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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 04:56 Uhr

23 Wochen im Dienst

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nach fast 160 Tagen neigt sich die Landesgartenschau ihrem Ende zu. Antje Kock hat ihren ganz eigenen Blick auf das Großereignis Eutins. Als Ehrenamtlerin war sie 23 Wochen lang beinahe täglich auf der LGS.

Sie trägt ein hellgrünes LGS-Shirt, eine Tasche im gleichen Farbton, darin eine hellgrüne Fleecejacke, und Schuhe wie ein Farbklecks aus gelb, orange, lila und – natürlich – hellgrün. Antje Kock hat sich farblich auf die Landesgartenschau eingestellt – „bisschen LGS-bekloppt“ nennt sich die Ehrenamtlerin. Seit dem 28. April ist die Landesgartenschau das beherrschende Thema in Eutin. 159 Tage, fast 23 Wochen, florales Großevent – und Antje Kock war fast jeden Tag dabei. Als ehrenamtliche Helferin der ersten Stunde war die 70-Jährige drei Tage pro Woche je fünf Stunden im Dienst für die Gartenschau. „Privat bin ich auch fast jeden Tag hier“, sagt sie. Als sie erfuhr, dass die Stadt Ausrichterin der LGS werden würde, hatte sie nur einen Gedanken: „Wenn es eine Möglichkeit gibt, sich einzubringen, mache ich das.“ Ihre Triebfeder, der LGS ihren gesamten Sommer zu widmen, war für Antje Kock die eigene Biographie.

Aufgewachsen in Feldscheide (bei Rendsburg) verbrachte Antje Kock ihre Kindheit auf einem Bauernhof. „Ich habe immer mit Gärten zu tun gehabt. Meine Mutter hatte immer einen Blumengarten“, sagt Kock. Auch als die gebürtige Wentorferin mit ihrem Mann das gemeinsame Haus in Röbel bezog, dauerte es nicht lange, bis das Grundstück zum Nutz- und Staudengarten wurde. „Wir haben alles mit viel Leidenschaft beackert“, erinnert sich Antje Kock.

Ihren ersten Kontakt mit der LGS hatte Kock schon vor einem Jahr. Als im November die Reetdächer der Torhäuser gedeckt wurden, zog es die Bauerntochter trotz Absperrungen auf das künftige LGS-Gelände: „Ich bin groß geworden unterm Reetdach und liebe das Handwerk. Ich musste das sehen.“ Der Sicherheitsdienst zeigte wenig Verständnis und geleitete Kock hinaus.

Wenige Monate später meldete sich Kock als eine von über 90 Ehrenamtlern zum Dienst auf der Landesgartenschau. „Ich hatte mir vorgestellt, in den Beeten herumzuwühlen.“ Doch daraus wurde nichts, denn die Beetpflege übernahmen schließlich Gärtnereien. So arbeitete Antje Kock am Infopunkt oder am Haupteingang. Vor allem aber war die Ehrenamtlerin in der Mobilitätsbetreuung zuständig. „Ich dachte, ich probier das mal aus. Und es war ein Volltreffer, wie auf den Leib geschneidert.“ So verlieh Antje Kock Rollatoren, Rollstühle und Elektro-Mobile an Besucher mit Mobilitätseinschränkungen. Der Kontakt zu den Menschen habe ihr dabei besonders gut gefallen, sagt sie. „Ganz oft kamen junge Leute zu uns mit Älteren im Schlepptau, Sohn und Mutter zum Beispiel.“ Häufig hätten die Betroffenen Vorbehalte gegen die E-Mobile gehabt. „Dann habe ich vorgeschlagen, sich reinzusetzen und mal eine Probefahrt zu machen. Die meisten sind gar nicht wieder ausgestiegen“, lacht Antje Kock.

Der Beginn der Landesgartenschau: „Schleppend“, so das Urteil der 70-Jährigen. „Es war kalt und wir alle waren dick vermummt. Wer geht schon im April zur Landesgartenschau?“ In Scharen seien aber die Eutiner gekommen, „die sehen wollten, was hier ,verbrochen‘ wurde“, erzählt Antje Kock und erinnert sich dabei an all jene, die zuvor gegen die LGS waren. „Einige haben zugegeben, dass sie den Seepark wunderbar finden, den Ort, wo vorher ,Baummörder‘ stand.“ Zweifel an der Gartenschau habe sie nie gehegt. Antje Kock empfindet die LGS als Bereicherung für Eutin. „Es ist wirklich eine tolle Sache.“

Über ihren Lieblingsplatz sagt sie: „Sobald ich am Schloss bin, kriege ich automatisch den Dreh nach rechts. Ich muss als Erstes immer zu den Kleingärten.“ Denn der Apothekergarten und die Kleingärten haben Antje Kock in den vergangenen Monaten besonders beeindruckt. „Die Leute dort haben so viel Energie bewiesen, die Gärten waren jeden Tag mit zwei Leuten besetzt.“ Im achttägigen Rhythmus seien dafür Vertreter der Ortsvereine nach Eutin gekommen. „Der Landesverband hat eine Ferienwohnung angemietet, damit keiner pendeln muss.“ Auch der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt hat es ihr angetan: „Das sind so putzige Leute, und sie pflegen die alten Nutzpflanzensorten.“ Dabei lasse man Grünkohl, Zichorie oder Artischocke in Saat schießen, weiß Kock: „Und die sehen dann toll aus, Grünkohl zum Beispiel erinnert an Raps.“ Doch es gebe auch Grund zur Kritik: Einige Bereiche der Küchengärten seien stiefmütterlich behandelt worden: „Es ist unmöglich, hier wächst das Unkraut und da welken die Blumen. Die Leute bezahlen doch Eintritt“, sagt Kock kopfschüttelnd.

Insgesamt sei sie aber sehr zufrieden mit der Landesgartenschau, bilanziert Kock vor ihrem letzten Arbeitstag. „Ich finde ganz toll, was mit den großen Sichtachsen und den festen Wegen entstanden ist. Die Stadtvertreter haben wahnsinnigen Mut bewiesen, die LGS nach Eutin zu holen.“ Jetzt sei entscheidend, das Gelände nicht verwildern zu lassen. Ob sie weiter für eine Nachnutzung von Stadtbucht und Co. zur Verfügung stehen will, werde sich zeigen. Gewappnet wäre sie allemal. Immerhin verfügt sie jetzt auch über Gummistiefel. „Grün mit Margeriten“, sagt Antje Kock lächelnd.

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erstellt am 01.Okt.2016 | 04:00 Uhr

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