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Nordfriesland Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Landwirtschaft : Weniger Maisanbau in der Marsch

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Auf nur noch 14 Prozent der hiesigen Ackerflächen wird Mais angepflanzt. Jetzt hat die Ernte begonnen.

Autofahrern ist die Veränderung vielleicht schon aufgefallen: Während noch vor ein paar Jahren links und rechts der Straßen hohe Maispflanzen oft die Sicht behinderten, bleibt Südtonderns Horizont inzwischen immer öfter „maisfrei“. Innerhalb der vergangenen vier Jahre ist der Anbau der Pflanze in Schleswig-Holstein um 14 Prozent von 194  000 auf 167  100 Hektar zurückgegangen.

„Die 14 Prozent gelten auch für Südtondern. Allein in Nordfriesland hat sich die Größe der angebauten Maisfläche auf 25  760 Hektar im Jahr 2015 reduziert“, bestätigt Wolfgang Stapelfeldt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Südtondern. Das Verhältnis zwischen Silomais für die Rinderfütterung und Energiemais für die Biogasanlagen liege dabei schätzungsweise im Verhältnis 50 zu 50, so der Funktionär.

Ein bedeutender Grund für den Rückgang ist die Erkenntnis der fachkundigen Landwirte, dass die Marsch als Maisstandort nicht funktioniert: Nasse Herbstsituationen erschweren die Ernte auf diesen Flächen ungemein und ließen teilweise ein Befahren des Ackers gar nicht zu. Doch wenn der Mais, der die mit Abstand größte Biomasse liefert, wegfällt, womit werden die kleinen Biokraftwerke dann gefüttert? „Wir bauen auf den Flächen wieder Getreide an. Allerdings sind das spezielle Sortenzüchtungen, die als Brotgetreide nicht in Frage kommen. Sie weisen zu geringe Proteinwerte auf und sind somit nicht backgeeignet“, erklärt Stapelfeldt, der selbst als Ackerbauer in Emmelsbüll-Horsbüll wirtschaftet. Das Getreide wird im Gegensatz zur gängigen Ernte nicht mit dem Mähdrescher gedroschen, sondern als Ganzpflanzensilage (GPS) Ende Juni/Anfang Juli mit dem Feldhäcksler geerntett. Es ist der gleiche Häcksler, der auch zur Gras- und Maisernte dient, nur hat dieser ein anderes „Gebiss“. Die am häufigsten angebauten GPS-Kulturen in Südtondern sind Roggen, Hafer, Weizen und Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen. Das gehäckselte Erntegut wird ebenfalls siliert.

Durch die frühe Ernte des GPS-Getreides ist es dem Landwirt fortan möglich, Zwischenfrüchte in seine Fruchtfolge mit einzubeziehen. „So sieht man auch bei uns in Südtondern immer mehr Äcker mit Öllein, Phacelia und Gelbsenf. Das ist nicht nur gut für die Bodenkultur, sondern auch etwas fürs Auge“, stellt Stapelfeldt fest.

Insbesondere der Gelbsenf sticht hierbei ins Auge. Seine leuchtend gelbe Blütenpracht erinnert an die goldenen Rapsfelder. Nur blüht dieser, je nach Aussaat, Ende September/Anfang Oktober.

Nichtsdestotrotz bleibe der Mais aufgrund seiner hohen Ertragsfähigkeit und seiner „einfachen Handhabung“ das Gär-Substrat Nummer eins, weiß der Landwirt und fügt hinzu: „Es sind nur diese drei Monate im Jahr, in denen bei uns auf dem flachen Land der Horizont etwas dichter und grüner an uns dran ist als sonst.“ Auch beim Bau neuer Biogasanlagen zeigt sich ein Wandel: „Der Boom ist vorbei. Es ist in Südtondern kein weiterer Ausbau an Biogasanlagen geplant.“

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erstellt am 23.Sep.2016 | 18:24 Uhr

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