zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 19:46 Uhr

Aus für Asylunterkunft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Land will mehrere Zentren bis Jahresende schließen – darunter auch in Lütjenburg

Die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Schill-Kaserne in Lütjenburg soll geschlossen werden – so Überlegungen der Landesregierung. Zusammen mit Seeth soll die Unterkunft aber zunächst in eine sogenannte Leerstandsverwaltung gehen, da wegen der laufenden Mietverträge vorerst vor dem 1. Dezember keine Schließung möglich wäre. Darüber Informierte die Landesregierung gestern die Öffentlichkeit.

Die stark zurück gegangenen Zahlen bei den asylsuchenden Flüchtlingen haben das Land zum Umdenken veranlasst. Nach den jetzigen Plänen will sich das Land auf weniger Unterkünfte konzentrieren. Die Landesunterkunft Salzau wurde bereits vor einigen Wochen geschlossen, ebenso die Kaserne in Putlos an die Bundeswehr zurückgegeben. Jetzt gibt es entsprechende Pläne auch für Lütjenburg und Seeth. „Aus diesem Grund werden die schleswig-holsteinische Landesaufnahmeeinrichtungen und -unterkünfte bedarfsgerecht zurückgebaut“, heißt es in einer Erklärung von Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler.

Die Standorte Neumünster, Glückstadt, Boostedt und Rendsburg als so
genannte „Qualifizierte Erstaufnahmeeinrichtungen“ bleiben bestehen, weil dort auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Asylverfahren durchführt. Lütjenburg und Seeth bleiben für den Fall eines nachhaltigen Wiederanstiegs der Zugangszahlen vorerst in stiller Bereitschaft.

Nach Angaben von Martin Broziat, dem Vorstand des DRK Ostholstein, zuständig Lütjenburg, wird das Aufnahmelager bis Ende August „wohl ganz geräumt sein“. Gegenwärtig sind dort noch 59 Flüchtlinge untergebracht, noch in dieser Woche aber sollen weitere bis auf 17 vorerst verbleibende Flüchtlinge auf andere Kreise verteilt werden. „Wir sind dennoch froh, dass Lütjenburg nicht ganz geschlossen wird, wir halten uns einsatzbereit“, so Broziat. Das ist zumindest eine gute Nachricht für die rund 40 dort beschäftigten DRK-Mitarbeiter.

Bei allem Verständnis für die Entscheidung der Landesregierung bedauert Lütjenburgs Bürgermeister Dirk Sohn auch diesen Entschluss für die Stadt. „Lütjenburg ist ein Konversionsstandort, der bereits weite Teile der alten Kaserne für eine private Nutzung erschlossen hat. Die jetzt belegte Kasernenfläche kann damit vorerst auch nicht weiter entwickelt werden.“

Laut Broziat muss die Anlage trotz Leerstand gewartet werden, müssen Toiletten und Duschen kontrolliert und auch mal die Räumlichkeiten gefegt werden. „Man muss alles bereithalten, falls plötzlich Busse auf dem Hof stehen.“ Personal, das nicht mehr gebraucht wird, wird das DRK laut Broziat versuchen auf Kindergärten oder Jugendhäuser für junge Flüchtlinge zu verteilen. „In Putlos konnten wir zumindest Dreiviertel der Mitarbeiter nach der Schließung halten.“

Bei allem Verständnis für die Entscheidung, bedauert sie Lagerleiter Fethi Bensalem. „Wir haben hier eine Schritt-für-Schritt-Integration in die Gesellschaft betrieben, ungeachtet von politischer Herkunft oder Religion. Das ist vielleicht wichtiger als Sprache und Job, das kann jeder.“ Er ist stolz darauf, dass das Zusammenleben von zeitweise rund 600 Flüchtlingen in Lütjenburg bisher immer problemlos verlief. Dies sei einer guten Mannschaft zu verdanken. Völlig offen ist für beide, was mit der gerade sortierten Kleiderkammer in Lütjenburg passieren soll. „Das wird sich zeigen“, so Broziat.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Jul.2016 | 00:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen