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Nordfriesland Tageblatt

04. Dezember 2016 | 11:19 Uhr

Zug erfasst Rinder: Bahnexperten der Bundespolizei ermitteln

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wieder sind in Stedesand Rinder auf die Bahngleise geraten, und wieder kam es zu einer schweren Kollision mit einem Zug. Der Vorfall, der sich am Mittwochmorgen um 4.37 Uhr ereignete (wir berichteten), bringt in Erinnerung, dass die Gemeinde durch derartige Zugunglücke schon mehrmals Schlagzeilen machte.

Vor vier Jahren war in Stedesand ein Regionalzug mit einer Rinderherde zusammengestoßen und daraufhin entgleist. Ein 38 Jahre alter Fahrgast aus Langenhorn starb. Außerdem wurden der Lokführer und der Zugbegleiter verletzt. Bereits einige Jahre zuvor hatte es auf der Bahnstrecke zwischen Stedesand und Bargum einen ähnlichen Unfall gegeben. Auch damals fuhr eine Lokomotive der Deutschen Bahn in eine Rinderherde und entgleiste. Verletzte gab es keine.

„Wir sind froh, dass diesmal ebenfalls niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist“, sagt Pressesprecher Heiko Kraft von der Bundespolizeiinspektion Flensburg nun zum aktuellen Fall. Der Triebfahrzeugführer hatte am Mittwochmorgen die Tiere auf den Gleisen bemerkt und sofort eine Gefahrenbremsung eingeleitet. Dennoch kam der Zug erst nach rund 500 Metern zum Stehen. Die Lok erfasste vier Tiere der Herde, alle verendeten noch an der Unfallstelle.

Fest steht bereits, dass die Tiere nicht dem selben Landwirt gehören, aus dessen Stall in Jahr 2012 Rinder ausgebrochen waren. Die Hausrinder entliefen diesmal von einer Weide, die 500 Meter in nördlicher Richtung von einem Bahnübergang entfernt liegt.

Bei der Bundespolizei sind nun Bahnermittler als Spezialisten im Einsatz, um die Sachlage zu klären. Ermittelt wird in alle Richtungen. War es ein Sabotageakt oder technischer Defekt? Hat der Tierhalter seine Sorgfaltspflicht verletzt? „Wir stehen beim laufenden Verfahren erst ganz am Anfang. Noch kann alles möglich sein“, so Kraft. Es werde erfahrungsgemäß Wochen dauern, bis Ergebnisse feststehen. Unter anderem wird der Triebfahrzeugführer, der einen leichten Schock erlitt, vernommen werden. „Und im Zug gibt es eine Art Fahrtenschreiber, der ebenfalls noch ausgewertet wird.“

Dass Nutztiere immer mal wieder von der Weide laufen, ist laut Wolfgang Stapelfeldt vom Bauernverband Schleswig-Holstein traurige Realität. Von der kaputten Einzäunung über den streunenden Hund auf der Weide bis zum Diebstahl von Weidezaungeräten – Ursachen dafür könne es viele geben. Rinder seien Herdentiere und brächen deshalb häufig gemeinsam aus, was der Grund dafür sein könne, dass gleich vier Tiere von der Lok erfasst wurden. Zudem orientieren sie sich in der Dunkelheit gern an Lichtquellen, weshalb es nicht unwahrscheinlich ist, dass die Rinder auf die Lichter der Lok zugelaufen sind. Auch Stapelfeldt ist erleichtert, dass diesmal kein Mensch verletzt wurde. „Das hätte schlimmer ausgehen können. Wo immer aber Rinder oder Schafe gehalten werden, kann es vorkommen, dass die Tiere auf die Straße, schlimmstenfalls aber auch auf die Schienen geraten.“

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erstellt am 01.Sep.2016 | 11:02 Uhr

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