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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 11:27 Uhr

Abschied von der „Chefin im Ring“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sekretariat der Beruflichen Schule Eutin war 38 Jahre ihr Wirkungsfeld: Ingelore Latendorf wurde mit „großem Bahnhof“ verabschiedet

Sprachlos war sie selten. Doch gestern war einer der seltenen Momente, in denen sie kundtat: „Ich bin sprachlos.“ Zum Abschied als Sekretärin der Beruflichen Schulen Eutin nach 38 Jahren hatte sich Ingelore Latendorf einen „großen Bahnhof“ verbeten: Eine Kaffeetafel im kleinen Kreis reiche.

Ausgerechnet sie, die immer bestens Bescheid wusste über alles an der Schule, wurde mit einer großen Feier überrascht: Kollegium, Kolleginnen aus dem Sekretariat und auch Pensionäre sowie die ehemaligen Schulleiter Karl Lohmeier und Helmut Landsiedel – zusammen rund 70 Personen – empfingen sie im Versammlungsraum der Schule mit anhaltendem Applaus – und ihr Mann Jürgen hatte gut daran getan, Papiertaschentücher bereitzuhalten, denn seine Frau war mehrfach zu Tränen gerührt.

Fünf Schulleiter habe sie seit 1978 erlebt: „Es war egal, wer unter Ihnen Schulleiter war: Sie waren die Chefin im Ring,“ sagte der amtierende Schulleiter Carsten Ingwertsen-Martensen. Ingelore Latendorf habe eine klare Sprache gepflegt, profundes Fachwissen und sparsamen Umgang mit Geld bewiesen: „Wären Sie die Finanzministerin des Landes, stünde im Landeshaushalt schon lange eine schwarze Null.“

Alle an der Schule seien zum korrekten Ausfüllen von Formularen angehalten worden, sie habe alle Menschen gleich behandelt und intensive Fürsorge zum Beispiel für Reinigungskräfte entfaltet, die von ihrem Arbeitgeber schlecht behandelt worden seien. Ihre Freude über Neuerungen an der Schule habe sich Grenzen gehalten, ob Doppik oder Europaschule: „Wozu soll das denn schon wieder gut sein?“, sei die klassische Reaktion gewesen, doch nach einiger Zeit habe sich die Frau mit harter Schale und weichem Kern engagiert und zuverlässig der Umsetzung gewidmet.

„Eigentlich müssen wir Ihnen böse sein, Sie können uns doch nicht allein lassen“, merkten die beiden Kolleginnen aus dem Sekretariat, Anja Spack und Michelle Borelli, an, bevor sie mit der Organisatorin der Feier, Silvia Langkabel, viele Geschenke überreichten: Einen Gutschein für eine Ballonfahrt darunter, außerdem ein Kochbuch, das aus handgeschriebenen Rezepten von Lehrkräften besteht, und ein ebenso gestaltetes Wünschebuch.

Den Ruhestand tritt die in Gothendorf lebende, passionierte Hobbyköchin nach 42 Dienstjahren an, vor dem Start im Schulsekretariat war sie vier Jahre in der Kreisverwaltung tätig. Haus und Garten stünden jetzt auf dem Programm, und endlich mal außerhalb der Ferien verreisen, verriet sie dem OHA.

Verwaltungs- und auch Schulerfahrung bringt ihre Nachfolgerin mit: Viktoria Semtschuk (26) war bislang bei der Stadt Eutin angestellt. Morgens war sie im Sekretariat der Albert-Mahlstedt-Schule tätig, abends als Protokollantin bei Ausschüssen der Stadt und der Gemeinde Süsel.

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erstellt am 18.Jul.2016 | 17:37 Uhr

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