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Ostholsteiner Anzeiger

02. Dezember 2016 | 21:14 Uhr

„20 überwiegend schöne Jahre“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Am letzten Tag seiner exakt 20-jährigen Amtszeit wurde Michael Koch gestern Abend als Malenter Bürgermeister verabschiedet

„Was wollen Sie denn hier? Malente ist doch für Sie nur eine Durchgangsstation.“ An diese unfreundliche Begrüßung eines Gemeindevertreters zu Beginn seiner Amtszeit am 30. August 1996 erinnerte sich gestern Abend Michael Koch. Vor 130 Gästen einer Abschiedsfeier im Kursaal sagte der 66-Jährige dem Amt, aber nicht der angeblichen Durchgangsstation Ade: „Wir werden weiter in Malente wohnen und leben“, versicherte Koch im Namen seiner Familie.

Vertreter des öffentlichen Lebens, viele Kollegen und Weggefährten zollten gestern Abend Koch ihren Respekt für sein Wirken als Chef der Malenter Verwaltung. Koch sei zweimal per Direktwahl von den Bürgern mit einem großen Vertrauensbeweis ausgestattet worden, sagte Landrat Reinhard Sager. „Darauf kannst Du stolz sein.“

Der Landrat beschrieb Koch als „offen, sehr angenehm, fair, fachlich versiert und vertrauenswürdig“, allerdings sei in ihm auch deutlich der Jurist zum Vorschein gekommen. Bei seiner Arbeit habe Koch immer das Wohl der gesamten Gemeinde im Blick behalten.

Wie Sager würdigten auch Jörg Bülow, Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages, und Thomas Keller, Nachfolger Kochs als Vorsitzender des Gemeindetages Ostholstein, dessen Engagement für die Kommunen: Koch war 14 Jahre Kreisvorsitzender und sieben Jahre Landesvorsitzender des Gemeindetages. Er habe sich wie kaum ein anderer für die Interessen der Gemeinde eingesetzt, betonte Bülow.

Mancher Gemeindevertreter habe die Frage gestellt, ob unter diesem überregionalen Engagement nicht die Amtsgeschäfte im Rathaus litten, offenbarte Jürgen Redepenning, der die gesamte Amtszeit Kochs einer seiner Stellvertreter war. Redepennings Antwort: Dieses bei diesem Engagement geknüpften Kontakte seien für die Gemeinde sehr hilfreich gewesen. Die Liste der Erfolge Kochs sei zu lang für eine Rede, aber Kindergarten-Ausbau, Sicherung der Schulen, Ausbau touristischer Angebote und Ausstattung der Feuerwehren stünden auf dieser Liste. Redepenning merkte auch an, dass nicht alle Gemeindevertreter dem Bürgermeister den verdienten Respekt entgegengebracht hätten.

Als einen auf Konsens bedachten Chef, der nie aus der Haut gefahren sei, beschrieben Sönke Gutsche und Birgit Boller aus dem Personalrat den scheidenden Bürgermeister. Bürgervorsteher Rainer Geerdts hob den Willen Kochs hervor, die Zukunft nicht vorhersagen, sondern sie gestalten zu wollen.

Zu Kochs Erfolgsliste fügte Wolfgang Kienle den Verbleib der Landesfinanzschule und die Modernisierung der Fußballschule hinzu, bevor Kienle als 1. stellvertretender Bürgermeister die Entlassungsurkunde überreichte. Kochs Wirken zum Wohl aller Bürger verdiene Respekt und Hochachtung, sagte Kienle, bevor die Versammlung dies mit stehendem Applaus bekräftigte.

In seiner letzten Rede als Malenter Bürgermeister dankte Koch allen Weggefährten, erinnerte an einige, die nicht mehr leben, und stellte die Menschen in der Gemeinde heraus, die ihm immer wieder Rückhalt gegeben hätten für das reizvollste Amt, das er kenne, das zugleich die Gefahr berge, dass man zu einem sehr einsamen Chef werden könne. Und ein Bürgermeister werde mit vielen falschen Erwartungen konfrontiert.

Es seien 20 „überwiegend schöne, erfüllte Jahre“ gewesen. Koch beschwor die Kraft des Zusammenhaltes, Einzelkämpfer könnten in der Kommunalpolitik wenig erreichen. Es habe oft genug Dissenz zwischen dem Bürgermeister und der Gemeindevertretung gegeben, aber er sei immer darum bemüht gewesen, einen Konsens zu erreichen. Im Ruhestand werde es ihm nicht langweilig werden, versicherte Koch, auch wenn er sich kommunalpolitisch nicht engagieren und auch keine öffentlichen Kommentare abgeben werde. Er trage sich mit dem Gedanken, Saxophon zu lernen und sich der Fotografie zu widmen. Und er werde am Donnerstag dieser Woche nach München reisen und dort zu einer Fahrradtour über 1000 Kilometer nach Malente starten.

Dieser bereits schon im Vorfeld angekündigte Plan bot vielen Gästen einen Aufhänger für Abschiedsgeschenke, ob Radfahrkarten vom Landrat oder eine Erste-Hilfe-Tasche und ein Kompass von den Gemeindevertretern. Der digitale Kompass ist, wie Redepenning versicherte, so programmiert, dass er immer die Richtung nach Malente anzeigt.

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erstellt am 29.Aug.2016 | 11:27 Uhr

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