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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 11:45 Uhr

100 Jahre Lübecker Flughafen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vor einem Jahrhundert entstand der Airport der Hansestadt / Neues Buch fasst zum Jubiläum alle Ereignisse zusammen

Ausbildungsstätte, Einsatzbasis, Regionalflughafen und mehrfach vom Aus bedroht: Der Lübecker Flughafen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Blankensee ist einer der ältesten Flugplätze in Deutschland. Erste Bauten entstanden 1916, bis Ende der 1940er Jahre diente der heutige Airport rein militärischen Zwecken. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kam die zivile Nutzung wirklich zum Tragen, wurde jedoch kontrovers diskutiert – wie auch das Kommen und Gehen privater Investoren mit Beginn des neuen Jahrtausends.

„Der Flughafen Lübeck-Blankensee war eigentlich zweite Wahl“, sagt Alexander Steenbeck. In seinem neuen Buch zeigt der Lübecker Historiker jetzt anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Airports auf, dass die Stadtväter zunächst dem preußischem Militär ein Gelände nahe des heutigen Luv-Shopping-Centers schmackhaft machen wollten. Doch es war zu uneben und das Hochofenwerk hätte den Flugbetrieb gestört. Die Wahl fiel schließlich 1916 auf ein rund 130 Hektar großen Areal an der Bahnstrecke Lübeck-Büchen. Das Militär stimmte zu, der Bau begann angesichts des tobenden Ersten Weltkriegs sofort.

Hauptsächlichste Nutzer waren Militärs: bis 1918 eine „königlich-preußische Fliegerschule“, von 1935-1945 die Wehrmacht, bis 1950 die britische Luftwaffe, bis 1992 die Bundeswehr – letztere allerdings nutzte nur die Kasernen.

Seit den 1950ern gab es immer wieder Versuche, den Flughafen in das Netz von Airlines einzuspannen. Das gelang erst nach der Wiedervereinigung in den 1990er Jahren. Gleichzeitig mehrten sich Proteste und Klagen von Anwohnern und Verbänden gegen den zunehmenden Flugbetrieb und Ausbaupläne. Bis heute wechselte der Airport vier Mal den Besitzer.

Die Höhen und Tiefen des Lübecker Airports schildert Steenbeck in seinem neuen Buch, zeigt die Entwicklungsgeschichte Blankensees auf und fasst in seinem nunmehr vierten Buch seine jahrelangen akribischen Recherchen zur Lübecker Luftfahrtgeschichte zusammen. Und zeigt nicht nur die Sonnenseite des Airports: Wiederholt stand der Lübecker Flughafen in seiner Geschichte nach heftigen Kontroversen vor dem Aus – das Auf und Ab der Gefühle wird in Steenbecks Buch „100 Jahre Blankensee – Höhen und Tiefen des Lübecker Flughafens“ erstmals zusammenhängend dargestellt. Ebenso die wesentlichen militärischen Aktivitäten in Blankensee. „Die Geschichte von kaum einem anderen Flughafen in Deutschland, wenn nicht sogar weltweit, ist bisher so gut dokumentiert worden wie die von Blankensee“, sagt Steenbeck.

Der Flughafen Lübeck-Blankensee feiert im kommenden Jahr offiziell seinen 100. Geburtstag, da 1917 der Flugbetrieb aufgenommen wurde. Geplant ist ein Flugplatzfest am ersten September-Wochenende. Details dazu sind beim Airport aber noch in Planung.

Die Geschichte des größten Regionalflughafens Schleswig-Holsteins geht jedoch noch über das Jahr 1916 zurück. Bereits 1909 starteten in Lübeck erste Enthusiasten mit Ballons, 1910 hob erstmals in Lübeck ein Motorflugzeug ab – am Steuer: Hans Steinbeck aus Ratzeburg. Auch an diesen Wegbereiter der Fliegerei erinnert fast nichts mehr in der Hansestadt. Auch vor diesem Hintergrund ist das Buch des Lübecker Historikers entstanden. Auf 208 Seiten beleuchtet der Autor die Geschichte der Fliegerei rund um Lübeck von den Anfängen bis heute.

Jeden Stein hat der 41-jährige Historiker umgedreht, um letzte Lücken in der Geschichte des Flughafens schließen zu können. Zusammengetragen hat der Lübecker Journalist beachtenswerte Fakten, aber auch eine beeindruckende Fülle an neuem und bisher unveröffentlichtem Bildmaterial. Zu sehen sind mehr als 500 seltene Fotos aus 100 Jahren Fliegerei in Lübeck – darunter Bildmaterial von den „tollkühnen Männern und ihren fliegenden Kisten“ des Ersten Weltkriegs, von der kaum bekannten Abhörstation der US-Army direkt neben der Start- und Landebahn sowie seltene Einblicke in die Stasi-Akten des Airports.

Aufgebaut ist sein neues Buch nicht chronologisch; das großformatige Werk ist in Themenbereiche gegliedert. Somit lassen sich die Komplexe wie die Militärzeit, die „Problemzone DDR-Grenze“ oder die Proteste gegen den Airport schnell und einfach nachschlagen. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das den Blick über den Tellerrand nicht scheut. Und ideal, um gut informiert ins Jubiläumsjahr des Airports zu starten.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 13:50 Uhr

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