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Ausstellung : Von Schrottkisten und Traumautos

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Straßenkreuzer, Motorräder und viel mehr: Die Miniatur-Welt des Bastelkünstlers Wolfgang Bruhn ist in Rodenäs erstmals als Ausstellung zu sehen.

Riecht es hier nach Autoöl oder Wagenschmiere? Wenn man unvermutet die Kulturstation Zollhäuser Rodenäs betritt, glaubt man sich in eine andere Welt versetzt. Denn gerade wurde eine ungewöhnliche Ausstellung eröffnet: Wolfgang Bruhn zeigt in Dioramen die bunte kleinformatige Welt der Straßenkreuzer, Motorräder, Reparaturwerkstätten und Tankstellen.

Autofans kommen voll auf ihre Kosten. Da sind die aus 50er-Jahre-Filmen bekannten US-Tankstellen an den Highways, da gibt es eine echte Käferwerkstatt mit allen Schikanen. Die nachempfundene Biker-Werkstatt mit zwei Harley-Davidson-Freaks ist ein weiteres Highlight. Es sind fabelhafte dreidimensionale Bühnenbilder, die den Betrachter auf Anhieb faszinieren. Das liegt einerseits an der ungeheuren Detailtreue der Modelle, aber vor allem daran, dass hier nicht heile Welt repräsentiert wird.

Es sind realistische Inszenierungen: Da gibt es absolut echt wirkende, verrottete Schrottkisten, dazu Hebebühnen, Werkzeug, das herumliegt, Teile des Motors, Schraubenschlüssel – oder aber brutale Natur. Ein Baum, der in den Straßenkreuzer gekracht ist. „Es ist eine nostalgische Welt. Bruhn schafft es, die sterbenden Autos in eine Szenerie zu versetzen, als könnte man sie wieder zum Leben erwecken“, sagt Barbara Schmidt-Tychsen von der Kulturstation. „Großartig die Wände mit Werbetafeln, schönen Kalender-Girls, Ölsorten und Bier.“ Und alles ist im richtigen Maßstab aufeinander abgestimmt.

Der Silberstedter Bastelkünstler kennt alles aus eigener Anschauung. Er reiste durch die USA, ließ sich inspirieren. „Ich habe schon als Kind damit angefangen“, sagt er. „Aber nur nach dem Bausatz zu werkeln, ist langweilig.“ Und so hauchte er den Modellen ein eigenes Leben ein. „Er sägt, raspelt, beschädigt sie, macht sie reparaturwürdig, malt sie rostig“, hat Barbara Schmidt-Tychsen herausgefunden. Seine Werkstatt ist unbeschreibliches Sammelsurium von Kleinteilen, Modellautos, winzige Werkzeugen, Lötkolben. „Sie glauben gar nicht, was er alles sammelt“, sagt seine Gattin.

Doch erst diese Leidenschaft macht den Unterschied. „Immer entdeckt man etwas Neues“, sagt Elke Nord, die Wolfgang Bruhn auf dem Husumer Messe-Flohmarkt entdeckt hat. Sie war sofort „hin und weg“, musste dann den Modellbauer sanft überreden. „Ich mache das nur als Hobby“, so der vielgefragte Mechaniker. „Die Idee einer Ausstellung ist mir jedoch nie gekommen.“

Umso schöner, dass die beiden Kultur-Macherinnen von der Kulturstation Zollhäuser wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen haben. Denn Wolfgang Bruhn zeigt auch eine Welt, die einmal war. „Wir leben im Zeitalter des Computers, des Kontrollfiepens, wenn der Gurt nicht geschlossen ist. Fenster, Türen, Kofferräume schließen sich automatisch per Knopfdruck“, sagt Barbara Schmidt-Tychsen. „Bruhn ist noch Herr der Dinge.“


Die Ausstellung in der Kulturstation Zollhäuser Rodenäs ist noch bis zum 14. Mai, Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr, zu sehen.


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erstellt am 20.Mär.2017 | 07:00 Uhr

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