichen und den jungen Menschen sei besonders wichtig, weil es der erste direkte Kontakt zur Demokratie ist. „Sie müssen merken, dass sich wirklich jemand für ihre Meinung interessiert und sie ehrlich beteiligt werden“, machte Adler deutlich. Deshalb dürfe so etwas auch trotz anfänglicher Hürden nicht gleich wieder einschlafen. „Es geht doch um gelebte Demokratie und die kann doch nicht einfach einschlafen“, so Adler.

Der immer wieder genannte Sorge der Ausschussmitglieder, die Jugendlichen nicht bei der Stange halten zu können, weil das Interesse abebbe, entgegnet Adler überzeugend: „Es ist doch nicht ausschlaggebend, ob es die Jugendlichen interessiert, sondern Sie interessiert es, was die Jugendlichen und Kinder zu bestimmten Themen zu sagen haben.“

Der größte Fehler bei der Gründung eines Parlamentes sei, wenn Politiker glauben, Jugendlichen einen Gefallen tun zu müssen. „Das wäre falsch. Sie brauchen die Hilfe für Themen, die nur die Jugendlichen und Kinder als Betroffene beantworten können“, sagte Adler. Der Funke schien mit dieser Argumentation übergesprungen. Und wie funktioniert es ganz praktisch, wollte die CDU wissen, die das Thema der Jugendbeteiligung vor mehr als einem Jahr maßgeblich zur politischen Diskussion machte. Adler: „Das Parlament besteht aus je sieben gewählten Kindern und Jugendlichen, die einmal im Monat zusammenkommen und sich Gäste, also Erwachsene, aus Ausschüssen laden, um mit ihnen ihre Belange zu besprechen oder Ausschüsse holen gezielt den Rat oder die Empfehlung des Kinder- und Jugendparlamentes ein.“ Die Wahl sei angelehnt an die Kommunalwahl, die Werbung für das Parlament in den Schulen (wahlberechtigt sind sieben bis 15-Jährige) koste anfangs Kraft und Mühe, sei aber nach dieser erfolgreichen Zeit mittlerweile ein Selbstgänger, berichtet Adler.

Letztlich trat er so überzeugend vor dem Ausschuss auf, dass ihn Grüne und CDU mit einem Augenzwinkern fragten, ob er das nicht auch in Eutin so managen könne. Noch kurz vor seinem Gastauftritt standen alle Zeichen des Ausschusses auf „Light-Version“, heißt ein zweimal im Jahr tagender Ausschuss mit geladenen Jugendlichen zu Jugendthemen. Doch Adler erteilte dieser Variante eine freundlich formulierte Abfuhr.

CDU und Grüne formulierten einen gemeinsamen Antrag für ein solches Kinder- und Jugendparlament mit einem Jugendbeauftragten und forderten die Verwaltung auf, nach der Sommerpause mögliche Lösungsvorschläge eines solchen Gremiums aufzuzeigen.

Katja Behrends (SPD) wollte die Abstimmung kurzzeitig vertagen: „Ich finde die Idee toll, aber in meiner Fraktion herrschte vor diesem Vortrag eine andere Meinung zum Thema.“ Doch der Konter von Marion Zabel (FDP) schien zu überzeugen: „Ich entscheide heute auch ohne Rücksprache mit meiner Fraktion, aber ich bin mir sicher, dass sie bei einem solchen Projekt hinter mir steht.“

Letztlich stimmten alle für den gemeinsamen Antrag, ein Kinder- und Jugendparlament in Eutin ins Leben zu rufen – nur der Ausschussvorsitzende Hanjo Iwanowitsch (SPD) enthielt sich.

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erstellt am 21.Jul.2016 | 00:43 Uhr

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