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Nordfriesland Tageblatt

30. Mai 2016 | 12:39 Uhr

Umweltpreis 2015 : „Wir haben Biogas in die Stadt geholt“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Stadtwerke Niebüll werden heute mit dem Umweltpreis 2015 ausgezeichnet / Jury würdigt regionale Strom- und Wärmeversorgung aus Biogas

Die Stadtwerke Niebüll haben sich nach Ansicht der Studien- und Fördergesellschaft der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft als besonders innovativ und umweltfreundlich hervorgetan. Daher verleiht der Unternehmensverband Nord heute den Umweltpreis 2015 an den regionalen Energieversorger mit Sitz im Ostring. Wenn Schleswig-Holsteins Umwelt- und Energiewendeminister Robert Habeck im Kieler Schloss die Laudatio hält und Verbandsvorsitzenden Uli Wachholtz die Auszeichnung übergeben wird, sitzt Stadtwerke Geschäftsführer Rüdiger Wiese in der ersten Reihe. Im Interview erklärt er, wie sich die Niebüller den renommierten Preis verdient haben.

 

Wie viele Kunden haben die Stadtwerke Niebüll über den Daumen gepeilt?

Rüdiger Wiese: Wir versorgen derzeit etwa 1500 Kunden an unseren Standorten Niebüll, Leck und Bredstedt mit Strom, Gas und Wärme. Damit gehören wir im Maßstab eher zu der Kategorie der kleineren Energieversorger. Dem entspricht auch unsere Mitarbeiterzahl – wir haben zusammengenommen 52 Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen.

 

Herr Wiese, wie hat Ihr Unternehmen die Jury überzeugt?

Wir haben uns mit unserem Wärmeprojekt beworben, wir wurden eingeladen, und ich durfte unser Konzept dann vor der Jury vorstellen. Zwei Wochen später habe ich dann die Nachricht bekommen, dass wir gemeinsam mit der Firma Blunk und den Schwartau Werken gewonnen haben.

 

Wie sieht das Gewinner-Projekt aus Niebüll aus?

Im Nordosten von Niebüll – in Uhlebüll – wurde im Jahr 2009 gemeinsam von zehn Landwirten eine Biogasanlage errichtet. Die Landwirte verwenden Mais und viel Gülle, um das klimafreundliche Biogas zu erzeugen. Soweit ist das nicht ungewöhnlich. Allerdings ist uns damals aufgefallen, dass auch diese Anlage kein Wärmekonzept hatte. Hier haben wir dann gemeinsam die Idee entwickelt, von der beide Seiten profitieren können und die zudem umweltfreundlich und regional ist: Von den Stadtwerken Niebüll wird das Biogas aufbereitet und durch eine fünf Kilometer lange Gasleitung an drei im Stadtgebiet verteilte Blockheizkraftwerke transportiert. Hier werden Strom und Wärme erzeugt.

Wie leistungsfähig sind diese Blockheizkraftwerke?

Umgerechnet könnten wir etwa 1500 Haushalte mit Strom versorgen. Die Wärme aus den Blockheizkraftwerken beheizt jetzt im Stadtzentrum aber die umliegenden Schulen, verschiedene Amtsgebäude, das Schwimmbad, ein Kaufhaus, das Hospiz, ein Bankgebäude sowie zahlreiche Wohngebäude und das Niebüller Rathaus. Wir haben damit das Biogas in die Stadt geholt.

 

Das Besondere an dem Konzept ist die regionale Verwertung ?

Ja, jeder bringt hier vor Ort ein, was er am besten kann. Die Landwirte sorgen für die Produktion der Biomasse und die Gaserzeugung – die Stadtwerke sind für den Transport und die Verstromung des Biogases zuständig. So klappt es, dass der Strom nicht erst an der Börse in Leipzig gehandelt wird, sondern regional erzeugt und regional verbraucht wird. Dass wir die Energie direkt vom Feld in die Stadt tragen, ist schon etwas Besonderes. Unterm Strich werden durch dieses Wärmekonzept jeweils 6000 Megawattstunden Wärme und Strom erzeugt, die nicht mehr aus fossilen Energieträgern gespeist werden müssen. Das entspricht etwa 200  000 Liter Heizöl oder 350  000 Kubikmeter Erdgas – auch das hat die Jury gewürdigt.

 

Was bedeutet die Auszeichnung mit dem Umweltpreis 2015 für die Stadtwerke Niebüll?

Er ist sehr wichtig. Er ermutigt uns, auch weiterhin auf erneuerbare Energien zu setzen. Natürlich ist der Preis auch eine tolle Anerkennung für unsere Arbeit der letzten Jahre, und wir sind darauf auch ein wenig stolz.

 

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erstellt am 06.Okt.2015 | 05:00 Uhr

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