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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 14:50 Uhr

Bundeswehr-Mission „Minusma“ : 120 Soldaten aus Eutin bereiten sich auf Mali-Einsatz vor

vom

Bis zu 650 deutsche Blauhelmsoldaten sollen in Nordmali für Stabilität sorgen. Der Bundestag stimmt dem Einsatz zu.

Berlin | Der Bundeswehreinsatz im westafrikanischen Mali wird deutlich ausgeweitet. Der Bundestag stimmte am Donnerstag der Entsendung von bis zu 650 Soldaten in den gefährlichen Norden des Wüstenstaates mit großer Mehrheit zu. Nach Einsätzen im Kosovo und Afghanistan steht damit für das Eutiner Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ jetzt der nächste Auslandseinsatz an: Rund 120 der 525 Eutiner Soldaten werden ab April in Mali eingesetzt, sind dort Teil der seit 2013 laufenden Friedenssicherungsmission „Minusma“ der Vereinten Nationen. Insgesamt will die Bundeswehr bis Anfang Juni zunächst rund 400 Soldaten in den Norden des westafrikanischen Mali schicken.

Der Einsatz in Mali gilt als ähnlich gefährlich wie der in Afghanistan. Rebellen und Terroristen haben in der Region mehrfach Anschläge verübt und internationale Truppen angegriffen. Die Truppen der Bundeswehr sollen vor allem französische Kräfte unterstützen und entlasten. Nach den Anschlägen von Paris am 13. November hatte Frankreichs Präsident François Hollande Bundeskanzlerin Angela Merkel um militärische Hilfe gebeten.

502 Bundestagsabgeordnete waren für die stärkere Teilnahme an der UN-Mission, 66 dagegen, sechs enthielten sich. Neben den Koalitionsfraktionen unterstützen auch die Grünen den Einsatz. Die Linke ist als einzige Bundestagsfraktion dagegen.

„Das ist ein gefährlicher Einsatz“, sagte Oberstleutnant Alexander Radü, Kommandeur des Aufklärungsbataillons 6. Eine besondere Bedrohung gehe vor Ort von Sprengfallen und Angriffen terroristischen Gruppen aus. Der Chef der Eutiner Aufklärer geht davon aus, dass seine Männer bis zu sechs Monate in Mali bleiben werden. Die ersten Soldaten sollen als Vorkommando bereits in den nächsten Tagen ins Einsatzgebiet starten.

Oberstleutnant Alexander Radü vom Eutiner Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“.

Oberstleutnant Alexander Radü vom Eutiner Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“.

Foto: Alexander Steenbeck
 

Die Soldaten sollen zur Durchsetzung eines Friedensabkommens zwischen Regierung und Rebellengruppen beitragen. Im Mittelpunkt stehen militärische Aufklärung und der Schutz des internationalen Flughafens von Gao im Norden des Landes. Untergebracht wird die Truppe zusammen mit weiteren Einheiten in einem Feldlager in Gao. Die Bundeswehr übernimmt das Lager Castor genannte Camp vom niederländischen Militär. Zur Eingewöhnung an die klimatischen und infrastrukturellen Verhältnisse sei eine Übergangszeit geplant, in der die Niederländer parallel zu den deutschen Soldaten noch vor Ort sind. „Im Juni werden wir dann den Auftrag übernehmen und die Niederländer ablösen“, sagte Radü. 

Kampfeinsätze gegen die teils islamistischen Aufständischen gehören nicht zu den Aufgaben der deutschen Soldaten. Ihre Hauptaufgaben werden Aufklärung mit Drohnen, Spähpanzern und Fußtrupps sein. Die Soldaten sehen dem Einsatz mit gemischten Gefühlen entgegen.

Bis Anfang Juni will die Bundeswehr zunächst rund 400 Soldaten nach Mali schicken. Das sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die ersten Soldaten sollen bereits in den nächsten Tagen ins Einsatzgebiet starten.

Vor dem Parlamentsbeschluss hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Gefahren der Mission in dem afrikanischen Land betont. „Nordmali ist sehr unruhig, entsprechend gefährlich ist der Einsatz für unsere Soldaten“, sagte sie im Gespräch mit den Zeitungen der Madsack-Mediengruppe. „Wir beteiligen uns dort an einer der gefährlichsten Missionen der Vereinten Nationen, das sollten wir nicht unterschätzen.“

Von der Leyen rechnet mit einem langen Mali-Einsatz. „Wir sollten mit Geduld an diese Aufgabe herangehen, die wir ja erst beginnen.“ Das Ziel sei, Mali in die Lage zu versetzen, sich selber gegen Terror und Zerfall zur Wehr zu setzen und wieder auf eignen Beinen zu stehen. „Das wird dauern.“ Die Ministerin bestätigte Diskussionen in der EU, mobile Ausbildungsteams künftig auch in den Norden zu entsenden. Dies sei aber noch nicht zu Ende diskutiert. „Dabei wird die EU auch sehr genau die Sicherheitslage betrachten“, sagte von der Leyen.

Bereits am Dienstag kündigte die Verteidigunsministerin an, die Ausrüstung der Bundeswehr in den nächsten 15 Jahren mit einem Milliardenprogramm zu erneuern. Laut den Plänen sollen 130 Milliarden Euro in neue Waffensysteme investiert werden.

Bis 2019 sind bisher für militärische Beschaffung jeweils rund fünf Milliarden Euro im Jahr eingeplant. Die Pläne laufen also fast auf eine Verdoppelung hinaus. Für eine bessere Ausstattung der Truppe will die CDU-Politikerin auch einen Teil der Bundeswehrreform von Thomas de Maizière kippen. 2011 hatte ihr Vorgänger Obergrenzen für die Ausstattung der Bundeswehr mit großen Waffensystemen wie Panzern oder Kampfflugzeugen festgelegt. Diese sollen jetzt komplett gestrichen werden. Die Truppe soll je nach Lage und Aufgaben ausgerüstet werden.

mit dpa

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erstellt am 28.Jan.2016 | 16:32 Uhr

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