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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 09:08 Uhr

30 Jahre Haizmann-Museum : Würdigung für einen großen Künstler

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Beim Festakt stellten die Redner die besondere Bedeutung des Künstlers und des Hauses heraus.

Die Künstlerpersönlichkeit Richard Haizmann stand im Mittelpunkt einer Feierlichkeit und Vernissage am Sonnabend im gleichnamigen Museum. Zum Festakt erschien Kultur-Staatssekretär Dr. Eberhard Schmidt-Elsaeßer aus Kiel, weitere Redner waren Bürgermeister Wilfried Bockholt und Dr. Karin Tuxhorn, Vorsitzende des Vereins Freunde des Richard Haizmann Museums sowie Museumleiter Dr. Uwe Haupenthal.

Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens des Richard Haizmann Museums sind bis zum 22. Oktober Werke aus den eigenen Beständen des Hauses zum Teil erstmalig zu sehen. Die Arbeiten stehen „im Zusammenspiel“ beziehungsweise Kontrast zu modernen, aktuell noch aktiven Künstlern aus dem norddeutschen Raum: Otto Beckmann, Eiko Borcherding, Günter Brus, Olrik Kohlhoff, Johanna Ludwig, Augustin Noffke und Fabian Vogler.

„Mein Respekt gilt Richard Haizmann als einer wichtigen Künstlerpersönlichkeit des Landes und einem kleinen, feinen und wichtigen Museum in der Museumslandschaft Schleswig-Holsteins und seinen Machern“, betonte Eberhard Schmidt-Elsaeßer. Das Richard-Haizmann-Museum habe sich seit seiner Gründung vor 30 Jahren eine landesweite Bedeutung und Profil erarbeitet und sei in Kunstkreisen auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. National und international bekannte Künstler gäben sich hier ein Stelldichein genauso wie junge Nachwuchskünstler. „Sieben Ausstellungen der klassischen Gegenwartskunst finden hier jährlich statt. Das ist eine stattliche Zahl, viele andere Museen arbeiten mit zwei, drei Sonderausstellungen im Jahr. Das Museum hat große Kunst in einen kleinen Ort gebracht“, lobte der Staatssekretär.

Haizmann gelte bis heute als überaus innovativer Künstler und das kunsthistorische Interesse nehme seit den 70er Jahren kontinuierlich zu. „Haizmann ist interessanterweise auch derjenige Künstler, der in der nationalsozialistischen Ausstellung zur „Entarteten Kunst“ mit den meisten Arbeiten vertreten war. Dabei hat er sich nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft nicht als ehemals verfolgter Künstler versucht, in den Vordergrund zu spielen, obwohl er in sehr bescheidenen Verhältnissen lebte. Auch dies erfordert großen Respekt.“

Dr. Uwe Haupenthal stellte das Werk Richard Haizmanns in den Mittelpunkt seiner Rede, um dann die Kombination mit den neueren Werken der norddeutschen Künstler hervorzuheben. „Nie zuvor haben wir so viele Arbeiten Haizmanns aus dem Niebüller Spätwerk gezeigt. Auch für mich selbst ist es eine Premiere. Für mich hat sich vieles lange nicht recht erschlossen. Seine Bilder aus der Nachkriegszeit sind von bemerkenswerter Konsequenz. Und so findet seine Kunst in der Kunstgeschichte und auf dem Kunstmarkt immer größere Anerkennung. Für das Niebüller Museum ist er nach wie vor ein konzeptioneller Jungbrunnen. Die Konstellation mit den Arbeiten der Nachgeborenen verdeutlicht das. Vielleicht hätte Haizmann das sogar gefreut. Wir wissen es nicht, arbeiten jedoch unverdrossen an neuen Projekten.“

Bereits Bürgermeister Wilfried Bockholt hatte auf die Bedeutung des Museums in der Region hingewiesen. „Ich liebe dieses Haus!“ sagte der Bürgermeister und erwähnte in seiner Rede die Geschichte der Gründung und der vielen Unterstützer und Förderer. Auch die Stadt Niebüll gehört dazu, Alt-Bürgermeister Heinz Loske zählte 1986 zu den Ermöglichern. Erwähnung fand die unlängst verstorbenen Kunstpädagogin und Künstlerin Gabriele Rentelmann, die mit ihrer Kindermalschule im Museum die künstlerische Weiterbildung der Kleinen auf besondere Weise prägte. „Sie ist uns unvergessen“, so Wilfried Bockholt.

Dr. Karin Tuxhorn, Vorsitzende des Vereins Freunde des Richard-Haizmann-Museums, der 200 Mitglieder zählt, erinnerte ebenfalls an die liebenswerte und engagierte Persönlichkeit. Vor allem dankte sie Mäzenen wie Klaus Müller, der für die Ausstellung das bemerkenswerte Haizmann-Schachspiel aus dem Jahr 1960 zu Verfügung stellte; sie erwähnte die gelungene Gegenüberstellung der Werke Haizmanns mit Werken zeitgenössischer Künstler. Tatsächlich ist hier Dr. Uwe Haupenthal in Zusammenarbeit mit Hausmeister Heinrich Kröger der große Wurf gelungen. Thematisch sind die einzelnen Räume geordnet. Wer sich nach rechts im Museum begibt, entdeckt im hinteren Raum Tierwelten: eine Elefantenplastik von Johannes Brus – und gegenüber eine sehr modern wirkende Elefanten-Zeichnung von Richard Haizmann aus dem Jahr 1925. Spannende Begegnungen im ersten Stock. Hier korrespondieren die Frauengestalten von Johanna Ludwig mit einem erstaunlich zeitlosem Mädchen-Holzschnitt des Niebüller Künstlers aus dem Jahr 1951. Noch verblüffender sieht der Kontrast zwischen Arbeiten des Bargumer Bildhauers Fabian Vogler mit Haizmanns rundgesichtigen Wesen aus. Die Formen und Ausdrucksweisen ähneln sich. Fabian Vogt, der wie Johanna Ludwig extra erschienen war, betonte, dass er Haizmann durchaus kenne, sich aber nicht absichtlich an ihm orientiert habe: „Die Inspiration hat möglicherweise unbewusst stattgefunden.“

Der Besuch der Ausstellung ist ein wahres Erlebnis: In jedem Raum gibt es viel zu entdecken. Denn Haizmann war unglaublich produktiv, einfallsreich und vielseitig. Er war Maler, Plastiker, Grafiker und Keramiker – schuf Voieles quasi aus dem Nichts. Von Nolde wurde er für seine Kohlezeichnungen bewundert, von den Niebüllern manchmal skeptisch beäugt. Das wird sich ändern: Da staunt der Besucher über Figuren-Fundstücke, bewundert die nordfriesische Meereslandschaft (1937) und beim Wetterings Hof (1949). Fantastisch und fast futuristisch überraschen seine „Studie zum Silbervogel“ oder sein „Laufender Vogel“ aus den Jahren 1925/26. Tief religiös verwurzelt verarbeitete er eigene mystische Erlebnisse – „so erlebt und empfunden“, wie Dr. Uwe Haupenthal konstatierte.



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erstellt am 12.Sep.2016 | 18:58 Uhr

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