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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 15:29 Uhr

130 Quadratmeter mehr Betreuung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Offene Ganztagsschule hat seit dieser Woche mit einem neuen Gebäude mehr Platz für Sport, Spiele und ein warmes Mittagessen

Über 130 zusätzliche Quadratmeter Rückzugsfläche freuen sich aktuell
die Schüler der Offenen Ganztagsschule (OGS) der Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule am Standort See. Denn seit gestern steht den 11- bis 14-Jährigen für die Nachmittagsbetreuung ein neues Gebäude mit einem Arbeits-, einem Bewegungs- und einem Ruheraum sowie einem Büro, einer Garderobe und einem behindertengerechten WC zur Verfügung. Bürgermeister Carsten Behnk eröffnete gemeinsam mit Schulleiter Sven Ulmer den leuchtend roten Pavillon. Behnk: „Ich freue mich, dass die OGS ein neues Zuhause hat. Für viele Kinder ist das ein wertvoller Ort für Beschäftigung und ein Mittagessen.“ Was ursprünglich als Container gedacht war, wurde im Dezember 2015 durch die Stadtverwaltung zum Projekt Schulpavillon in Holzrahmenbauweise mit Baukosten in Höhe von 345  000 Euro umgewandelt.

In den vergangenen vier Jahren haben sich die Schülerzahlen an der OGS mehr als verdoppelt und machten so die Schaffung neuer Räume notwendig: Waren es 2012 noch 21 Schüler, sind es heute schon 50, die der Nachmittagsbeschäftigung bedürfen. Insgesamt vier Fachkräfte sorgen von Montag bis Donnerstag 12 bis 16 Uhr und Freitag 12 bis 15 Uhr für eine umfängliche Betreuung der Schüler. Zu den Projektangeboten der OGS zählen Hausaufgabenbetreuung, Fotografie, Englisch, Tischtennis oder auch Handarbeiten.

„Es ist wichtig“, erklärte Christiane Weber, Leiterin der OGS, „dass die Kinder nicht von 8 bis 16 Uhr auf Holzstühlen sitzen. Mein Bestreben ist es, hier Gemütlichkeit zu schaffen.“ Vor vier Jahren hatte Weber die Leitung der OGS übernommen. „Es war auch meine Idee, neue Räume zu schaffen.“ Unterstützung habe sie dabei von Annette Rudolph aus der Stadtverwaltung und der Schulleitung erhalten, betonte Christiane Weber. Der Weg bis zur Umsetzung durch die Stadt sei aber nicht einfach gewesen. Weber: „Aber unsere Arbeit ist wichtig. Wir ersetzen für viele Kinder das Zuhause.“ Besonders für Schüler dieses Alters – am Beginn der Pubertät – seien Rahmenbedingungen grundlegend wichtig, findet die OGS-Betreuerin. „Wir holen die Kinder von der Straße und geben ihnen eine Beschäftigung.“ Viele der Schüler, die das Programm der OGS nutzten, stammten aus sozial schwachen Familien. „Die Eltern arbeiten den ganzen Tag und sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder in der Zeit versorgt sind“, so Weber. Einige wüssten nicht, wie man mit Messer und Gabel isst, andere trügen kaputte Schuhe, weil sich die Eltern keine neuen leisten könnten. „In Deutschland herrscht große Armut“, fasst Christiane Weber ihre Erfahrungen zusammen. So nutze ein großer Teil der Kinder die OGS-Betreuung mithilfe des Bildungspakets – „Daran sieht man, wie wichtig Einrichtungen wie unsere sind.“ Tische, Stühle, eine Couch und diverse Spiele stehen den Kindern zwar schon zur Verfügung, Spenden nehmen Christiane Weber und ihre Kollegen aber gern entgegen: „Bauklötze, Kissen, Sitzsäcke, und alles, was gemütlich ist, nehmen wir gern“, zählte Weber auf.

OGS-Schüler Rene Barkowski war einer der ersten, die den roten Pavillon in Augenschein nehmen durften. Das Urteil des Zehnjährigen: „Das haben die gut gemacht mit der Couch und den Spielen.“ Im Hauptgebäude, erinnerte sich Rene, sei alles „megaklein“ gewesen, „und es gab nur ein paar Schränke mit Spielzeug drin.“

Die Projektideen gehen Christiane Weber nicht aus. Die ursprüngliche Idee, neue Räume für die OGS zu schaffen, war nämlich vor vier Jahren: „Ein Bauwagen“, erklärt die Betreuerin. „Davor ein Kräutergarten. Das hätte insgesamt 10  000 Euro gekostet, ließ sich aber nicht realisieren, wurde mir gesagt.“ Für Christiane Weber steht fest: „Da bleibe ich dran.“ Statt des Kräutergartens pflanzte sie jetzt gemeinsam mit den Kindern erst einmal einen Maulbeerbaum anlässlich der Einweihung der neuen OGS-Räume. „Vier Jahre stand er bei mir auf dem Balkon“, berichtet Weber, „und hat sogar schon zwei Mal Früchte getragen. Ich bin gespannt, ob er hier Wurzeln schlägt.“

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erstellt am 14.Okt.2016 | 00:49 Uhr

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