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Nordfriesland Tageblatt

30. Juli 2016 | 22:40 Uhr

Schutz für Südtonderns Seeadler : Ziel: Mehr Respekt zur Brutzeit

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ein Seeadlerpaar brütet derzeit am Gotteskoogsee unweit eines Wanderwegs – für dessen Sperrung habennicht alle Verständis.

Vier Männer, eine Meinung: Das Seeadlerpaar, das seit 2004 am Gotteskoogsee brütet, ist absolut schützenswert. Und darf während der Brutzeit, die gerade in vollem Gange ist, auf keinen Fall gestört werden. Da sind sich Horstbetreuer Walther Petersen-Andresen, Gerd Oldigs vom Deich- und Sielverband, der Eigentümer des Landes ist, Naturkundler Karl-Heinz Christiansen und Reimer Breckling, Jagdpächter im Gebiet, absolut einig. Und wenn der Adlerhorst unweit eines Wanderweges liegt, sollte in der Brutzeit der vernünftige Mensch weichen. Allerdings scheint es dazu auch andere Meinungen zu geben: Unbekannte haben Sperr-Schilder am Wanderweg, die erst kürzlich aufgestellt wurden, mutwillig entfernt, berichten die Seeadler-Schützer.

Zum Hintergrund: Seit gut zehn Jahren hat sich ein Seeadler-Paar am Gotteskoogsee niedergelassen. „Und auch fast jedes Jahr erfolgreich gebrütet, also zwei bis drei Jungtiere aufgezogen“, berichtet Walther Petersen-Andresen. Der Dagebüller ist im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Seeadlerschutz ehrenamtlich als Horstbetreuer im Einsatz und hat die Familienplanung der majestätischen Greifvögel fest im Blick.

Am Gotteskoogsee hat der Seeadler ein optimales Habitat gefunden, gute Nahrung – und Ruhe. Wenn er sich nicht gerade für einen Horst entscheidet, der in unmittelbarer Nähe eines Wanderwegs liegt. Gerade das hat er allerdings in diesem Jahr getan. Nicht zum ersten Mal: Bereits 2014 habe das Adler-Paar an diesem Standort in einem kleinen Wäldchen gebrütet, berichtet Petersen-Andresen. Der Horst ist für die Eltern praktisch gelegen, nämlich auf einer Sitka-Fichte, deren Spitze fehlt. Somit haben die Greifvögel eine breite Plattform für ihr Nest und können gut an- und abfliegen – immerhin haben die Tiere eine Spannweite von bis zu 2,40 Meter. Allerdings ist der Horst damit auch für Menschen sichtbar. Und wenn der Abstand in der sensiblen Phase der Brut und Fütterung der Jungtiere nicht gewahrt werde, könne das ernste Konsequenzen haben, so der Horstbetreuer: „2014 wurde der Adler gestört und hat am Ende seine Brut aufgegeben.“

Das wollen die Verantwortlichen am Gotteskoogsee, die in engem Austausch stehen, in diesem Jahr auf jeden Fall verhindern. Deshalb haben sie sich jetzt dafür entschieden, den Wanderweg befristet zu sperren. Dass einige der Schilder kurz nach dem Aufstellen gewaltsam entfernt wurden, bereitet ihnen Sorgen. Petersen-Andresen: „Wir wissen nicht, ob das ein Dumme-Jungen-Streich war oder wir es hier mit krimineller Energie zu tun haben.“ Der Seeadler reguliere den Gänse- und Fischbestand, verschmähe auch Aas nicht – „wir Jäger sind absolut froh, dass wir ihn haben, er ist ein echter Nützling“, sagt Reimer Breckling. Dennoch – der Seeadler sei nicht bei allen wohlgelitten, gerade, wenn es um die Errichtung neuer Windkraftanlagen gehe, deuten die Adler-Schützer an. „Den Seeadler zu vertreiben, bringt langfristig nichts. Wo einmal einer war, kommt immer wieder einer“, so der Horstbetreuer.

Fünf Seeadler-Paare gibt es in Nordfriesland insgesamt, zwei davon in Südtondern, das zweite brütet bislang weitgehend im Verborgenen bei Leck. Besonders für das Greifvogelpaar unweit des Wanderwegs am Gotteskoogsee appellieren die Engagierten an die Vernunft der Südtonderaner. „Wir bitten darum, die Verbotsschilder zu respektieren und Abstand zu halten. Wir wünschen uns, dass möglichst viele Menschen die Tiere als ,unsere Seeadler‘ begreifen.“

Die Brutzeit beginnt Ende Februar und beläuft sich auf rund 38 Tage, währenddessen bleibt ein Elternteil stets beim Horst, wenn das andere auf Jagd geht. Die Greifvögel während der Brutzeit zu irritieren, müsse nicht einmal vorsätzlich geschehen: Auch nur in der Nähe zu stehen und zu gucken, störe den Adler, erläutert Karl-Heinz Christiansen.

Die Sperrung des Wanderwegs wird den Verantwortlichen zufolge höchstens bis zum 31. Juli bestehen bleiben und vielleicht auch früher wieder aufgehoben. „Wir wollen den Adler nicht verstecken, nur schützen“, verdeutlicht Petersen-Andresen. Zu gegebener Zeit sei geplant, einen Sichtschutz aufzustellen, von dem aus Interessierte störungsfrei einen Blick auf den Horst und seine Bewohner werfen können. Zudem bieten Walther Petersen-Andersen und Karl-Heinz Christiansen eine Führung zum Thema an, und zwar am Karfreitag, 25. März, um 17 Uhr. Treffpunkt ist an der Infohütte Gotteskoogsee. „Wir freuen uns insbesondere über Teilnehmer, die Interesse haben, uns bei der Betreuung der Seeadler zu unterstützen.“

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erstellt am 19.Mär.2016 | 05:30 Uhr

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