zur Navigation springen

Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Betrügerische Anrufe : Warnung vor der 110

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit gefälschten Telefonnummern und Identitäten versuchen Kriminelle, ältere Menschen um Geld und Wertgegenstände zu betrügen.

Wenn die 110 anruft, ist am anderen Ende der Leitung kein Freund und Helfer am Hörer, sondern ein Krimineller: Das Vortäuschen eines Polizei-Anrufs ist die neueste Masche der Betrüger am Telefon. Rund 80 solcher Taten verzeichnete die Polizei im vergangenen halben Jahr in Schleswig-Holstein. Davor gewarnt hatte das Landeskriminalamt (LKA) bereits vor einer Woche. Nun wurde bekannt: Auch in Nordfriesland versuchen Kriminelle derzeit, älteren Bürgern ihr Geld und Wertgegenstände abzuschwatzen. Entsprechende Fälle meldete die Polizei aus Stadum und Breklum.

Als die Senioren in Stadum einen Anruf bekamen, wurde die Nummer 04662/110 im Display angezeigt. Eine Rufnummer, die eigentlich nur dazu da ist, im Notfall gewählt zu werden, dazu noch eine Vorwahl – das machte die Stadumer misstrauisch. Sie riefen die Polizeistation in Leck an. Schnell war klar: Jemand hatte versucht, die Senioren zu betrügen. Denn von der Nummer 110 ruft die echte Polizei tatsächlich keine Bürger an.

Betrug am Telefon ist beliebt. Die Täter können mit relativ geringem Risiko ersten Kontakt zu ihren Opfern im Rentenalter aufnehmen. In Bayern warnte die Polizei erst diese Woche erneut vor dem sogenannten „Enkel-Trick“. Dabei geben sich Anrufer aus dem Ausland als Verwandte, Freunde oder Anwälte eines Bekannten in einer Notsituation aus. Jemand werde vorbeikommen, um dringend benötigtes Bargeld abzuholen – beispielsweise für eine Gefängniskaution oder eine Arztbehandlung.

In den vergangenen Monaten verzeichneten Ermittler zudem einen starken Anstieg beim „Chef-Betrug“, einer Weiterentwicklung des Enkel-Tricks. Dabei meldet sich ein vermeintlicher Chef der Firma bei zuständigen Buchhaltern per Telefon oder E-Mail und drängt auf eine schnellstmögliche Überweisung auf ein ausländisches Konto. Der Vorgang sei streng vertraulich zu behandeln. Ein weltweit operierendes Verbrecher-Netzwerk hatte so allein in Nordrhein-Westfalen 31 Millionen Euro erbeutet. Nur ein Teil der Transaktionen konnte von Ermittlern noch unterbunden werden, bevor das Geld endgültig in dunklen Kanälen versickert war.

Das Vorgehen mit der gefälschten Telefonnummer ist ebenfalls eine Weiterentwicklung des Enkel-Tricks. Die Täter bedienen sich der Polizei zufolge „modernster Telekommunikationsmittel, die es ermöglichen, jede beliebige Rufnummer im Display der Geschädigten erscheinen zu lassen“. Oft haben die Kriminellen zuvor Informationen über ihre potenziellen Opfer gesammelt. Die Anrufer, die sich als Polizisten oder Staatsanwälte ausgeben, sprechen zudem akzentfrei Deutsch. Sie erschleichen sich Vertrauen, berichten zum Beispiel von Einbrüchen in der Umgebung und einem festgenommenen Täter. Bei diesen habe man einen Zettel mit Name und Adresse der Angerufenen gefunden. Nun wolle man zur Sicherheit die Wertgegenstände der Senioren abholen und verwahren. Auch eventuell vorhandene Schließfächer bei Banken sollten „sicherheitshalber“ ausgeräumt werden.

Die Stadumer sind auf diese Masche nicht hereingefallen. Auch sonst ist es den Kriminellen wohl nur in wenigen Fällen gelungen, ältere Menschen um ihr Geld zu betrügen. „Trotzdem beträgt der Schaden mehrere Hunderttausend Euro“, sagte LKA-Sprecher Uwe Keller. Ermittler sprechen von „hochprofessionell agierenden Gruppen“ und gehen zudem von vielen Fällen aus, die nicht gemeldet wurden. Doch selbst wer den Betrug erst nachträglich bemerkt, sollte den Fall anzeigen. „Falsche Scham spielt den Tätern in die Tasche“, sagte Keller. Im Zweifelsfall also die Nummer der Kriminalpolizeistelle in Niebüll (04661/40110) oder die 110 wählen – wer selbst anruft, hat mit Sicherheit echte Polizisten am anderen Ende der Leitung.

Weitere Tipps von der Polizei: Überprüfen Sie Ihren Telefonbucheintrag. Ihr Vorname sollte abgekürzt sein. Eine exakte Anschrift ist – auch in Zeitungsanzeigen – oft nicht nötig. Geben Sie Fremden gegenüber keine Auskunft  über Ihre Vermögenswerte. Polizei und Staatsanwaltschaft würden Sie nie telefonisch zu einer Zahlung auffordern. Deponieren Sie keine Wertsachen auf Anordnung vor Ihrem Haus. Haben sich Unbekannte angemeldet, holen Sie sich Unterstützung.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Aug.2016 | 19:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen