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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 01:16 Uhr

Tradition : Würdige Ehrung der Kriegsopfer

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Volkstrauertag in Ladelund wurde mit einem Gottesdienst, der Niederlegung von 13 Kränzen und einer internationalen Begegnung begangen

Der Volkstrauertag wurde in Ladelund in gewohnt würdiger Weise begangen. Das ganztägige Programm, zu dem sich auch 50 Teilnehmer aus der niederländischen Stadt Putten eingefunden hatten, begann mit einem dreisprachigen Gottesdienst, in dem die Texte in der bis auf den letzten Platz besetzten St. Petri-Kirche in deutscher, dänischer und niederländischer Sprache vorgetragen und die Lieder entsprechend gesungen wurden.

Gestaltet wurde die Feierstunde von Pastor Hans-Joachim Stuck (Liturgie und Predigt) sowie den beiden Organisten Mirko March (Ladelund) und Teun van Unen (Putten). Letzterer begleitete traditionsgemäß das gemeinsam gesungene, auf dem Psalm 84 basierende und somit Trost spendende Lied: „Wie lieblich schön, Herr Zebaoth“. Dieses hatten die Männer von Putten im Oktober 1944 in der Alten Kirche gesungen, bevor sie verschleppt und in deutsche Konzentrationslager verbracht wurden – überwiegend ins KZ Neuengamme und dessen Außenlager. 110 dieser Männer wurden – neben weiteren 190 Gefangenen aus zwölf anderen Nationen – innerhalb von nur sechs Wochen von Pastor Johannes Meyer auf dem Ladelunder Friedhof beerdigt, der nach Kriegsende ihre Angehörigen benachrichtigte und so die Basis für eine ständig wachsende, auf dem christlichen Glauben beruhende Freundschaft unter dem Leitgedanken einer „Versöhnung über den Gräbern“ sorgte. Pastor Stuck erinnerte an Jannes Priem, den letzten Überlebenden des örtlichen KZ-Außenlagers, der – unter dem Motto „Vergeben aber nicht vergessen“ – die Größe gezeigt hatte, auch an den Ehrenmalen für die deutschen gefallenen Soldaten Blumen niederzulegen. Priem habe also in gleicher Weise gehandelt wie Jahuda Bacon, ein einstiger Gefangener des KZ Auschwitz, dessen Überzeugung es war: „Das Gute ist das Eigentliche, das Böse hat keinen Bestand.“ Nach der Totenehrung begaben sich die Gottesdienstbesucher an die KZ-Gräber, um der dort Beerdigten zu gedenken und der wortlosen Niederlegung von 13 Kränzen durch Repräsentanten des Kreises Nordfriesland, der Gemeinden Putten und Ladelund, die „Stichting Oktober 44 Putten“ und des Kreises „Jugendbegegnung Putten/Ladelund beizuwohnen. Weitere Kränze wurden durch Repräsentanten des Kirchenkreises Nordfriesland, der Bundeswehr, der Gedenkstätte Neuengamme die Gemeinde Wyk/Föhr, der Kirchen- und politischen Gemeinde Ladelund sowie der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund niedergelegt. Begleitet wurde die wortlose Zeremonie durch den Klang christlicher Choräle, vorgetragen durch Blechbläser des „Martin-Luther-Bläserkreises Achtrup“ sowie des Posaunenchores Ladelund unter der Leitung von Mirko March.

Unmittelbar danach begaben sich die Gottesdienstbesucher und andere Einwohner des Dorfes an die Ehrenmale für die deutschen gefallenen Soldaten und sonstigen Opfer der beiden Weltkriege, um auch dort die Toten durch Blumen und Kränze zu ehren.

Mit einem Mittagessen im Ladelunder Pastorat wurde die Begegnung fortgesetzt. Nach dem gemeinsamen Genuss einer Suppe überreichte Friederike Cornelßen dem Leiter der gastgebenden Gedenkstätte, Raimo Alsen, ein von der Wyker Schulsekretärin zusammengestelltes Album mit Zeitungsausschnitten, die sich mit der anfänglich heftig umstrittenen Umbenennung der „Friedrich Christiansen-Straße“ in „Hauptstraße“ befassten. Sodann warteten die Sprecher diverser Einrichtungen mit Grußworten auf, unter ihnen Henk Lambooij, der Bürgermeister der Stadt Wyk, Siegfried Puschmann als stellvertretender Kreispräsident des Kreises Nordfriesland, Dieter Dekka von der „Stifting 44“ und der Ladelunder Bürgermeister Rüdiger Brümmer. Eine „Internatinale Begegnung“ im Dokumentenhaus der Gedenkstätte rundete das Programm zum Volkstrauertag schließlich ab. Dort nutzte Dr. Angelika Königseder (Berlin) die Gelegenheit, das Konzept der neu zu gestaltenden Gedenkstätte vorzustellen.

 

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erstellt am 14.Nov.2016 | 14:05 Uhr

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