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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 09:05 Uhr

Konzert-Reihe : Wenn die Luxus-Orgel lockt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zu den Süderlügumer Kirchenkonzerten werden viele Musiker erwartet – sie wollen auf einem ganz besonderen Instrument spielen.

Marcussen – schon der Name ist für Organisten so klangvoll, dass er eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf sie ausübt. Vor fünf Monaten wurde die von den Eheleuten Anne-Grete und Carsten Hansen gestiftete Marcussen-Orgel in der frisch sanierten Süderlügumer Marien-Kirche eingeweiht. Unter Federführung des Kirchenmusikers Jochen Seeger haben dort seitdem bereits einzelne Orgel-Konzerte stattgefunden. Dank Seegers Initiative veranstaltet die Kirchengemeinde Süderlügum-Humptrup nun die erste Kirchenkonzert-Reihe mit der prächtigen Orgel. Der Name des Herstellers genügte, um bekannte Interpreten anzulocken.

„Marcussen-Orgeln sind berühmt für ihren warmen, weichen und sehr edlen Klang“, sagt Seeger. Der Neubau für die Marien-Kirche sei jedoch sogar für die dänischen Orgelbauer etwas ganz besonderes gewesen. 580000 Euro investierten die Hansens. „Im Normalfall planen Kirchengemeinden die Anschaffung einer neuen Orgel. Da macht man Kompromisse, um Geld zu sparen“, erklärt Seeger. Doch diesmal sei das beste Material gerade gut genug gewesen.

Die Konzertreihe ist nun Gelegenheit für viele neugierige Musiker, das Instrument einmal selbst zu spielen. Seeger macht sich nichts vor: „Wir sind hier eigentlich kein kultureller Mittelpunkt.“ Trotzdem habe er bei niemandem betteln müssen. Bereits nach einer kurzen Notiz in einer Orgel-Fachzeitschrift hätten sich viele Leute bei ihm gemeldet, sagt Seeger. Die Luxus-Orgel zieht neugierige Musiker von nah und fern an.

Am Freitag, 29. April, 20 Uhr, beginnen die „Süderlügumer Kirchenkonzerte 2016“ mit einer „Orgelreise durch Europa“. Der Kirchenmusikdirektor (KMD) an der St. Nikolai Kirche in Flensburg und Kreiskantor im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, Michael Mages, spielt Werke aus Frankreich, England, Italien und Deutschland. Schon beim Probespielen in Süderlügum zeigt er sich begeistert: „Diese Orgel ist ein Gewinn für die ganze Region!“

Im Juni wird Martina Kürschner auftreten. Sie ist Organistin an der Joachim-Wagner-Orgel von 1722 in der Berliner St. Marienkirche. „Ich habe sie mehrfach in Berlin gehört und dann einfach mal angesprochen“, sagt Seeger.

Zwischen den Stücken sollen einzelne Werke von den Musikern erläutert werden. „Das haben sich die Leute nach den ersten Konzerten gewünscht“, erklärt Seeger.

Pastor Matthias Corves ist begeistert vom Engagement seines seit zwei Jahren in Süderlügum wirkenden Organisten Jochen Seeger, „der uns zeigt, welch ein tolles Instrument die Orgel ist“. Ohne die gestiftete Orgel wäre auch die umfangreiche Kirchenrenovierung wohl nicht zustande gekommen, äußert sich Corves dankbar. Die Kirchengemeinde habe allerdings etwas Zeit gebraucht, um die Chancen zu begreifen, die mit der Orgel-Schenkung verbunden sind, hatte der Pastor bei der Einweihung Ende 2015 eingeräumt. „Als Carsten Hansen plötzlich sagte ,Ich habe euch eine neue Orgel gekauft‘, war das wie ein Schock“, sagt Seeger. Die alte Orgel habe ja noch funktioniert. Plötzlich musste die Kirche für den Einbau des neuen Instruments saniert werden. Fünf, sechs Jahre brauche man dafür normalerweise. Stattdessen sei das Projekt mit der Bauleitung des Kirchenkreises in zwölf Monaten durchgepeitscht worden. „Das war ein sagenhaftes Jahr“, sagt Seeger. Corves ergänzt: „Es ist ein Glücksfall, dass Jochen Seeger gerade in dieser Zeit zu uns gekommen ist.“ Seeger habe Kontakte in alle Richtungen, auch nach Dänemark, geknüpft und vermarkte die neue Orgel gekonnt.

Für die Kirchenkonzert-Reihe wurden Sponsoren aus der Region gewonnen. So konnte die Kirchengemeinde auch einen kleinen Flyer mit den Terminen und Erläuterungen finanzieren. Den Flyer zum Runterladen, eine genaue Beschreibung der Marcussen-Orgel sowie die musikalischen Lebensläufe der einzelnen Interpreten gibt es im Internet unter www.nordkirche.de/veranstaltungen.

Der Klang der Orgel begeistert Zuhörern übrigens auch im Kirchenalltag. „Ich bekomme nach Taufen oder Trauerfeiern oft Rückmeldungen von Leuten, die sagen: ,Was klingt diese Orgel doch schön‘“, erzählt Seeger.

Das Programm: Nach der „Orgelreise durch Europa“ (siehe Haupttext) am Freitag, 29. April, 20 Uhr, gibt es am Freitag, 27. Mai, von 16 bis 17.30 Uhr eine Kinder-Orgelführung mit kleinem Konzert. Dazu spielt die Föhrerin Birgit Wildeman und erläutert die Geschichte der Orgel, bevor die Kinder selber einige Töne spielen dürfen. Ab 20 Uhr spielt die Konzertorganistin Birgit Wildeman dann Toccaten, unter anderem von Johann Sebastian Bach. Das Motto des Konzertabends lautet: „Toccare – schlagen – berühren“.
Zum Thema „Lobe den Herrn, meine Seele – Halleluja“ spielt am Freitag, 24. Juni, 20 Uhr, die Organistin an der Joachim-Wagner-Orgel von 1722 der St. Marienkirche, Berlin-Mitte, Martina Kürschner, in Süderlügum Orgelwerke von Bach, Dietrich Buxtehude und Jean Alain. Am Sonnabend, 2. Juli, steigt dann um 17 Uhr eine Sommerabendmusik mit dem Posaunenchor Süderlügum unter der Leitung von Jörg Eggers sowie Jochen Seeger an der Marcussen- und Chororgel.

Orgelmusik für vier Hände und an zwei Orgeln gibt es dann am Sonnabend, 30. Juli, 20 Uhr, von dem Kirchenmusiker-Ehepaar Tünde Nagy und Christoph Hauschild aus Saarbrücken. Sie waren vormals Kirchenmusiker in Leck, Bredstedt und Kellinghusen und geben in Süderlügum unter anderem ein Echo-Konzert an beiden Orgeln.
 

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erstellt am 21.Apr.2016 | 14:16 Uhr

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