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Nordfriesland Tageblatt

30. September 2016 | 01:48 Uhr

Interview : „Wir kritisieren den Flächenfraß“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wolfgang Stapelfeldt vom Kreisbauernverband Südtondern gehen die Änderungen zum neuen Naturschutzgesetz nicht weit genug.

Niebüll | Haben Sie als Landwirt sich gestern gefreut? Änderungen an den Regierungsplänen für das neue Naturschutzgesetz wurden beschlossen. Demnach soll das geplante Betretungsrecht gestrichen werden.
Wolfgang Stapelfeldt: Wir freuen uns, dass die Regierungsfraktionen im Bereich Betretungsrecht zur Einsicht gekommen sind. Wir vom Bauernverband haben hier massiv den Gesetzentwurf kritisiert. Es gibt ja das Betretungsrecht für alle öffentlichen und privaten Wege. Auf unseren Äckern wird jedoch gewirtschaftet. Das Betretungsrecht stört uns – aber nicht, weil wir nicht damit leben können, wenn jemand auf unserem Grundstück einen Spaziergang machen, einen Drachen steigen lassen oder vielleicht in einem Gewässer am Feld angeln will. Wir wollen aber vorher gefragt werden, denn ein Laie kann nicht erkennen, ob beispielsweise gerade gesät wurde. Oder es könnte sein, dass der Bauer ein Düngemittel ausgebracht hat. Dann ist es auch nicht gerade sinnvoll, wenn jemand die Fläche betritt. Wir wollen vor dem Betreten um Erlaubnis gefragt werden. Jeder Landwirt ist dann generell gerne bereit, das Drachensteigen auf den Feldern zu akzeptieren.

Sind die Landwirte also nach der Entscheidung der Koalition nun zufrieden?
Noch nicht. Das Betretungsrecht gehört nicht zu den Positionen, die uns am meisten verärgert haben. Die geplante Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes lehnt der Bauernverband weiterhin ab. Daran ändern auch nicht die jetzt bekannt gewordenen Änderungsanträge der Fraktionen SPD, SSW und Grüne.

Was kritisiert denn der Bauernverband noch?
Es ist der verkehrte Weg, mehr Ordnungsrecht aufzubauen. Der Satz „Der Schutz der Natur und Landschaft auf privaten Flächen berücksichtigt den besonderen Wert des privaten Eigentums“ ist laut den Regierungsplänen aus dem Landesnaturschutzgesetz gestrichen. Das bedeutet, dass der Bauer über sein Land nicht mehr vollkommen frei verfügen kann. Besser wäre aber ein Naturschutz vor Ort mit den Menschen und mit den richtigen Instrumenten, wie beispielsweise dem Vertragsnaturschutz.

Und das bedeutet?
Beim Vertragsnaturschutz der Naturschutzbehörden werden bestimmte Lebensräume zum Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt im freiwilligen Zusammenwirken mit den Grundstücksbesitzern erhalten. Die Betonung liegt dabei auf der Freiwilligkeit. Für einen bestimmten Vertragszeitraum erfolgt auf den Flächen dann eine angepasste landwirtschaftliche Nutzung – im Sinne des Naturschutzes.

Die Bauern wollen Freiwilligkeit und sie wollen mehr Flächen.
Ja, wir kritisieren nach wie vor den Flächenfraß, der durch das Vorkaufsrecht für den Naturschutz weiter verschärft wird. Wir Landwirte sind auf jeden Hektar angewiesen. Und allein schon die verschärfte Düngemittelverordnung sorgt dafür, dass wir künftig mehr Flächen brauchen. Das Vorkaufsrecht für den Naturschutz ist aber praktisch eine Entmündigung. Ein Landwirt kann bei einem Verkauf nicht mehr frei entscheiden. Er muss immer damit rechnen, dass der Naturschutz eingreift. Dabei wäre es besser, die schon vorhandenen Naturschutzflächen durch flächenangepasste Maßnahmen aufzubessern. Für den Naturschutz stehen bereits genügend Flächen zur Verfügung, diese müssten nur sinnvoller genutzt werden.

Was also will der Bauernverband?
Wir wollen nicht, dass das Eigentum der Bauern willkürlich in Richtung Naturschutz überführt wird.

Für die Landwirte ist Naturschutz dennoch auch wichtig, oder ?
Natürlich ist Naturschutz wichtig. Landwirtschaft und Naturschutz grenzen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich hervorragend, wenn nicht per Gesetz von oben herab verordnetet wird. Im übrigen wirtschaften wir Landwirte in der Natur um hochwertige Nahrungsmittel und Energie zu erzeugen. Es werden gute Kompromisse gebraucht um beiden, der Landwirtschaft und dem Naturschutz, gerecht zu werden.





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erstellt am 01.Mär.2016 | 11:28 Uhr

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