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Nordfriesland Tageblatt

07. Dezember 2016 | 17:32 Uhr

Umsonst und draussen : Wildes Zelten erwünscht

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Naturnaher und nachhaltiger Tourismus wird immer beliebter. Auch in Südtondern sollen Möglichkeiten geschaffen werden – zumindest, wenn es nach Carola Steltner und Felix Middendorf geht.

In Ländern wie Norwegen oder Schweden sorgt das Jedermannsrecht dafür, dass sich jeder zu Fuß oder auf dem Fahrrad frei in der Wildnis bewegen darf. Dazu gehört auch das Übernachten: Jeder darf dort grundsätzlich in der Natur sein Zelt aufschlagen und mindestens für eine Nacht bleiben. In den meisten anderen europäischen Ländern ist das dagegen nicht so einfach – auch nicht in Deutschland. Dabei ziehen laut ADAC-Reisemonitor etwa 1,7 Millionen Deutsche ihr Zelt oder ihren Wohnwagen einem Hotel oder einer Ferienwohnung vor. Um diesen künftig auch in unserer Region mehr bieten zu können, ist der Arbeitskreis Tourismus in Südtondern sowie im Mittleren Nordfriesland auf der Suche nach geeigneten Plätzen – kleinen Tälern, Wiesen und Waldstücken – auf denen sich wildes Campen anbieten würde. Dem ämterübergreifenden Arbeitskreis Tourismus gehören unter anderem Vertreter von Freizeitbetrieben und Touristinfos an, geleitet wird er von der Aktivregion Nord und der Tourismus Nordfriesland GmbH.

Dem Projekt der naturnahen Übernachtung haben sich Carola Steltner vom Infozentrum Wiedingharde in Klanxbüll und Felix Middendorf vom Amt Mittleres Nordfriesland angenommen. „In der Region legen wir alle verstärkt Wert auf einen Tourismus, der Umwelt und Mensch im Einklang schwingen lässt“, sagt Middendorf, „einen Tourismus, der natürliche Ressourcen schont und gleichzeitig die individuellen Interessen unserer vielen Gäste im Fokus behält. Dies geschieht vielfach über innovative Ideen, oftmals auch über ein Besinnen auf den Ursprung, womit wir beispielsweise beim Wildcamping sind.“

Gemeinsam mit Carola Steltner ist er Ansprechpartner für Gemeinden und Privatpersonen, die ihre Flächen zur Verfügung stellen möchten. Beide haben im Ausland selbst Erfahrungen mit wildem Campen gesammelt und sind sich sicher, auf diese Art neue Zielgruppen erreichen zu können. „Häufig sind es recht junge Menschen, die sich bei diesen naturnahen Reisen in Landschaft und Region verlieben“, sagt Middendorf. „Wenn der Tag sich dem Ende entgegen neigt, soll ihnen die Möglichkeit geboten werden, dort wo sie sind, inmitten der Natur ein Lager aufzuschlagen.“

Mit zirpenden Grillen, vorbeiziehenden Gänsen, paradiesischem Abendlicht oder dem klaren Sternenhimmel sorge das Naturreich dann ganz von selbst für unvergessliche Erlebnisse, ergänzt Carola Steltner. Und genau diese Urlauber seien dann die Stammgäste von morgen, sind sich beide sicher: „Irgendwann kehren diese Gäste mit ihren Familien zurück – dann als Mieter von Hotels, Ferienwohnungen oder etwa Campingplätzen.“

Die Idee für das Projekt stammt von der Initiative „Wildes Schleswig-Holstein“ der Stiftung Naturschutz. Diese umfasst zahlreiche Angebote rund um das Erleben der Natur. Dazu zählen auch Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen wie Einheimische, die naturnah unterwegs sind – also mit dem Fahrrad oder zu Fuß. 15 solcher Plätze gibt es im Land, in Nordfriesland bislang allerdings nur zwei. „Wenn wir hier etwas haben – dann doch vor allem schöne Natur“, sagt Steltner.

Und damit das so bleibt, gibt es für das wilde Campen verbindliche Regeln, betonen sie: Die Plätze müssen frei zugänglich sein und sie sollten Raum für ein bis zwei kleine Zelte mit jeweils bis zu drei Personen bieten. Größere Gruppen sind nicht erwünscht und es ist lediglich eine Übernachtung erlaubt. Offenes Feuer ist nicht gestattet – ebenso wenig ein Verschmutzen der Natur. Gibt es vor Ort kein WC (was oftmals der Fall ist) kommt der Spaten zum Einsatz. „Wild-Camper nehmen ihren Müll selbstverständlich mit und hinterlassen den Übernachtungsplatz sauber“, so Middendorf. „Die touristische Zielgruppe gilt aber ohnehin als äußerst achtsam, verlässlich und umweltbewusst.“ Das belegten Erfahrungen der Regionen, die bereits mitmachen, beispielsweise aus Süderlügum.

Ist ein Ort gefunden, kümmern sich die beiden Ansprechpartner um die Organisation. „Den Grundstücks-Gebern entstehen weder Kosten noch nennenswerter Aufwand“, sagt Middendorf. Einnahmen sind laut Carola Steltner allerdings nicht Ziel der Initiative, das organisierte Wildcampen solle für die Übernachtungsgäste kostenlos sein. „Mögliche Gastgeber sind zum Beispiel Menschen, die selbst schon mit Zelt und Rucksack gereist sind und Spaß daran haben, neue Menschen kennenzulernen.“ Kleine Wegweiser sollen später zu den Zeltplätzen führen, außerdem werden sie in das Internet-Angebot von „Wildes Schleswig-Holstein“ aufgenommen.

Kontakt: Carola Steltner, Infozentrum Wiedingharde, Toft 1, 25924 Klanxbüll, Telefonnummer 04668/313, Fax 04668/319 oder per E-Mail an:

info@nordfrieslanderleben.de. Weitere Informationen unter: www.wildes-sh.de.

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