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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 01:33 Uhr

Eutin : Aus dem Gerichtssaal hinter Gitter

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Gericht sah keine Möglichkeit auf eine weitere Bewährung für einen 33-Jährigen Intensivstraftäter.

Das war das Ende der Fahnenstange: Ein 33-Jähriger ist gestern im Gerichtssaal verhaftet und hinter Gitter gebracht worden. Am Ende einer fast fünfstündigen Verhandlung gegen den alkoholkranken Eutiner stand eine Haftstraße: ein Jahr und neun Monate. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Otto Witt sah keinen Spielraum mehr für eine Bewährung. Gegen den seit fünf Jahren mehrfach wegen Gewalttaten Vorbestraften war zuletzt eine sechsmonatige Haftstrafe verhängt worden, die er ohnehin antreten sollte.

Vier Vorfälle hatte die Anklage aufgelistet, die mit der Anhörung von sieben Zeugen aufgearbeitet wurden. Einen Fall – ein in der Öffentlichkeit ausgetragener Streit zwischen dem 33-jährigen Angeklagten und seiner gleichaltrigen Lebensgefährtin, Mutter eines gemeinsamen, vier Jahre alten Sohnes – wurde fallen gelassen. Die junge Frau hatte beteuert, dass sie körperlich nicht angegriffen worden sei.

Betraft wurde der Mann, der 1999 als Spätaussiedler nach Deutschland kam, wegen zwei Attacken auf einen Nachbarn im Mietshaus vor einem Jahr und dem Versuch, im Mai 2015 unter Gewaltandrohung in einem Lokal eine Flasche Wodka zu bekommen

Was der Angeklagte von dem 40-Jährigen Nachbarn eigentlich wollte, blieb unklar: Der Betroffene erlebte nur, dass sein Nachbar im trunkenen Zustand versuchte, mit Gewalt und einem Tritt in die Wohnung einzudringen. Dem Gericht sagte der Angeklagte, er sei mit Männern einer anderen Wohnung in Streit geraten und habe Schutz gesucht.

Drei Tage später klopfte er erneut bei dem 40-Jährigen und forderte von ihm, die Anzeige zurückzunehmen. Andernfalls werde er „plattgemacht“, und auch seine Exfrau und sein Kind müssten sich vor Rache fürchten. Der Bedrohte zog aus Furcht vorübergehend zu einer Freundin.

Als räuberische Erpressung wertete das Gericht den Versuch, sich eine Flasche Wodka zu besorgen: Der Angeklagte hatte den Chef eines Lokales aufgefordert, ihm eine Flasche zu geben, er werde sie ihm am nächsten Tag „zurückgeben“. Auf ein Nein sei er sehr aggressiv geworden, schilderte der 61-Jährige Gastwirt, habe ihm angedroht, nach Ladenschluss zu verprügeln. Außerdem habe er den Einsatz eines Messers angedroht– eine Waffe hatte aber niemand gesehen.

Ihm sei klar, dass er sein Leben ändern müsse, und er wolle ein Vorbild für sein Kind sein, bettelte der 33-Jährige vor Gericht um Gnade, bei dem eine sechsmonatige Entziehungskur erfolglos geblieben war. „Er ist kein böser Mensch“, pflichtete der Verteidiger bei, der sich selbst als Betreuer für eine Bewährungsmaßnahme anbot. Außerdem leide der Angeklagte an Phantomschmerzen, ausgelöst durch einen Machetenhieb auf den Kopf.

Bewährung lasse das Gesetz bei diesem Vorstrafenregister nicht mehr zu, sagte Richter Witt. Die Frage der Haftfähigkeit angesichts der Alkoholabhängigkeit müsse in der Vollzugsanstalt geklärt werden. Wegen Fluchtgefahr und der Gefahr neuer Straftaten sei aber eine Verhaftung angesagt. Klar sei auch, dass fast alle Straftaten des Mannes mit seiner Alkoholsucht zusammenhingen und er sein Umfeld mit Aggressionen und Brutalität in Furcht versetzt habe.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 14:00 Uhr

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