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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:04 Uhr

Erfolgreich in China : Weltmeisterliche Gedächtnisleistung

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Jürgen Petersen aus Risum-Lindholm hat mit dem deutschen Team in China den WM-Mannschaftstitel geholt.

Was haben eine schwarze Katze, eine Yucca-Palme und ein Kuckuck gemeinsam? Sie alle können Hilfsmittel sein, um große Gedächtnisleistungen zu meistern. Und das äußerst erfolgreich, wie Jürgen Petersen aus Risum-Lindholm beweist: Der 49-Jährige hat jüngst bei der Gedächtnisweltmeisterschaft im chinesischen Chengdu als Teil des deutschen Teams vor den USA und China den Mannschaftsweltmeistertitel errungen. Knapp 300 Teilnehmer aus 25 Nationen maßen ihre Merkleistung bei der Weltmeisterschaft.

Für Jürgen Petersen war das nicht die erste Teilnahme am internationalen Wettstreit der Gehirne: Acht Mal hat er bereits mitgemacht – und ist nach wie vor begeistert. Mindestens 1000 Ziffern und zehn Kartendecks à 52 Spielkarten in je einer Stunde und in der richtigen Reihenfolge im Kopf behalten und wiedergeben – diese Voraussetzungen hat Petersen bereits 2008 bei der WM in Bahrain erfüllt und trägt deshalb den Titel Gedächtnisgroßmeister „und den kann mir auch keiner mehr nehmen“.

Insgesamt stehen zehn Disziplinen auf dem WM-Wettkampfpensum, dazu gehören Binär-Ziffern, historische und zukünftige Daten, gigantische Zahlenkolonnen, Namen und Gesichter, abstrakte Bilder sowie „Zahlensprint“ – und immer geht es darum, sich so viel wie möglich in einer vorgegebenen Zeit zu merken und sie korrekt wiederzugeben. Die WM in China sei ein Fest mit „allem Pomp, Tanz und Feuerwerk“ gewesen, berichtet der 49-Jährige. Das Hotel sei von Sicherheitskräften strengstens bewacht gewesen, Zuschauer von den Wettkämpfen ausgeschlossen, um die Konzentration der Gedächtnissportler nicht zu stören. „Einmal ist bei der 17. Zahl eine Tür im Nebenraum zugeschlagen – dann kann es sehr emotional werden, wenn die Teilnehmer sich davon ablenken lassen.“

Die vielen Eindrücke von der WM – auch kulinarischer Art, bot das Catering doch Herausforderungen wie gekochte Hühnerfüße oder Pansen – sind kaum verdaut, da hat sich Jürgen Petersen schon das nächste Wettkampf-Zeil gesetzt: Im März fährt er zur italienischen Meisterschaft nach Rom und trainiert fleißig seine Fähigkeiten. „Ohne Eselsbrücken funktioniert gar nichts“, verrät der Gedächtniskünstler. Mit den richtigen Technik könne jeder lernen, sich weit mehr zu merken, als man sich je zugetraut hätte.

Das funktioniert laut Petersen über sogenannte Routen und Bilder, die man mit dem zu Lernenden verknüpft. Die Merkroute kann sich etwa aus Plätzen im eigenen Zuhause zusammensetzen. „Nehmen wir an, die Yucca-Palme in meinem Wohnzimmer bildet den ersten Ort der Route, und die erste Zahl der Kolonne ist eine 13. Mit der 13 verbinde ich Unglück, also das Bild einer schwarzen Katze“, erläutert Jürgen Petersen. Nun stelle er sich vor, dass die Katze in die Yucca-Palme springe und mit den Blättern kämpfe, und fertig ist das im wahrsten Sinne des Wortes merkwürdige Bild. „Es hilft sehr, wenn Bewegung dabei ist, die Vorstellung verrückt ist und mehr als ein Sinn angesprochen wird.“ Da wird die Zahl 7 zu den sieben Zwergen und die Zahl 777 zum Kuckuck – weil in Gedächtsnisprofi-Kreisen der Buchstabe „K“ der Ziffer 7 entspricht und die anderen Buchstaben im Gedächtnisalphabet keine Bedeutung haben.

Klingt komisch? Funktioniert aber, und nicht nur in Wettkampfsituationen – wenn man die Techniken kennt und es nicht an Wiederholungsdisziplin mangeln lässt. „Mich fasziniert auch, dass ich mir in allen Alltagssituationen das merken kann, was ich sonst vergessen würde“, sagt Petersen. Handynummern, Namen, Zug- oder Abteilnummern – alles kein Problem für den 49-Jährigen, der zufällig zum Gedächtnissport kam.

Nach dem Abitur und der Ausbildung zum Landwirt kam er in einem Seminar für Unternehmer zum ersten Mal mit Gedächtnistechniken in Berührung. Er war begeistert, bildete sich weiter und wurde Dozent. Irgendwann stellte er sich die Frage: „Kühe oder Coaching?“ – und entschied sich, den Bauernhof aufzugeben. Heute ist er einer von vier Gedächtnistrainern in ganz Deutschland, die ihren Lebensunterhalt damit vollständig bestreiten.

Eine weitere große Leidenschaft, das Laufen, hat er mit dem Merktraining verbunden. Diese Technik, wie man sich beim Laufen im Wald zum Beispiel Vokabeln oder Daten merkt, hat er „Brainrunnung“ getauft, durch ein Patent schützen lassen und ein Buch darüber geschrieben.

 


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erstellt am 27.Jan.2016 | 05:00 Uhr

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