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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 23:24 Uhr

Eutin : Am Priwall: Glücksspiel für Fußgänger

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Die Ostholsteiner“ sind mit der Verkehrssituation vor ihrer Einrichtung unzufrieden: Eine Ampel-Lösung soll helfen.

Stefan Thede hat genug: Wenn der Bewohner des gemeinnützigen Unternehmens Die Ostholsteiner die Straße Am Priwall direkt vor seiner Wohnung queren will, ist das gar nicht so einfach. Denn die Autos, die von der Bürgermeister-Steenbock-Straße in die kleine Gasse einbiegen, fahren hier häufig schnell um die Kurve und übersehen dabei schon mal die Fußgänger. „Wir müssen aber über die Straße, weil auf der anderen Seite unser Bäcker ist, bei dem wir unser Brot bestellen“, sagt Stefan Thede, Mitglied des Mobilitätsbeirates und des Kreisbeirats für Menschen mit Behinderung. Und auch Bewohnerin Silvia Krüger stimmt zu: „Es nervt, dass die Autos so schnell fahren.“

Das Problem: Die Ausfahrt der karitativen Einrichtung Die Ostholsteiner liegt nur wenige Meter hinter dem Kreuzungsbereich. Noch dazu ist die Sicht beim Einbiegen durch Heckenbepflanzungen stark beeinträchtigt. So komme es immer wieder zu brenzligen Situationen zwischen Fußgängern und Autofahrern, bestätigt Frank Lunau, Leiter und Sozialraumkoordinator der Einrichtung: „Die Kreuzung erschwert es allen, die Straße zu überqueren, nicht nur uns“, verdeutlicht Lunau mit Blick auf die Mehrfamilienhäuser der Straße. Einige Autos führen sogar schräg über den gepflasterten Streifen der Bushaltestelle der Bürgermeister-Steenbock-Straße und bögen so nahezu ungebremst in die Straße Am Priwall ein. Kerstin Talle-Frohnert, Unterstützerin des Beirats Wohnen: „Es ist ein echtes Glücksspiel, die Straße zu überqueren.“

Ihre Sorgen trugen die Bewohner geschlossen bei der von der Lebenshilfe organisierten Veranstaltung „Happy City“ im November vergangenen Jahres im Eutiner Kreishaus vor. Hier diskutierten Interessierte und Beteiligte Konzepte für ein barrierefreies Eutin. Lunau: „Dort haben wir einen Zebrastreifen als Lösung vorgeschlagen, aber Herr Rubelt vom Bauamt sagte, das sei nicht so einfach.“ Auch bei der Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten Anfang des Jahres habe man auf die Verkehrssituation an der Kreuzung Bürgermeister-Steenbock-Straße/Am Priwall aufmerksam gemacht, erklärt Lunau. „Aber es muss erst etwas passieren, bevor die Politik reagiert.“ Eine Bedarfsampel würde das Problem für Die Ostholsteiner, Schüler und Familien, die diesen Weg täglich nutzten, lösen, meint Lunau. Denn: „Die Autos werden größer, schneller und leiser. Das Verkehrsaufkommen ist gestiegen.“ Eine verkehrsberuhigende Maßnahme in dem Bereich der Stadt ist für den Sozialraumkoordinator der Einrichtung Die Ostholsteiner unumgänglich. Laut Verkehrssicherheitsbericht 2015 für den Kreis Ostholstein, so Lunau weiter, gehöre die Kreuzung zu den am häufigsten von Verkehrsunfällen betroffenen Orten des Kreises. „Mir stinkt das“, so Lunau, „bei allen Planungen in der Innenstadt wird die Peripherie völlig vergessen.“

Nicht völlig vergessen, sondern lediglich nicht an erster Stelle der Prioritätenliste, so die Erklärung von Bauamtsleiter Bernd Rubelt zum Thema. „Wir haben im vergangenen Jahr die Oberfläche Am Priwall gemacht und müssen in der Zukunft schauen, wie das mit anderen Maßnahmen zusammenpasst.“ Der Fokus der Baumaßnahmen liege aber gerade auf der Innenstadt, so Rubelt weiter. „Wir können nicht überall gleichzeitig bauen und der Priwall ist nicht die einzige Stelle, an der wir bauen müssen.“ Der angestoßene Prozess, barrierefreie Fuß- und Radwege in der Stadt zu schaffen, brauche Zeit und müsse systematisch ablaufen, erklärt Rubelt.

Ein Zebrastreifen als Mittel der Verkehrsberuhigung sei für Bernd Rubelt jedoch kein probates Mittel: „Das lassen die Verkehrsstärken dort gar nicht zu.“ Eher noch sei eine Anforderungsampel denkbar. Eine konkrete Planung einer Baumaßnahme im Bereich Bürgermeister-Steenbock-Straße/Am Priwall gebe es aber aktuell nicht, betont der Bauamtsleiter. Das Argument, die Kreuzung sei laut Verkehrssicherheitsbericht ein zentraler Unfallschwerpunkt in Ostholstein lässt Rubelt nicht gelten: „Wir wissen doch gar nicht, welche Art von Unfällen das gewesen sind.“

Auf Nachfrage bei der Polizeidirektion Lübeck hieß es, bei den im vergangenen Jahr aufgenommenen Unfällen an der Bürgermeister-Steenbock-Straße/Am Priwall habe es sich ausschließlich um Zusammenstöße von Pkw infolge von Vorfahrtsfehlern gehandelt.

Stefan Thede möchte trotzdem, dass sich etwas an der Kreuzung vor dem Wohnheim ändert: „Wir wollen nicht, dass immer jemand mit uns mitgeht und uns an die Hand nimmt, wenn wir über die Straße wollen.“ Große Hoffnungen steckt der 46-Jährige in den „neuen Bürgermeister“, Carsten Behnk. „Ich hoffe sehr, dass er sich darum kümmert und uns hilft“, sagt Stefan Thede.

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erstellt am 09.Aug.2016 | 16:14 Uhr

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