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Nordfriesland Tageblatt

05. Dezember 2016 | 03:31 Uhr

Niebüll : Weitere Trauer-Angebote für Kinder

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Hospiz zieht nach anderthalb Jahren Trauerbegleitung für Mädchen und Jungen eine positive Bilanz.

„Ist Krebs ansteckend?“ Eine Frage, auf die heute jeder Teenager binnen weniger Minuten eine klare Antwort im Internet finden kann. Doch ist die eigene Mutter erkrankt, trauen sich Mädchen und Jungen manchmal über Jahre nicht, dafür ins Netz zu gehen. „Die eigene Betroffenheit ist zu groß“, sagt Heike Behrens-Schulz. Zusammen mit Mareike Carstensen stellt sich die ausgebildete Trauerbegleiterin und Erzieherin unter dem Dach des Wilhelminen-Hospiz seit anderthalb Jahren einer herausfordernden Aufgabe: Der Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen. Noch wird diese wichtige Aufgabe, die nicht von den Kassen bezahlt wird, von der „Aktion Mensch“ finanziert. Doch diese Unterstützung für eine ganze Stelle, die sich die beiden Frauen teilen, läuft im kommenden Jahr aus. Aber es gibt gute Nachrichten: „Unsere bisherigen Angebote bleiben bestehen. Wir möchten und werden das Thema Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche sogar noch umfassender als bisher bearbeiten“, kündigt Heike Behrens-Schulz an. Die Finanzierung dafür wird künftig der Förderverein des Hospizes sicherstellen.

„Darüber sind wir natürlich sehr froh“, sagt die Trauer-Expertin, die auf dieser guten Basis nun ganz beruhigt eine Zwischenbilanz ziehen und einen Ausblick wagen kann. Im Jahr 2015 habe der Aufbau der Trauerbegleitung im Vordergrund gestanden, und drei der fünf Säulen des Angebotes. Das sind zum einen die Trauergruppe für Neun- bis Zwölfjährige, die sich alle drei Wochen in der Familienbildungsstätte trifft, dort ist derzeit noch ein Platz frei. Darüber hinaus werden Einzelbegleitungen und Trauergespräche angeboten. In diesen können Mädchen und Jungen in einem geschützten Raum ihrer Traurigkeit und ihren Ängsten freien Lauf lassen, ihren eigenen, oft wortlosen Weg finden, um mit dem Verlust umzugehen. „Und sie bekommen unsere volle Aufmerksamkeit. Das ist wichtig, wenn sich zuhause alles um das Sterben oder den Tod eines Elternteils dreht“, sagt Heike Behrens-Schulz.

In diesem Jahr haben sich die Hospiz-Mitarbeiterinnen dann auf die Präventivarbeit konzentriert, sind schon in einige Kindergärten und Schulen gegangen und haben eine ganze Reihe von Pädagogen fortgebildet. „Auf Anfrage gehen wir in Klassen, in denen das Thema akut ist, also die Mutter oder Vater eines Kindes stirbt. Wir bieten aber auch Präventivarbeit an“, sagt Heike Behrens-Schulz. Dies geschehe immer nach Zustimmung aller Eltern sowie in Begleitung der vertrauten Lehrkraft und einer Schulsozialarbeiterin. In drei Einheiten von jeweils zwei Schulstunden gehe es dann um die Fragen: Wie gehe ich mit Trauer um? Was tröstet mich? Und: Was stärkt mich? „Kinder trauern anders als Erwachsene, leben auch dabei viel mehr im Augenblick, brauchen andere Rituale“, sagt Heike Behrens-Schulz. Und sie hätten ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren und nicht in Watte gepackt zu werden. Denn Kinder, die sich ihrer Trauer nicht stellen können, werden krank – manchmal sogar erst als Erwachsene. Sogar ein Kindergarten im südlichen Dänemark habe das Angebot der Trauer-Expertinnen schon genutzt. „Südlich reicht unser Bereich etwa bis Bredstedt“, sagt Behrens-Schulz.

Die fünfte Säule der Kinder- und Jugendarbeit des Wilhelminen-Hospiz ist die Öffentlichkeitsarbeit – für alle Interessierten offene Informationsveranstaltungen oder Seminare und Fortbildungen rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer. Das Dach-Projekt „Trau dich!“ soll dazu motivieren, sich diesen Fragen zu stellen. „Wir hoffen, auch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen“, sagt Heike Behrens-Schulz.

In anderthalb Jahren wurde also viel erreicht – für die Trauer-Expertin ist dies die beste Motivation für das Stecken von neuen Zielen: „Für den Bereich Niebüll konnte ein tolles Angebot aufgebaut werden. Künftig möchten wir Kinder und Jugendliche nicht erst in der Akutphase oder nach dem Tod, sondern bereits ab der Diagnose begleiten“, sagt Heike Behrens-Schulz. Denn von dem Tag an, an dem fest steht, dass ein Elternteil sterben wird, werde der ganzen Familie der Boden unter den Füßen weg gerissen. Für dieses Ziel vernetzte sich das Wilhelminen-Hospiz gerade mit Selbsthilfegruppen, Krankenhäusern und der onkologischen Praxis.

Das Angebot für Kinder, die ein Familienmitglied verlieren, wird im nördlichen Nordfriesland also immer umfassender. Doch wer hilft, wenn Kinder selbst lebensbedrohlich erkranken? „Diese wichtige Aufgabe übernimmt der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst des Flensburger Katharinen Hospiz am Park, mit dem wir sehr eng und gut zusammen arbeiten“, sagt Heike Behrens-Schulz, die für ein Jahr auf ihre Kollegin Mareike Carstensen verzichten muss, die im Herbst Mutter wird. Doch auch dafür gibt es eine Lösung: Carola Sievertsen wird für ein Jahr diesen wichtigen Job übernehmen. „Finanzierung und die Vertretung sind geklärt. Ich freue mich, dass wir uns weiter ganz auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren können“, sagt Heike Behrens-Schulz.

Weitere Infos: Tel. 04661/607-0753 oder unter www.wilhelminen-hospiz.de

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erstellt am 24.Aug.2016 | 12:40 Uhr

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